Keine 24.000 Fans wie gegen Borussia Dortmund, nur 500 Menschen dürfen diesmal ins Bundesliga-Stadion. Und dennoch: Der 1. FC Rielasingen-Arlen spielt am Samstag, 22. August, im Freiburger Schwarzwaldstadion vor mehr Zuschauern als der Sportclub Freiburg in den vergangenen Bundesliga-Heimspielen. Wer nach Kuriositäten sucht, findet sie in diesen Corona-Zeiten mitunter bei Sportveranstaltungen. Beim Endspiel des Südbadischen Vereinspokals treten die beiden Oberligisten, der 1. FC Rielasingen-Arlen und der SV Oberachern, gegeneinander an. Nicht auf einem Provinz-Spielfeld, sondern im Freiburger Bundesliga-Stadion. Das fasst um die 25.000 Zuschauer. Mit fast genauso vielen hatte der 1. FC Rielasingen-Arlen im August 2017 in eigener Regie beim DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund die Freiburger Arena gefüllt. Gut die Hälfte der Besucher kam aus dem Hegau und legte zeitweise die Bundesstraße zwischen Döggingen und Freiburg lahm. Das wird am 22. August nicht passieren.

Frenetisch feierten die Fans im vollen Schwarzwaldstadion den 1. FC Rielasingen-Arlen nach dem Pokalspiel gegen Borussia Dortmund.
Frenetisch feierten die Fans im vollen Schwarzwaldstadion den 1. FC Rielasingen-Arlen nach dem Pokalspiel gegen Borussia Dortmund. | Bild: Jens Bittlingmaier

Sieg brächte viel Geld ein

Gerade mal 200 Zuschauer dürfen den 1. FC Rielasingen-Arlen beim Südbadischen Pokalfinale unterstützen, dieselbe Zahl kann der Gegner aufbieten. Insgesamt sind 450 Zuschauer zugelassen. Dazu kommen Spieler, Trainer, Betreuer und Funktionäre. Und dennoch ist der Auftritt der Hegauer publikumswirksamer als die vergangenen Heimspiele des SC Freiburg, die noch im Juni endeten. Die mussten als Geisterspiele nach den damals geltenden Corona-Verordnungen ganz ohne Zuschauer ausgetragen werden. Ein Sieg im Finale würde dem 1.FC Rielasingen-Arlen mehr als 100.000 Euro durch die Qualifikation für den DFB-Pokal in dies Vereinskasse spülen. Diese Summe ließe sich bestens für die hohen Investitionen in die Infrastruktur auf dem Sportgelände Talwiese verwenden.

Nur der harte Kern ist dabei

„Schweren Herzens müssen wir den vielen Interessenten für Karten absagen“, bedauert Christine Dreide von der Geschäftsstelle des 1. FC Rielasingen-Arlen. „Es kommen wohl nur die Leute zum Zug, die eng und seit vielen Jahren mit dem Verein verbunden sind, wie auch Vorstandsmitglieder und ständige Helfer“, verrät sie. Die wegen den Corona-Verordnungen namentlich registrierten Eintrittskarten müssen auch schon Ende dieser Woche an den Südbadischen Fußballverband versendet werden. „Es ist für beide Seiten frustrierend, für die Fans und uns als Verein, dass wir nicht mehr Tickets verteilen können“, sagt Christine Dreide. Sie hatte fast im Alleingang, nur mit Hilfe eines Spielers, das Ticketing vor dem Dortmund-Spiel abgewickelt.

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Welche Gegensätze: Damals hat sie einen Großteil der 24.000 Tickets ausgestellt, diesmal bei der gezielten Auswahl der 200 Karten und der Absage an viele enttäuschte Fans stark gefordert. Wie bei vergangenen Endspielen in Villingen oder Pfullendorf wären wohl wieder weit über 1000 Besucher aus dem Hegau nach Freiburg gefahren. Alle Endspiele der deutschlandweiten Länderpokale werden am Samstag, 22. August, in drei Abschnitten in einer Konferenzschaltung im Ersten Deutschen Fernsehen übertragen. Die Partie 1 FC Rielasingen-Arlen gegen SV Oberachern beginnt um 14.45 Uhr.

Kraftakt für den Verein

Für den 1. FC Rielasingen-Arlen geht es beim Spiel in Freiburg nicht nur sportlich um viel, sondern auch wirtschaftlich. Sollte das Team um Trainer Michael Schilling gegen den SV Oberachern siegen und den südbadischen Pott holen, würden sie die 1. Hauptrunde des DFB-Pokals erreichen. Gegner wäre Holstein Kiel aus der 2. Bundesliga. Alle Amateurvereine erhalten etwa 130.000 Euro Antrittsgeld. In der zweiten Hauptrunde gäbe es sogar über 300.000 Euro, jeweils abzüglich anfallender Kosten, wie für den Betreiberverein des Spielorts. Der 1. FC Rielasingen-Arlen könnte einen warmen Geldregen gut gebrauchen.

Große Investition in Infrastruktur

Der Verein hat mächtig in die Infrastruktur investiert. Die neue Tribüne am Kunstrasenplatz steht, die Sanitärtrakte, die auch von anderen Vereinen genutzt werden, sind kurz vor der Vollendung. Der Verein muss laut Sprecher Oliver Ley 600.000 Euro aufbringen, abzüglich eines Gemeinde-Zuschusses von 250.000 Euro. „Das ist für uns ein Kraftakt“, erklärt Ley. Durch die Corona-Verordnungen können derzeit nur 67 der 260 Tribünenplätze belegt werden.

Christoph Matt steht mit seinem Team schon zum dritten Mal in vier Jahren im Südbadischen Pokalfinale. Für den neuerlichen Einzug hat er zwei Tore im Halbfinale beim VfR Stockach beigesteuert. Nun freut er sich schon mächtig auf das Spiel im Freiburger Bundesliga-Stadion: Christoph Matt hat schon in derselben Arena gegen Borussia Dortmund mitgespielt. „Das erzeugt nochmals Gänsehaut, wenn wir das Bundesliga-Stadion betreten. Die fantastische Erinnerung wird wieder aufleben. Vieles ist haften geblieben. Mir ist im Stadion schon einiges vertraut“, sagt Matt. „Auch die Spieler, die noch nicht dabei waren, dürfen sich auf ein besonderes Erlebnis freuen. Wir wissen, dass viele Fans uns vor dem Fernseher die Daumen drücken“, sagt er.

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