Sich Zeit nehmen, Zuhören und sich für andere einbringen – das sind für sie keine hohlen Worte: „Wenn ich sehe, dass ich helfen kann, dann mache ich das“, sagt Zita Wirsch aus Worblingen. Für Menschen da zu sein und ihnen in Problemsituationen beizustehen ist für sie zu einer erfüllenden Aufgabe geworden. Ja, sie habe schon einen Helfertrieb, sagt Zita Wirsch nach kurzem Überlegen, das bringe man als Krankenschwester schon mit.

Mit Menschen im Kontakt zu sein war schon ihr Wunsch bei der Berufswahl, über 20 Jahre war sie Krankenschwester im Singener Klinikum. Auch wenn allein der Begriff Krankenhaus bei vielen eher Horrorvorstellung auslöse, sei es für sie etwas ganz Normales, sich dort aufzuhalten. So lag es für sie nahe, sich auch beim Angebot „Zeit schenken“ der Klinikseelsorge einzubringen. Dabei besuchen die ehrenamtlichen Mitarbeiter die Patienten und geben ihnen die Möglichkeit, mit jemandem zu reden.

Seit fast zehn Jahren besucht sie Patienten

Zita Wirsch hat die Situation während eines stationären Klinikaufenthaltes ihres Mannes miterlebt und weiß, wie wichtig ein Ansprechpartner für Patienten ist. „Die möchten sich austauschen und sind dankbar, wenn jemand ihnen zuhört“, sei das eine sinnvolle Aufgabe. Seit fast zehn Jahren besucht sie die Patienten und schenkt ihnen Zeit, das sei auch für sie selbst bereichernd, sie sagt: „Man lernt in den Gesprächen viel über das Leben und die Probleme kennen, die es in der Gesellschaft gibt.“

Wie gravierend die sein können, erfuhr sie im Bekanntenkreis. Dort hörte sie von Jugendlichen, die Drogen konsumieren. Ein Tabu-Thema in der Öffentlichkeit und für betroffene Angehörige eine extreme Situation, über die sie in der Regel kaum zu reden wagen. „Die Eltern waren ratlos und hatten das Bedürfnis, sich mitzuteilen“, erzählt Zita Wirsch. Nachbarn seien da keine Gesprächspartner und auch der Freundeskreis wisse irgendwann nicht mehr weiter. Es ging ihr nahe, wie sich die Eltern mit Schuldgefühlen plagten und sich fragten, was sie falsch gemacht hätten.

So erfuhr sie vom Elternkreis drogengefährdeter und drogenabhängiger Jugendlicher in Radolfzell und ging aus Interesse mit zu einem Treffen. Auch dort geht es ums Zuhören und Verständnis für die Situation. „Die Eltern und Angehörigen möchten darüber reden und suchen Austausch“, habe sie das schon beim ersten Dabeisein berührt. Es sei für Teilnehmer erlösend, sich in einer Gruppe verstanden zu fühlen und ihre Erfahrungen auszutauschen.

In die Sache hineingewachsen

Erstaunt war sie, dass Drogenkonsum bei Kindern in allen Schichten vorkommt. „Alle haben dieselben Probleme. Sie wissen, wovon sie reden und verstehen, was die Situation mit sich bringt.“ Von den Teilnehmern erfuhr sie, dass Leute, die nicht betroffen sind, unsicher reagieren und die Situation nicht nachvollziehen können. Zita Wirsch ging auch zu weiteren Treffen, sie sagt: „Ich habe erlebt, wie wichtig Zuhören ist.“ Es blieb nicht bei einigen Teilnahmen. Sie sah, wie gut sie der Gruppe tat und wuchs in die Sache hinein, besuchte Fachseminare und moderiert seit 2012 die Treffen der Gruppe.

Heute weiß sie, dass sich viele Betroffenen nicht trauen, in diese Selbsthilfegruppe zu gehen. „Aber wenn sie den ersten Anlauf geschafft und die Hemmschwelle überwunden haben, merken sie, wie gut es ihnen tut.“ Anfangs würden sie kaum etwas sagen, aber nach zwei, drei Besuchen seien sie wie erlöst und erleichtert und könnten auch wieder lachen. Zita Wirsch möchte alle Betroffenen animieren, den Schritt in die Selbsthilfegruppe zu wagen. Informationen gibt es im Internet unter www.elternkreis-bodensee.de

Sich einbringen und helfen wenn man kann – das ist ihre Einstellung. Und das auch über lange Zeiträume, Zita Wirsch sagt: „Wenn ich etwas anfange, dann ziehe ich das auch durch.“ Alltägliche Probleme würden heute nicht mehr so wahrgenommen, aber wenn man sich darauf einlasse, erkenne man die wichtigen Dinge im Leben besser. Dazu zählt für sie auch die Freude und Heiterkeit. Seit vielen Jahren macht sie bei den Schättere der Frauengemeinschaft Liebfrauen mit, die an Fasnacht mit einem närrischen Programm im Gemeindesaal auftreten und am Schmotzigen Dunschtig durch die Alten- und Pflegeheime ziehen.