Die Probleme, die die Jugendmusikschule Westlicher Hegau (JMS) seit einigen Jahren beschäftigen, zeichnen sich auch im Rechnungsergebnis für das Schuljahr 2017 und im Haushaltsplan für das Schuljahr 2018 ab: Die Schülerzahlen sind rückläufig. Zwar mit aktuell insgesamt 23 Schülern in allen Mitgliedsgemeinden nicht in einem alarmierenden Maß, aber doch so, dass 2017 eine Rücklagenentnahme von 9000 Euro nötig war. Im jetzigen Schuljahr ist eine Entnahme von 40 000 Euro geplant. Wenn das so weiter gehe, seien die Ersparnisse nach weiteren zwei Jahren aufgebraucht, so Gemeinderat Reinhard Zedler im Finanz- und Sozialausschuss bei der Vorstellung der Zahlen.

Die Gründe für die sinkenden Schülerzahlen sind bekannt. Ganztagsunterricht lässt Kindern und jungen Leuten weniger Zeit, mit der Digitalisierung haben sich auch die Freizeitbeschäftigungen geändert. Das schlägt sich nicht nur im Einzel-, sondern auch im Gruppenunterricht nieder. Die Gruppen werden kleiner, die Elternbeiträge sinken – die Kosten bleiben aber gleich.

Insbesondere in Hilzingen gibt es Jahr für Jahr weniger Schüler. "Hier gehen viele auf die Singener Gymnasien", wusste die Gemeinderätin Beate Binnig aus Gesprächen mit der Schulleitung. Für diese Kinder sei es dann oft praktischer, die dortige Jugendmusikschule zu besuchen, zumal diese – stärker bezuschusst – auch noch niedrigere Gebühren habe. Ein weiterer Grund für die abnehmenden Schülerzahlen sei, dass im Durchschnitt die Musikschule nicht mehr so langjährig besucht werde. Viele nahmen dort noch vor einigen Jahren auch noch nach ihrem Schulabschluss Unterricht. Heute melde man sich oft schon in der Pubertät ab, weil man andere Interessen habe. Im Augenblick kostet jeder der 1167 Schüler die Mitgliedsgemeinden Gailingen, Gottmadingen, Hilzingen und Rielasingen-Worblingen 402 Euro jährlich. Für Rielasingen-Worblingen kommt so bei 370 Schülern aus der Gemeinde ein Zuschuss von 150 000 Euro jährlich zusammen. Aber die Gemeinde gibt nicht nur: „Die JMS leistet einen sehr wichtigen Beitrag für die Ausbildung der Jungmusiker und für unsere beiden großen Musikvereine“, so Bürgermeister Ralf Baumert. 2018 gibt es keine Erhöhung der Elterngebühren. Das könnte im Schuljahr 2019 anders aussehen. Der Vertrag zwischen der Schule und den Gemeinden läuft dann aus. Im Herbst wird über den neuen, für drei Jahre geltenden Vertrag verhandelt werden. Bis dahin werde man innerbetrieblich bei der JMS alles durchforsten, was nur gehe. „Es wird Aufgabe des Vorstands sein, eine Lösung zu finden“, versprach Ralf Baumert.

Griff in die Rücklagen

Das sind die Eckdaten des Haushaltsplans für das Schuljahr 2018: Die Gesamtausgaben sind mit 1,35 Millionen Euro angesetzt. Der dickste Brocken dabei ist die Vergütung der Lehrkräfte mit 1,016 Millionen Euro. Der größte Posten bei den Einnahmen ist mit 712 000 Euro das Aufkommen aus den Gebühren. Die Zuweisung der Mitgliedsgemeinden beträgt 406 000 Euro, die Zuweisung vom Land 143 000. Ausgeglichen wird der Haushalt durch eine Rücklagenentnahme in Höhe von 40 000 Euro. Letztere betragen dann laut Ansatz noch 75 000 Euro. (drm)