Es war wieder Theaterzeit mit der Mundartbühne Worblingen. „Halten Sie Ihre Krankenkassenkarte bereit, die Sprechstunde beginnt“, lauteten die Begrüßungsworte von Thomas Bertsche, einem Akteur der Theatergruppe.

Am Ende siegte bei der Mundartbühne Worblingen das Gute. Das Verwirrspiel um Liebe und Neid nahm ein gutes Ende – dem Goldfisch sei Dank! Denn was zu Beginn der Komödie in drei Akten „Was ist los, Herr Doktor?“ von Rudolf Jisa und Alfred Mayr nach starker Konkurrenz aussah, ließ sich am Ende wunderbar vereinen. Désirée Moser hatte die Komödie in eine Dialektfassung umgeschrieben und mit Lokalem ergänzt.

Der Rosenkrieg

Sorgen über Sorgen, die Scheidung und der Rosenkrieg zwischen Dr. Erich Schwarz, einem Zyniker (gespielt von Theo Rüttinger) und seiner Gattin Helene (Tanja Dehn) ist in vollem Gange. Die Ehefrau des Arztes hatte in direkter Nachbarschaft seiner Praxis und dem Schlegelebeck eine alternativmedizinische Behandlungseinrichtung eröffnet. Während dem Arzt bis auf eine leidende Hypochonderin (Gabi Grünvogel) die Patienten weglaufen, ist das Wartezimmer der Konkurrentin übervoll. Mit der Frau verliert der Arzt nicht nur seine Patienten, auch den Ferrari, das Schweizer Nummernkonto und den geliebten Goldfisch, welchen er am Ende des Stückes von der Geschiedenen bei der liebevollen Versöhnung zurückerhält.

Da scheinen die Probleme der eventuell schwangeren Tochter Maria (Bettina Glaser-Spallek) mit dem überfälligen Bräutigam Ernst Toifl aus Watterdingen (Dieter Gräble), den sie auf einem Schiff in Norwegen kennen gelernt hatte und dem Anwalt Alexander Bauer alias dem schönen Italiener Alessandro Coltivatore (Thomas Bertsche mit Brusthaartoupet) für den Vater erst mal keine große Rolle zu spielen. Das Schicksal nimmt seinen Lauf und die Akteure der Mundartbühne Worblingen unterhalten 120 Minuten lang an vier Vorstellungen in einer humorvollen Weise rund 750 Gäste.

Der zynische Arzt (Theo Rüttinger) mit dem Arzneimittelvertreter Reisenbichler (Christian Kalyciok) auf der Mundartbühne Worblingen.
Der zynische Arzt (Theo Rüttinger) mit dem Arzneimittelvertreter Reisenbichler (Christian Kalyciok) auf der Mundartbühne Worblingen. | Bild: Sandra Bossenmaier

Weitere Mitwirkende vor und hinter der Bühne: Elmar Auer, Beate Billinger, Bettina Gamhdrid, Christian Kalyciok als Arzneimittelvertreter Reisenbichler, Angela Möhrle als leicht dümmliche Elfi Stroh, Désirée Moser als Karoline Blum von der Ärztekammer, Herbert Trautwein und Erika Weimer als trinkfeste Arzthelferin Christine.

Der Theaterdirektor

Josef Bölle aus Worblingen war über 20 Jahre lang Spielleiter der Mundartbühne Worblingen. Er suchte die Stücke aus, schrieb diese in den alemannischen Dialekt um und baute lokale Begebenheiten und humorvolle Anekdoten in die Vorlagen ein. Bevor er Spielleiter wurde, war er 15 Jahre lang aktiver Schauspieler der Mundartbühne. Unzählige Stunden brachte er in diese Ehrenarbeit ein. Außerdem galt er als Motor in etlichen anderen Bereichen rund um das Theater wie Kulissenbau, Bewirtung und Pressearbeit. Es war stets Josef Bölles Anliegen, die Herzen des Publikums zu erobern und ihnen mit den aufgeführten Theaterstücken Freude zu bieten. Aufgrund seines Gesundheitszustandes war es ihm nicht mehr möglich, in diesem Jahr als Spielleiter tätig zu sein.

Josef Bölle (vorne, zweiter von links) inmitten der Akteure und Unterstützer der Mundartbühne Worblingen.
Josef Bölle (vorne, zweiter von links) inmitten der Akteure und Unterstützer der Mundartbühne Worblingen. | Bild: Sandra Bossenmaier

Für seine Verdienste wurde er im Anschluss an die Vorstellung am Samstagsnachmittag geehrt. Pfarrer Arthur Steidle verglich Bölles Werk mit dem Auftrag, die frohe Botschaft hinaus zu tragen, Bürgermeister Ralf Baumert nannte Bölle in seiner Rede den Jongleur der Theatergruppe. „Mundartbühne und Josef Bölle waren über die Jahre eine Einheit“, so Franz Duffner, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates. Diese Einheit sei etwas gewesen, was in Worblingen und weit darüber hinaus zusammengehört hätte. Bölle sei es in den 21 Jahren Spielleitung gelungen, Spielerpersönlichkeiten mit starken Charakteren heran zu bilden.