Es ist ein Trauerspiel mit absurden Zügen. Der Gemeinderat in Rielasingen-Worblingen wendet im Streit mit Wolfgang Gedeon die falschen Mittel an und sorgt dafür, dass sich ausgerechnet der Holocaust-Leugner als aufrechter Geist produzieren kann. Denn unabhängig vom juristischen Entscheid im Streit um die angebliche Gewerbsmäßigkeit des Polit-Abends steht fest, wer in diesem Fall die besseren Argumente hat – selbst Bürgermeister Ralf Baumert räumt das ein.

Das könnte Sie auch interessieren

Warum beispielsweise wurde die Diskussion nicht öffentlich geführt? Und warum wurde die beabsichtigte Annullierung des Mietvertrags nicht kommuniziert? Schließlich ist da die abstruse Vorstellung, dass der denkbare Verkauf von ein paar Büchern aus dem Politiker Wolfgang Gedeon einen Gewerbetreibenden macht. Das ganze Vorgehen zeigt, dass hier krampfhaft nach einem Vorwand gesucht wird, dem Landtagsabgeordneten mit dem Zutritt zur Halle zugleich den Zugang zur politischen Öffentlichkeit zu verwehren. Das ist schwach und gefährlich. Denn wo kommt die Politik hin, die sich auf solche Winkelzüge verlegt? Glaubt der Gemeinderat ernsthaft, mit der Auslegung eines Mietvertrags gegen die unsäglichen Thesen des Wolfgang Gedeon zu obsiegen? Erreicht wird genau das Gegenteil. Das Argument als stärkste Waffe der demokratischen Auseinandersetzung stumpft ab und die Anhänger Gedeons dürfen sich in ihren Verschwörungsvorstellungen bestätigt fühlen.