Kinder und Senioren können vieles voneinander lernen. Im besten Fall pflegen sie unabhängig von Generationengrenzen ein liebevolles und wertvolles Miteinander. Im Alltag haben Eltern nicht immer so viel Zeit für ihre Kinder wie die Großeltern. Eine Oma singt „Hänschen klein“, die Mutter stattdessen moderne Kinderlieder. Ein lebenserfahrener Opa kann mit Ruhe und viel Geduld mit den Kleinen ein Bilderbuch anschauen. Oder die Senioren lernen wieder zu spielen und sich an die eigene Kindheit zu erinnern. Sie erhalten dadurch die Möglichkeit, in die Welt der Kinder einzutauchen. Mit Geschichten und Erlebnissen aus der Vergangenheit können die Älteren den Blick der Kinder und vielleicht sogar den der Eltern auf die Gegenwart sensibilisieren.

Das Oma-Opa-Paten-Projekt

Eine gute Beziehung zwischen Enkeln und Großeltern ist für die Familie wichtig. Aber oft gibt es gar keine Großeltern mehr oder die Familien wohnen weit voneinander entfernt. Genau für solche Menschen, die ein liebevolles generationenübergreifendes Miteinander schätzen, es aber nicht haben, wurde vom Ortsseniorenrat in Rielasingen-Worblingen mit Unterstützung der Gemeinde im Jahr 2012 das Oma-Opa-Paten-Projekt auf den Weg gebracht. Es richtet sich zum einen an die Senioren, die gerne ein Enkelkind auf einer familiären Basis betreuen möchten. Es geht also nicht darum, dass die Eltern durch einen günstigen Babysitter die Möglichkeit erhalten, arbeiten zu gehen. „Es geht um die gegenseitige Erfahrung einer Liebe zwischen Oma, Opa und Enkel“, erklärt Ursula Schwarz vom Ortsseniorenrat, die sich mit Renate Zieger einfühlsam um die Teilnehmer des Projektes kümmert.

Gemeinsame Freizeitgestaltung im Vordergrund

Beide Frauen haben Enkelkinder und wissen, wie wichtig für alle eine liebevolle und respektvolle Beziehung zwischen Alt und Jung ist. „Wir wollen uns zur Verfügung stellen, damit Eltern einmal durchschnaufen und sich erholen können“, erklärt Renate Zieger, die selbst gerne Zeit mit ihren Enkelkindern verbringt und sich bereits in der Vergangenheit als Leih-Oma in das Projekt eingebracht hatte. Zum anderen richtet es sich an Familien, die sich eine Oma oder einen Opa im Alltag wünschen. Im Vordergrund steht dabei die gemeinsame Freizeitgestaltung der geliehenen Großeltern und dem geliehenen Enkelkind.

Manchmal sind die Ansprüche zu hoch

Doch die beiden Frauen kennen auch die Problematik, die eine solche Patenschaft mit sich bringen kann. Nicht immer läuft alles reibungslos. Da kann es mal zu Rivalitäten mit der leiblichen Oma kommen oder unterschiedliche, vielleicht auch generationsabhängige, Meinungen in den Erziehungsansichten geben. „Manchmal sind die Ansprüche der Eltern zu vielseitig und zu hoch“, so Schwarz. Immer dann schauen Renate Zieger und Ursula Schwarz, wie die Situation geklärt werden kann. „Die Familien müssen zueinander passen und sich aneinander gewöhnen“, weiß Ursula Schwarz aus Erfahrung. Wenn man sich dann gegenseitig auf eine solch besondere Oma-Opa-Paten-Beziehung einlässt, könnten letztendlich alle nur davon profitieren.

Noch ist die Resonanz gering

Obwohl in Rielasingen-Worblingen derzeit über 1350 Kinder unter zwölf Jahren leben, ist die Resonanz auf das Angebot einer Leihoma oder einem Leihopa überraschend gering. „Wir denken, ein Bedarf an Patenschaften ist vorhanden“, lautet das Fazit der Damen Schwarz und Zieger. Dabei dürfe nicht die Idee hinter dem Projekt aus den Augen verloren werden. Auch sei es schwierig, passende Omas und Opas zu finden. Die Frauen vermuten, manch einsame Senioren könnten Hemmungen haben, sich zu melden. Diese Hemmungen seien unnötig und man solle sich doch einfach mal informieren, so der Wunsch der Frauen. Verpflichten müsse man sich bei diesem Projekt zu gar nichts. Ein Besuch auf dem Spielplatz mit einem Kind, dessen Eltern nicht so viel Zeit hätten, könne auch den Alltag von zurückgezogenen Senioren bereichern. Beim Oma-Opa-Paten-Projekt geht es immer um den gegenseitigen Nutzen und nicht um ein verbindliches Babysitten.