Frau Aumeier, wie wichtig ist es Humor zu haben? Gerade jetzt, da viele Menschen auf der ganzen Welt Angst vor einer Erkrankung haben.

Das ist die wichtigste Überlebensstrategie, die es gibt. Und ein Zeichen echter Intelligenz. Wir leben in einer Zeit, die vor allem deshalb Angst macht, weil sie noch niemand so durchgemacht hat. In unseren Köpfen entstehen viele Bilder von: „das wird doch nicht so schlimm sein“ bis hin zu Worst-Case-Szenarien, die wir sonst nur aus Katastrophenfilmen kennen. Veränderungen machen immer Angst. Aber was sagt Konfuzius: „Was machst du, wenn du deinem größten Feind gegenüberstehst? – Du scheißt dir in die Hose!“ Das ist normal und menschlich. In der Krise steckt auch eine Chance. Bei mir zum Beispiel bemerke ich ein langsames „ruhiger werden“. Die Welt wird sich nach der Krise verändern und der Durchschnittsdeutsche wird nicht mehr ständig lamentieren. Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Das einzige, was jetzt ansteckend sein sollte, ist Humor!

Gerade freien Künstlern fallen zurzeit ihre Einnahmequellen weg. Wie ist das für Sie, wenn plötzlich geschäftsmäßig alles stillsteht und Sie kein Geld verdienen können?

Das ist für mich genauso schwierig, wie für alle anderen Selbstständigen. Man hofft, dass das Ersparte reicht, um über die Runden zu kommen. Ich kann dann ja nach der Krise immer noch in der Fußgängerzone Blockflöte spielen...

Unabhängig von der Krise, in der wir stecken, können Sie nach zwei Jahrzehnten auf der Bühne noch immer über sich selbst lachen?

Und ob! Natürlich kann ich über mich selbst lachen. Niemand ist perfekt. So wie ich jetzt bin, so passt es. Vor zehn Jahren hatte ich einen schweren Autounfall, an dem ich unschuldig war. Seitdem weiß ich, was wichtig ist im Leben und lache auch darüber. Und gerade jetzt wird das doch hoffentlich auch allen anderen wieder stärker bewusst.

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Sie treten als starke Frau auf, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Als junges Mädchen litten Sie aber unter Essstörungen, späteren unter Depressionen. Was hat Ihnen in schwierigen Zeiten geholfen und welchen Tipp möchten Sie Menschen mit ähnlichen Problemen mit auf den Weg geben?

Vermutlich haben mich diese Erkrankungen, für die man ganz schön clever sein muss, zu der Frau geformt, die ich heute bin. Das Allerwichtigste in einer solchen Situation ist, sich Hilfe zu holen und sich nicht dafür zu schämen. Es ist irre, welche Schönheitsideale man in unserer Gesellschaft vorgelebt bekommt und welche manche Menschen versuchen nachzuleben. So etwas ist einfach nur am echten Leben vorbei gelebt. „Drauf geschissen“, was die Leute über einen reden! Dass man jedem gefällt, das gibt es eh nicht. Ich fordere alle Frauen auf, nicht nach rechts und nicht nach links zu schauen. Geredet wird immer, verlasst euch auf euren eigenen Weg. Auch wenn man fällt, muss man halt wieder aufstehen.

Sie sind viel unterwegs und haben einen anstrengenden Alltag. Was ist Ihr Ausgleich? Wie kommen Sie zur Ruhe?

Ich bin ja sozusagen Schichtarbeiterin, ich arbeite in der Nacht und manchmal komme ich erst am frühen Morgen ins Bett. Als Ausgleich habe ich meine Familie und Freunde. Wenn ich jemanden liebe, währt das bis ans Lebensende. Meine Familie, also mein Mann, meine Mama und mein alter Hund – übrigens ein bosnisches Findelkind -, sind für mich alles. Mir ist Zusammenhalt zwischen Freunden und Familie sehr wichtig. Ich finde, man muss mindestens zwei Menschen kennen, die man mitten in der Nacht anrufen kann. Meine Hobbies sind meinen Hund und meinen Mann streicheln, Zeit mit meiner Mutter zu verbringen, in der Natur sein und viel lesen. Normale Sachen.

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Ihr Besuch in Rielasingen-Worblingen wurde verschoben. Voraussichtlich kommen Sie nächstes Jahr in die Talwiesenhalle. Was kann das Publikum erwarten?

Mittlerweile konnte ein Ersatztermin am 3. Juni 2021 gefunden werden. Umso mehr freue ich mich schon jetzt auf diesen Abend und hoffe, dass all die, die bereits Karten erworben haben, wiederkommen und ihre Freunde mitbringen. Auf dass wir gemeinsam eine tolle Veranstaltung haben werden. In dieser werde ich aus meiner Welt erzählen. Dazu gehört auch, dass ich in den Wechseljahren stecke. Neben Politik soll es auch um das Älterwerden gehen. Mein liebstes Publikum sind übrigens Frauen, denn die bekommen zu wenig Applaus. Ich möchte damit sagen: Mädels, steht zu euch, seid offensiv und findet euch schön, so wie ihr seid!