Ein sportlicher Typ war sie schon immer. In Überlingen am Ried aufgewachsen, trat Veronika Bohner mit fünf Jahren in den TSV Überlingen ein und war als Turnerin bei Wettkämpfen auch weiter vorne mit dabei. Als Jugendliche unterstützte sie die Übungsleiter, machte mit 19 die Übungsleiterlizenz und leitete gleich eine Gruppe. Schon ihr Vater hatte in Kindertagen zu ihr gesagt: „Mach eins, und das richtig.“ Daran hat sich Veronika Bohner bis heute gehalten. Für 55-jährige Mitgliedschaft im TSV Überlingen, davon vier Jahrzehnte in verschiedenen leitenden Funktionen, wurde sie mit der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Eigentlich ist sie schüchtern

So wie sie erzählt, mag man es gar nicht glauben, aber Veronika Bohner sagt: „Im Grundwesen bin ich schüchtern, aber das Turnen gab mir Selbstbestätigung.“ Als Übungsleiterin trainierte sie im Geräteturnen eine feste Mädchen-Gruppe, aber im Laufe der Jahre seien die Arme zu lang und die Beine zu kurz geworden. „Nichts mehr hat gepasst, und ich habe überlegt, was ich mit ihnen machen könnte“, erzählt Veronika Bohner. Getanzt habe sie schon immer gern, und beim Hören von Musik könne sie die Höhen und Tiefen auch in Bewegung umsetzten. Es war für sie auch noch mehr: „Ich wollte Geschichten tanzen, die mir durch den Kopf gingen.“

Vom Turnen zum Tanzen – mit all seinen Regeln

So lag der Gedanke nahe, mit der Gruppe einfach mal anzufangen. Das kann man im Nachhinein als Sternstunde bezeichnen, denn mit ihrer Tanzgruppe hat Veronika Bohner den Namen des TSV Überlingen weit über die Grenzen hinaus getragen. Den Mädchen machte das Tanzen Spaß und sie waren voll dabei, mutig nahm die Gruppe an einem Gymnastik- und Tanzwettbewerb teil. „Da haben wir von den anderen gesehen, dass es Regeln zur Choreographie gibt und man viele Dinge berücksichtigen muss“, denkt sie an die Anfänge zurück. Sie informierte sich und setzte Neues gleich um. Die Gruppe wurde immer besser, nahm weiterhin an Wettkämpfen teil, brachte es bis zum Badischen Meistertitel und holte den Deutschen Pokal bei den Meisterschaften Gymnastik und Tanz.

Sie hat einen Blick für Ausgegrenzte

„Unsere Tanzgeschichten hatten etwas ganz Eigenes, mit den Vorführungen wollten wir den Zuschauern etwas vermitteln“, erzählt Veronika Bohner, dass sie schon Mitte 20 die Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt habe. Bohner wuchs mit einem behinderten Bruder auf, die Erbkrankheit hatte auch ihr Sohn, was bis zu seinem Tod gut 20 Jahre intensiven Einsatz erforderte. „Das Tanzen hat mir Kraft gegeben, ich wollte mit der Gruppe den Leuten etwas vermitteln, mein Anliegen war es, die Menschen zu berühren“. Durch die Behinderung ihres Bruders und ihres Sohnes hatte sie einen Blick für Ausgegrenzte und so scheute sie sich auch nicht, zu Themen wie Liebe, Achtung und Respekt auch Sucht, Gewalt oder Zerstörung tänzerisch umzusetzen. Auch der Tod ihres Sohnes war Thema eines Tanzes, das Team habe auch immer mitgezogen.

Woran sie besonders gerne zurück denkt

Vor 35 Jahren hatte sie die Tanzspielgruppe ins Leben gerufen, an einen Auftritt während der Landessgartenschau denkt sie besonders gern zurück. „Das war ein großartiges Erlebnis“, erzählt sie. „Wir haben getanzt, und die Leute waren berührt und fasziniert.“ Mit Tanz etwas zu transportieren sei ihr immer wichtig gewesen, Tanz bedeutet für sie auch ein Stück Freiheit. Noch heute ist Tanzen ihr Kraftquell: „Ich tanze, wenn ich ganz traurig bin und ich tanze, wenn ich ganz glücklich bin.“ Dann kämen ihr die meisten Ideen.

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Die setzt sie heute noch in der Tanzspielgruppe um, in der sogar Männer mittanzen. „Jeder in der Gruppe soll sich wohlfühlen und kann sich von sich selbst einbringen, was er erlebt hat und was ihn beschäftigt“, sieht Bohner darin die Stärke der Gruppe. Gefühle tänzerisch zu transportieren, mache auch die Ausstrahlung der Gruppe aus. Dazu gehört für sie auch hartes Training, was die Körperarbeit betreffe, sei sie schon pingelig. Als nächstes steht das Landesturnfest im Mai auf dem Plan. Dort bringt die Tanzgruppe Ideen aus dem Leben auf die Bühne.

Sie bringt sich auch anderweitig ein

Veronika Bohner ist an den Anforderungen im Leben gewachsen und ein fröhlicher und lebensbejahender Mensch. „Ich bin dankbar, wenn ich zurückschaue“, sagt die heute 60-Jährige. Dazu hätten auch der Erfolg der Tanzspielgruppe und die sechs Jahre Trauerbegleitung im Hospizverein Konstanz beigetragen. Auch wenn sie heute in Rielasingen lebt, gestaltet sie in Überlingen schon seit 25 Jahren das Morgenlob und ist auch Mitglied in der Chrüzerbrötli-Zunft.

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