Mit Schirmen, Regenjacken und Wanderstöcken bewaffnet, warteten die Mitglieder des Schwarzwaldvereins Rielasingen-Worblingen beim alten Rathaus auf ihren Wegewart Gerd Beha. Zunächst führte die Wanderung vorbei an den alten Kiesgruben bei Worblingen. "Nachdem die Kiesgruben erschöpft waren, wurden sie wieder zugeschüttet und der Natur zurückgegeben", so Gerd Beha. Eine der Kiesgruben ist heute ein Weiher und damit Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Eine andere wurde vom Hegau Mountainbike Club zum Übungs-Parcours umgebaut.

Weiter ging es in Richtung alte Handelsstraße zwischen Freiburg und Radolfzell. Hier gibt es zwei Quellen, die Worblingen in früheren Zeiten mit Wasser gespeist haben. Heute bezieht Worblingen sein Wasser unter anderem aus Überlingen am Ried. Als die Wanderung in den Wald führte, wurde der Regen ein bisschen von den Bäumen abgehalten. Gemütlich wurde es trotzdem nicht wirklich – kein ideales Wetter für eine Wanderung.

Bei Sonnenschein kann jeder wandern

"Es ist immer Wanderwetter", betonte Werner Giolda, der seit 2009 bei jeder Wanderung dabei war. Er erhielt zustimmendes Kopfnicken aus der Runde. "Und die letzten vier Wanderungen waren alle sehr schön", so Giolda. "Die Bewirtung war sehr gut, wir haben viel von der Region gesehen und alle waren zufrieden." Und schließlich: Bei Sonnenschein kann doch jeder wandern.

Aber die besondere Atmosphäre bei schaurigen Regengüssen war diesen Sommer eine Rarität. "Der Natur tut das mal gut. Und wenn wir nicht hier draußen wären, würden wir jetzt daheim auf dem Sofa sitzen", so Anne Gleichauf, die sich vonj solchen Wetterbedingungen bisher nicht einmal vom Nordic Walking im Schwarzwald abhalten ließ. "Außerdem kann man den Verein doch nicht im Stich lassen, nur weil es ein bisschen regnet!" Denn genau darum geht es dabei. Um die Gespräche und das nette Zusammentreffen. Es war sogar der eine oder andere Wanderer aus den übrigen Schwarzwald-Vereinen dabei. Vielleicht muss man sich so etwas als eingefleischter Wanderfan einfach einmal angetan haben. Von oben der Regen, von unten die Pfützen und dazwischen läuft die Nase.

Kartoffeln aus dem Natursteinkeller

Halb so schlimm, solange man trotzdem Spaß hat. Schließlich ging es vorbei am Galgenberg. "Bei schönem Wetter hat man von dem Aussichtspunkt da oben einen wunderbaren Blick über die Landschaft", erklärte Beha. Den Gang dorthin sparte sich die Gruppe aber, weil so manchem tapferen Wanderer dann doch langsam kühl wurde. Am Hof der Familie Auer angekommen, wurde der Verein zuerst vom Gebell der Hofhunde und dann von Martina Auer empfangen. Die Scheune mit den Biertischen wartete schon auf die müden Besucher. Dort durfte mit einer heißen Tasse Kaffee im Trockenen gesessen und dem Unwetter draußen zugeschaut werden.

Es gab Kartoffeln mit Kräuterquark und dazu eine ordentliche Portion Wissenswertes über die Kartoffel. "Bei uns heißt das Herdöpfel", sagte Martina Auer. "Viele Leute wissen heute gar nicht mehr, was man mit Kartoffeln alles anfangen kann. Für manche Kinder sind Kartoffeln bloß noch Pommes oder Chips." Sie wusste jedenfalls alles über die tolle Knolle, von der Geschichte über die Nährwerte bis hin zu hilfreichen Tipps. "Kartoffeln darf man nie mit Äpfeln und Birnen zusammen lagern. Die vertragen sich nicht", erklärte Auer. "Dann keimen sie schneller."

Die Kartoffeln der Familie Auer werden übrigens in einem Natursteinkeller im Hartberg gelagert, ganz ohne Chemie. Dementsprechend gut haben sie auch geschmeckt! Nachdem alle brav den Teller leer gegessen hatten, hatte sogar Petrus ein Einsehen, und der Regen ließ nach. Alle waren sich einig: Nächstes Jahr sind wir wieder dabei.