Trauer und die hohe Kunst der Narretei liegen beim Rattlinger Narrenverein Burg Rosenegg eng beieinander. Viel zu früh war der langjährige Zunftmeister Roland Schoch im vergangenen Jahr verstorben. "Wir werden ihn immer für seine Einzigartigkeit lieben", so Holger Reutemann in seinen Begrüßungsworten. Er übernahm kommissarisch das Amt des verstorbenen Zunftmeisters. In dessen Sinne wurde gefeiert und gelacht. Ergreifend war der Moment, als alle Roland Schoch zu Gedenken den von ihm komponierten Fasnachtswalzer "Zum Rattetanz" sangen.

"Unser Verein ist wie eine Familie", sagt Reutemann von der Unterstützung im Verein. Bei seinen Worten über Schoch habe er einen Kloß im Hals gehabt. Schoch vermisse er nicht nur als Zunftmeister, sondern auch als Freund. Reutemanns eigene Persönlichkeit ließ ihn bei den Narrenspielen authentisch wirken.

Daniel Pieper übernahm Schochs langjährige Rolle als Truebehüter in der beliebten Nachtwächternummer. Alle Aufmerksamkeit der 400 Besucher lag auf ihm, als er mit dem Nachtwächter (Bernhard Beger) und Schermuser (Bernd Ueltzhöffer) seinen Auftritt hatte. Das Trio trug mit trockenem Humor das Wichtigste aus dem Dorf vor.

Vor dem Rathaus unterhielten sie sich und warteten auf den nicht so großen, aber wendigen und schnellen Bürgerbus. Den vom Schermuser mitgebrachten Staubsauger erkannten sie als Rasenmäher, brachten diesen aber einfach nicht zum Laufen. Mitunter wussten sie von modernen Windrädern auf dem Schienerberg. Diese erzeugten Wind, wenn man sie mit der neuen Feuerwehrdrehleiter anwirft, analysierten sie. Wegen des Schattenwurfes der Windräder hätten die Bohlinger Angst, hieß es in der Nummer weiter – die meisten hätten doch schon einen Schatten. Auch für die Singener hatten sie geniale Ideen, in diesem Fall solche zur Verwendung des Conti-Hochhauses. Geschmückt mit großen Bildern aller Singener Stadträte, oben auf dem Dach thronend Veronika Netzhammer, wollen sie es als Weltkulturerbe anmelden.

Seit 60 Jahren gibt es die Rattlinger Narrenspiele, stets entwickelten sie sich weiter. Heute ergießt sich darin ein unermesslicher Ideenreichtum. Ebenso entwickelte sich der Nachwuchs weiter und sammelte Bühnenerfahrung. Viele junge Bühnenakteure bereicherten auch in diesem Jahr den Abend.

Sielmann-Weiher schlägt Wellen

Tanz- und Musikeinlagen vom Musikverein Rielasingen-Arlen, dem Fanfarenzug Rielasingen Arlen und der Garde mit den hübschen Mädchen bereicherten den kurzweiligen Abend. Die Holzergilde präsentierte die besten Beiträge der letzten 40 Jahre, übrigens in Originalbesetzung.

Gerd Schoch glänzte mit einer Büttenrede. Unter anderem widmete er sich dabei dem Sielmann-Weiher in Worblingen. Zur Einweihung dessen hatten diverse Wasserbewohner eine Einladung vom Umweltbeauftragten der Gemeinde erhalten. Auf die Suche nach dem makellosen Mega-Möhrle, der Frösche rettet, hatte sich besonders die hübsche Meerjungfrau Arielle, gespielt von Karin Busshart, gemacht.

Ali Schoch und Thomas Gonsior brachten als Putzfrau Gisela, die sich graziös wie Helene Fischer in der Badewanne räkelte, und Hausmeister Helmut Amüsantes auf die Bühne. Außerdem ließen drei viel zu teure Kunstwerke Einblick in ihren Museumsalltag nehmen.

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Die Akteure

  • Mitwirkende waren Ayla Anderson, Matthias, Moritz und Reiner Baum, Sascha Becker, Bernhard Beger, Michael Blum, Karin Busshart, Larissa Bohlander, Josef Duttle, Marc Eder, Christine Endres, Martin Fluck, Ralf Fortenbach, Andreas, Lena und Marc Fürst, Alisa Fuhrmann, Lea Gierke, Milena und Thomas Gonsior, David und Erwin Gräble, Matthias Graf, Marianne und Sabrina Heimberg, Thomas Held, Sabine Herzog, Antonia, Cibrije und Sandro Ienco, Erika Jusufovski, Nina Kaier, Susanne Kalopek, Gunnar Kattge, Sarah Kauder, Simon Kupprion, Daniel Kutscher, Andreas und Marlene Martin, Lena und Mara Mayer, Lars Meister, Daniel Pieper, Roland Reitze, Marita Reitze-Fürst, Holger Reutemann, Theresa Rohr, Peter Rudolph, Ali, Gerd und Paul Schoch, Alexander Schlenker, Joachim und Sabrina Schorpp, Anika und Rita Stadelhofer, Bernd Ueltzhöffer, Lukas Uhler, Patrick Weber, Daniel Wentzel und Anton Ziganke, Gesamtleitung: Dagi Wenzler-Beger.
  • Musik machten bei den Narrenspielen der Rattlinger der Musikverein Rielasingen-Arlen unter Leitung von Helmut Matt und der Fanfarenzug Rielasingen-Arlen unter Leitung von Andreas Herzog.