Rielasingen-Worblingen Ort streitet über Straßen-Namensgeber mit NS-Vergangenheit

Soll die Ludwig-Finckh-Straße weiter so heißen, obwohl der namensgebende Schrifsteller zur NS-Zeit Propagandaleiter war und Adolf Hitler treue Gefolgschaft gelobte? Der Gemeinderat streitet.

Fast hätten sich die Bewohner der beiden Anwesen in der Ludwig-Finckh-Straße an eine neue Adresse gewöhnen müssen. Im Hegau gibt es nicht nur den großen Ludwig-Finckh-Wanderweg, nach dem Heimatdichter sind auch in verschiedenen Orten Straßen benannt. Vielerorts wird nun deren Umbenennung diskutiert – so auch im Gemeinderat in Rielasingen-Worblingen.

Denn Finckh war nicht nur Schriftsteller. Er war auch Parteimitglied der NSDAP im Nazi-Deutschland und als Kulturstellen- und Propagandaleiter in Gaienhofen Funktionär und einer der 88 Schriftsteller, die 1933 ein Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterschrieben. „Für mich ein Verbrecher, der die Propaganda-Maschine des Dritten Reichs befeuert hat“, so Ratsherr Reinhard Zedler, der eine Diskussion dieses Themas im Gemeinderat beantragt hatte: „Ich finde die Auseinandersetzung mit diesem Thema schon wichtig“, lautete seine Entgegnung mit Hinweis auf die Wahlerfolge der AfD auf Bernhard Begers Anmerkung, dass die Ludwig-Finckh-Straße der Aachtalgemeinde ja eine ganz „gäckelige“ Straße sei mit nur zwei postalischen Adressen.

Die Diskussion führte zu einer für den Gemeinderat Rielasingen-Worblingen erstmaligen Situation: Zu einem Patt. Drei Anträge wurden gestellt, und keiner fand eine Mehrheit im Gremium. Am längsten berieten die Räte, ob man, wie das Konstanz und Radolfzell tun, das Straßenschild mit einem Erläuterungstext zu Finckh versehen solle, in dem auch dessen Tätigkeiten im Dritten Reich erklärt werden. Auch die Alternative einer Umbenennung fand zu wenig Gegenliebe. Genauso wie der Appell von Rudolf Caserotto, zwar nichts zu ändern, aber die Öffentlichkeit über das Amtsblatt davon in Kenntnis zu setzen, dass das Gremium das Thema beraten habe.

Jetzt bleibt also alles wie gehabt: Die Ludwig- Finckh-Straße heißt weiterhin nach dem Dichter, der den Hegau als des „Herrgotts Kegelspiel“ titulierte.

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