Bei der Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Westlicher Bodensee konnten 222 junge Frauen und Männer ihre Gesellenbriefe entgegennehmen. Kreishandwerksmeister Hansjörg Blender würdigte in der Veranstaltung in der Talwiesenhalle Rielasingen-Worblingen die Tatsache, dass so viele junge Menschen nach dem Schulabschluss eine Handwerkslehre gewählt hatten. Damit habe sich der Berufsnachwuchs gegen das derzeit gängige Bildungsklischee entschieden, nämlich nach dem Abschluss der Schule eine weiterführende Schule zu besuchen. Bei einem Berufseinstieg mit einer Lehre und danach der Verfolgung der Karriere sei die Bildungsrendite statistisch nachgewiesen am höchsten. Neben dem Erfolg, bereits einen Beruf erlernt zu haben, hätten die jungen Menschen bereits auch das eigene Geld verdient. „Dass Sie in unsere sozialen Sicherungssysteme einbezahlt haben, ist ein Pluspunkt für unsere Gesellschaft“, lobte Blender die Junggesellen. „Die Freisprechung ist ein Feiertag für das gesamte Handwerk“, betonte Gotthard Reiner, Präsident der Handwerkskammer Konstanz. An einem solchen Tag ginge es um alles, wofür das Handwerk stünde. Unter anderem um Tradition, Zukunft, Leistung und Verantwortung. „Das Fundament ist nun geschaffen“, beglückwünschte der als Festredner geladene Landtagsabgeordnete Jürgen Keck (FDP).

Bei einem Podiumsgespräch präsentierten die Veranstalter mit Uwe Friedlein dann einen Mann, dessen Werdegang zeigt, dass man auch auf Umwegen Karriere im Handwerk machen kann. Der heute 35-Jährige hatte nach seinem Schulabschluss zunächst eine Ausbildung zum Zweiradmechaniker absolviert. „Meine Karriere war nach der Ausbildung schnell zu Ende“, erzählte Friedlein vor dem Publikum in der Talwiesenhalle im Gespräch mit Kreishandwerksmeister Blender. Friedlein hatte sich dann damals für eine weitere Ausbildung zum Heizungsbauer entschieden.

„Meinem Beruf bleibe ich auf jeden Fall treu“

„Interessiert am Handwerk war ich immer und wollte vieles selber machen“, sagte Friedlein. Dabei hatte er stets den Gedanken daran, ein Haus zu bauen und möglichst viel daran selbst zu machen. Heute ist Friedlein als Heizungsbaumeister stolzer Hausbesitzer und ein geschätzter Mitarbeiter des Handwerksbetriebs Schäuble in Radolfzell. „Uwe Friedlein kam durch seine zweite Ausbildung einen erheblichen Karriereschritt weiter“, lobte Blender. Man müsse nicht immer im selben Beruf arbeiten, ein erfolgreicher Start in eine andere handwerkliche Zukunft sei auch nach Ende der Ausbildung möglich. Uwe Friedlein zeigte bei der Freisprechungsfeier dann auch noch bemerkenswerte musikalische Fähigkeiten. Die Radolfzeller Holzhauer-Musik, der Friedlein angehört, sorgte zwischendurch für flotte Unterhaltung an diesem Abend. Für die anwesenden jungen Gesellinnen und Gesellen war die Freisprechungsfeier ein besonderes Ereignis. „Meinem Beruf bleibe ich auf jeden Fall treu“, freute sich Anna-Lena Döbele über den erfolgreichen Abschluss der inzwischen eher seltenen Ausbildung zur Maßschneiderin.

Was sie von der Großmutter mibekommen und erst als Hobby praktizierte, lernte sie dann beruflich in drei Jahren am Stadttheater Konstanz. Bei der Freisprechungsfeier nahm sie ihren Gesellenbrief in Empfang. Ein Wermutstropfen bei der Festveranstaltung aus Sicht der Veranstalter: Der persönlichen Verantwortung, sich den Gesellenbrief überreichen zu lassen, war rund ein Drittel der Junggesellen nicht nachgekommen. „Das ist schade“, bedauerte Harald Liehner, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Westlicher Bodensee.


Die Kammersieger

Folgende Junghandwerker wurden bei der Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Westlicher Bodensee als Kammersieger ausgezeichnet:

  • Dachdecker: Niklas Denz aus Wangen, Ausbildungsbetrieb Denz Dach GmbH, Rielasingen-Worblingen. Niklas Denz wurde außerdem 2. Landessieger.
  • Glaser: Nicolas Waibel aus Singen-Überlingen, Ausbildungsbetrieb Gregor Lauber GmbH, Singen.
  • Goldschmiede: Selina Yener aus Radolfzell, Ausbildungsbetrieb Schmuckatelier Uwe Berger, Radolfzell.
  • Maler und Lackierer: Anne Kathrin Höfling aus Konstanz, Ausbildungsbetrieb Malermeister Utz, Konstanz.
  • Maßschneider: Anna-Lena Döbele aus Waldshut-Tiengen, Ausbildungsbetrieb: Stadttheater Konstanz.
  • Metallbauer: Marilen Mayer aus Konstanz, Ausbildungsbetrieb Wieser GmbH, Reichenau.
  • Klempner: Bastian Luibrand aus Hilzingen, Ausbildungsbetrieb Blechnerei Luibrand, Hilzingen.
  • Schilder und Lichtreklamehersteller: Stephan Küsel aus Singen, Ausbildungsbetrieb Neumeyer Werbung Singen GmbH, Rielasingen-Worblingen.
  • Stuckateure: Nico Höfs aus Singen, Ausbildungsbetrieb Sauter GmbH Putz & Stuck, Singen