Die Projektgemeinschaft Chroobach Windenergie hat im Schweizer Grenzort Hemishofen zu einer Informations-Veranstaltung über die vier geplanten Windrädern auf dem bewaldeten Höhenrücken Chroobach eingeladen.

„Die Hemishofener haben wohl bereits ihr Urteil gebildet“, sagte Markus Sigrist aus Schaffhausen zur geringen Resonanz der Einheimischen. Auf dem Themenparcours in der Mehrzweckhalle gingen die Experten offen auf kritische Fragen ein und gaben den wenigen Besuchern fachkundige Auskünfte.

Bürger können sich beteiligen

Projektleiter Patrick Schenk sagte, dass die Stadt Stein am Rhein als Grundstückseigentümerin während der rund 25-jährigen Betriebsdauer wie auch die Standortgemeinde Hemishofen einen jährlichen Abgeltungsbetrag von 75 600 Franken erhält. Zusätzlich soll ein Fonds für Natur und Landschaft eingerichtet werden, auf den ein jährlicher Betrag von 16 800 Franken einbezahlt wird.

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„Privatpersonen werden nicht privilegiert, sie profitieren über die Beiträge an die Gemeinde“, sagte Schenk. Die Bürger sollen sich jedoch mit insgesamt rund zehn Prozent an der Anlage beteiligen können.

Umweltverträglichkeit wird geprüft

Das Projekt befindet sich zurzeit in der Phase der Umweltverträglichkeitsprüfung. Nachdem im kantonalen Richtplan der Chroobach bereits als Windenergiezone festgesetzt wurde, soll auch auf kommunaler Ebene eine Nutzungsplanänderung erfolgen. „Das wird ein sehr entscheidender Schritt“, betonte Schenk.

Im Gespräch mit dem SÜDKURIER bemerkte der Projektleiter, dass auch die deutschen Nachbarn im Rahmen der Auflage der Planungsunterlagen die Möglichkeit haben, sich zum Projekt zu äußern.

„Verspargelung“ ist kein Thema

Projektleiter Schenk äußerte sich auch zum Rotmilan, der in Deutschland einige Windparkprojekte verhinderte. „Es gibt den Milan auf dem Chroobach“, sagte er, betonte jedoch, dass der Milan in der Schweiz einen anderen Schutzstatus hat und auch auf deutscher Seite kein kompletter Ausschlussgrund ist.

Bezüglich der Planung von weiteren Windräder in Tengen und der „Verspargelung“ von Windrädern; wie sie auf deutscher Seite beispielsweise im Saargau vorkommen, bemerkte Schenk, dass es in der Schweiz und dem deutschen Umfeld zu wenig geeignete Standorte für Windkraft gebe und die Verspargelung kein Thema sei.

Stimmvolk entscheidet über Projekt

Nachdem die deutsche Seite in den vergangenen Jahren bereits ausführlich über das Windparkprojekt Chroobach informiert wurde, ist dort zurzeit kein Widerstand mehr zu spüren. Entscheiden wird letztendlich das Hemishofener Stimmvolk, ob die Windräder gebaut werden.

Doch das Interesse am Projekt scheint nicht allzu groß zu sein. „Einfach sagen, das geht uns nichts an, geht nicht“, betonte Martin Kessler, Schaffhauser Regierungsrat und Verwaltungsratspräsident des Elektrizitätswerks Schaffhausen (EKS), das zusammen mit dem Energieunternehmen SH Power das Projekt realisieren will.

„Notstromaggregat das Kantons“

Kessler sieht die Windräder als Riesenchance: „Der Chroobach kann zum Notstromaggregat des Kantons werden, denn die Windkraftanlage könnte erneuerbar und unabhängig von den Ölbaronen fünf Prozent des Strombedarfs des Kantons abdecken“.

Fischer schätzt, dass jeweils 15 Prozent der Bevölkerung dafür und dagegen sind und sich 70 Prozent noch eine Meinung bilden müssen.

Es gibt keinen Plan B

Der EKS-Geschäftsführer wies darauf hin, dass alle Informationen der Veranstaltung auf der Webseite der Projektgemeinschaft Chroobach Windenergie zu finden sind. „Bis das Hemishofener Stimmvolk über eine Umzonung des Chroobachs abstimmen kann, wird mindestens noch ein Jahr vergehen“, sagte Schenk.

Es würde ein weiteres Jahr dauern, bis die Bauarbeiten beginnen könnten. „Wenn die Umzonung abgelehnt wird, ist das Projekt gestorben“, sagte Kessler. Einen Plan B gebe es nicht.