Robin Niedhart findet das Strahlen zurück. Für einen kurzen Moment bekommt er sogar eine Gänsehaut, wie er freimütig bekennt. Der 27-jährige Kicker hat gerade mit dem FC Radolfzell beim Lokalderby auf gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen auf dessen Kunstrasenplatz auf der Talwiese eine herbe 1:5-Packung hinnehmen müssen. Die SÜDKURIER-Frage nach der Erinnerung an ein ganz besonderes Erlebnis lässt Niedhart wieder aufblühen. Er gehörte vor zwei Jahren zum Team des 1. FC Rielasingen-Arlen, das im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund im vor 24 000 Zuschauern im Freiburger Schwarzwald-Stadion spielte. „Das war bisher sicherlich mein größtes Erlebnis als Fußballer“, betont Niedhart. Auch, wenn er an die Aufführung des Films „Das Spiel des Lebens“ im Festsaal der Talwiesenhalle denke, bekomme er Gänsehaut.

„Der 1. FC Rielasingen-Arlen war einfach klar besser und hat finanziell ganz andere Möglichkeiten als wir. Mein Herz schlägt aber für den FC Radolfzell. Ich spiele dort seit Kindheit an. Der Verein macht seit Jahren eine sensationelle Jugendarbeit, die ihresgleichen in der Region sucht. Der FC Radolfzell hat seine eigene Philosophie“, erklärt Niedhart. Der Spaß stehe im Vordergrund, beim FC Radolfzell kickten auch viele Studenten mit.

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Große Schlange vor der Kasse

Bereits eine halbe Stunde vor dem mit Spannung erwarteten Lokalderby stehen die Besucher Schlange, um Einlass zum Areal des Kunstrasenplatzes auf die Talwiese zu erhalten. Dort spielt der 1. FC Rielasingen-Arlen, seit der Rasen des Hauptspielfeldes marode ist. Und dies schon etliche Monate. Der Verein strebt an, eine Tribüne zu installieren. Stand jetzt wird eine Lösung am Kunstrasenplatz favorisiert. Schon vor dem Spiel proben sich die Anhänger des 1. FC Rielasingen-Arlen in roten Trikots und Fan-Schals lautstark und bestens gelaunt im Anfeuern.

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Ganz aufgeregt fiebern die Nachwuchsspieler der E- und F-Junioren des 1. FC Rielasingen-Arlen ihrem Auftritt entgegen. Sie dürfen mit den Mannschaften auf das Spielfeld einlaufen. „Das haben wir dem FC Radolfzell abgeguckt. Der hat das im Hinspiel auch so gemacht. Gute Ideen übernehmen wir gerne“, sagt Juniorentrainer Bernabé Aguilar. Sein achtjähriger Sohn Julen hatte sogar kürzlich die Ehre, mit dem Schiedsrichter Hand in Hand beim Bundesliga-Spiel des VfB Stuttgart gegen Borussia Mönchengladbach auf das Spielfeld einzumarschieren. Während des Spiels wird nach Toren des Gastgebers gejubelt, aber auch das Fachsimpeln nimmt einen breiten Raum ein. Für viele Zuschauer ist das Spiel auch ein geselliger Treff mit sportlicher Note. „Es ist schön, mit vielen Bekannten Erinnerungen aufzufrischen. Dazu gibt es noch ein tolles Spiel“, sagt Reinhard Jortzik aus Hilzingen.

So sehen Sieger aus. Die Spieler des 1. FC Rielasingen-Arlen feiern ausgelassen den 5:1-Sieg gegen den FC Radolfzell.
So sehen Sieger aus. Die Spieler des 1. FC Rielasingen-Arlen feiern ausgelassen den 5:1-Sieg gegen den FC Radolfzell. | Bild: Tesche, Sabine

Von Los Angeles in den Hegau

„Der Besuch hat sich gelohnt“, erklärt Peter Baur. Er engagiert sich seit vielen Jahren beim Tennisclub Radolfzell, die Daumen hat er aber dem 1. FC Rielasingen-Arlen gedrückt. Sein Sohn Cedric ist beim weltweit agierenden Singener Finanzunternehmen von Peter Dreide angestellt. Der Vereinspräsident des 1. FC Rielasingen-Arlen war erst wenige Stunden vor dem Spiel nach einer Geschäftsreise im Hegau angekommen. Der Sieg beschert ihm wie der Mannschaft ein besonderes Glücksgefühl.

Fan zündet Feuerwerk

Das Team feiert ausgelassen, ein Fan zündet sogar ein Feuerwerk. Dann setzt aber auch eine eklatante Gefühlsschwankung bei Peter Dreide ein. „Es kann nicht sein, dass für 1500 Zuschauer keine öffentliche Toiletten zur Verfügung stehen, sondern nur die des Clubheims“, wettert Dreide. Seine Kritik zielt in Richtung Gemeinde, weil sie die Talwiesenhallen nicht geöffnet habe. Dort gibt es genügend Toiletten. So findet ein großes Fußballfest doch noch einen Wermutstropfen, der nach den emotionalen Aussagen des Vereinspräsidenten noch ein pikantes Nachspiel haben könnte.