Nach über fünfjähriger Planungszeit ist es endlich soweit: in Worblingen fand der Spatenstich für einen 8000 Quadratmeter großen Sielmann-Weiher statt. In den kommenden Wochen wird etwa 800 Meter oberhalb des Naturbades Aachtal, direkt am Herdweg ein Kleinod für Tiere und Pflanzen entstehen. Die Gemeinde Rielasingen-Worblingen stellt für dieses Naturprojekt ein zwei Hektar großes Wiesengrundstück zur Verfügung. Es handelt sich dabei laut Bürgermeister Ralf Baumert um eine Nasswiese mit einem hohen Grundwasserspiegel. Eine landwirtschaftliche Nutzung wäre hier ohnehin schwierig gewesen. Rund 70 Interessierte waren vor Ort, um dem Spatenstich beiwohnen zu können. Ebenso viele Brutpaare gefährdeter Vogelarten wünscht sich Peter Berthold, Stiftungsrat der Heinz Sielmann Stiftung, schon in Kürze hier.

Ein großer Plan für das neue Biotop mit einem Sielmann-Weiher in Worblingen, von links nach rechts: Christian Seng, Ralf Baumert, Sindy Bublitz, Juliane Huber, Robert Steinemann, Peter Berthold und Barbara König.
Ein großer Plan für das neue Biotop mit einem Sielmann-Weiher in Worblingen, von links nach rechts: Christian Seng, Ralf Baumert, Sindy Bublitz, Juliane Huber, Robert Steinemann, Peter Berthold und Barbara König.

"In Rielasingen-Worblingen schlug uns eine Welle der Begeisterung entgegen", sagte Berthold bei seiner Erläuterung zu dem geplanten Naturprojekt. Der Sielmann-Weiher in Worblingen befindet sich am westlichen Rande des Biotopverbundes und sei das erste richtige Schweiz-Deutsche Kooperationsprojekt. "Wir hatten das Geld beisammen, bevor wir anfingen", lobte Berthold das Engagement der Sponsoren aus der Schweiz und aus Deutschland. Denn mit 350 000 Euro Gesamtkosten handle es sich bei diesem Biotop um kein billiges Projekt.

Barbara König von der Heinz Sielmann Stiftung in der Schweiz stellte den Erhalt von Natur und von bedrohten Pflanzen und Tieren, unabhängig von den Landesgrenzen, in den Vordergrund. Naturschutz müsse grenzenlos sein und so praktiziert werden, wie er nötig sei. Sie nannte die bereits umgesetzten Projekte eine Perlenkette, die weiter gedeihen solle.

Das Gelände soll neben Vögeln und Pflanzen auch eine neue Heimat für Amphibien und Libellen werden. Der in Baden Württemberg stark gefährdete Laubfrosch lebt hier noch, findet jedoch nur schwierig geeignete Laichgewässer. Der entstehende Weiher soll hier für Abhilfe sorgen und das Angebot an Lebensräumen für Tiere und Pflanzen ideal ergänzen. Eine neue Heimat könnte das kleine Gewässer auch für die in der Nähe lebenden Biber werden. Berthold ist sich sicher, dass die Biber sich hier wohl fühlen und keinen Schaden anrichten werden.

Die baulichen Planungen der nächsten Wochen erläuterte Sindy Bublitz von der Heinz Sielmann Stiftung. So werden bis Ende März 8000 Kubikmeter Erdboden abgetragen und auf umliegende Äcker aufgebracht. Das Gewässer mit verschiedenen Tiefenzonen muss modelliert werden und ein zwei Meter hoher Damm wird aufgeschüttet. Um einen möglichst hohen und stabilen Wasserstand zu gewährleisten, läuft ein durch das Gelände verlaufender Graben in den Weiher. Am Rande des Naturparadieses entsteht für Interessierte eine erhöhte Besucherplattform, von der sie Einsicht in das Gelände haben.

Das Interesse am neu entstehenden Sielmann-Weiher in Worblingen ist groß. Etwa 70 Interessierte waren zu dessen Spatenstich gekommen.
Das Interesse am neu entstehenden Sielmann-Weiher in Worblingen ist groß. Etwa 70 Interessierte waren zu dessen Spatenstich gekommen.

Der Verbund

Im Jahr 2004 initiierte der Ornithologe Peter Berthold, Stiftungsrat der Heinz Sielmann Stiftung, gemeinsam mit Heinz Sielmann das Naturprojekt Sielmanns Biotopverbund Bodensee im Landkreis Konstanz und dem Bodenseekreis. Nach dem Motto "Jeder Gemeinde ihr Biotop" wird ein Netz von neuen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen geschaffen. Tier- und Pflanzenbestände können sich dort erholen und verschwundene Arten zurückkehren. Die Schwerpunkte des Projekts liegen neben der Anlage von Stillgewässern auf dem Erhalt von großflächigen Streuobstwiesen und der Einrichtung von extensiven Weidegebieten.