Frau Olszewski, vor etwa 20 Jahren kamen Sie auf die Idee, in Frankreich einen Freundeskreis Rielasingen-Worblingen zu gründen. Seitdem sind Sie dessen erste Vorsitzende. Wie kam es dazu?

Die Städtepartnerschaft zwischen ­Nogent-sur-Seine und Rielasingen-Worblingen wurde im Jahr 1973 ­gegründet. Drei Jahre später kam es zu einer ­Schulpartnerschaft zwischen der Ten-Brink-Schule in Rielasingen und dem Collège Jean-Jaurés in ­Nogent-sur-Seine. Ab diesem Zeitpunkt gab es einen Schüleraustausch zwischen den beiden Schulen. Als ich dann im Jahr 1992 an dem Collège Jean-Jaurés in der Buchhaltung arbeitete, musste ich aufgrund meiner guten Deutschkenntnisse den­Schüleraustausch nach Deutschland begleiten. Dadurch lernte ich viele liebe Menschen in Rielasingen-Worblingen kennen. Als wir das 25-jährige Bestehen unserer Städtepartnerschaft feierten, kam ich mit Freunden auf die Idee, ­einen Freundeskreis zu gründen. Es war uns allen ein großes Anliegen. Denn auch Andrea Jagode aus Rielasingen-Worblingen, die heutige Vorsitzende des Freundeskreises Nogent-sur-Seine, hatte mir ­einen Brief geschrieben mit der Bitte, das Jumelage-Feuer nicht ausgehen zu lassen. Auch als Zeichen für das Feuer unserer Freundschaft gründete ich im Jahr 1999 den Cercle d’Amis de Rielasingen-Worblingen. Seitdem bin ich mit Freude dessen ­erste Vorsitzende. Man muss viel von sich selbst geben, damit der Freundeskreis lebendig bleibt – aber es lohnt sich.

Frau Olszewski, können Sie sich an Ihren ersten Besuch in Rielasingen-Worblingen erinnern?

Eigentlich wollte ich nicht nach Deutschland kommen. Denn zuvor war ich elf Jahre mit einem Deutschen verheiratet gewesen und lebte während meiner Ehe mit meiner Familie in der Pfalz. Ich hatte eine schwere Scheidung und eine schwere Zeit hinter mir und lebte wieder in Nogent-sur-Seine. Ich hatte wegen dieser Vergangenheit kein gutes Gefühl, nach Deutschland zu kommen. Heute bin ich froh, dass es anders gekommen ist und ich mehrere Schüleraustausche begleiten musste. Meine erste Gastfamilie zeigte mir ein anderes Bild der Deutschen. Otto und Helga Ehinger hatten mich beherbergt und waren von Beginn an sehr lieb und aufmerksam zu mir. Auch die liebevolle Gastfreundschaft meiner späteren Gastfamilie Karl-Heinz und Hildegard Fiedler aus Rielasingen-Arlen werde ich nie vergessen.

Einige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg wurden viele Städtepartnerschaften zwischen Frankreich und Deutschland gegründet. Mit den geschlossenen Freundschaftsverträgen sollten sich die ehemaligen Kriegsgegner freundschaftlich annähern. Wie haben Sie diese Thematik erlebt?

Ich kann mich erinnern, dass sich die älteren Menschen damals Gedanken bezüglich der Kriegsgeschehen gemacht hatten. Es wurde viel darüber gesprochen, aber heute denkt zum Glück keiner mehr an die Kriegszeiten zurück. Auch ich habe mir nie Gedanken über die schlimme Zeit des Krieges gemacht. Aber dies ist ein Teil unserer Geschichte, der nicht in Vergessenheit geraten und niemals wieder geschehen darf. Wir bekommen in Deutschland so viele Türen geöffnet, unsere gute Freundschaft ist eine Chance für den Frieden und ein gemeinsames Europa.

Es müssen damals intelligente Menschen gewesen sein, die sich zu Beginn für eine Jumelage eingesetzt haben.

Im Juli dieses Jahres waren Sie mit einer französischen Delegation in Rielasingen-Worblingen zu Besuch. Was gefiel Ihnen besonders gut in diesen Tagen?

Einfach alles. Wenn ich hierher komme, ist es, als käme ich nach Hause. Jedes Mal empfinde ich dabei ein Gefühl der Versöhnung und des Glücks in mir. Ich bin sehr froh, dass ich den Deutschen mein Herz nochmals geöffnet habe und ihnen eine Chance gegeben habe. Ich habe das große Glück, viele gute ­Freunde in Rielasingen-Worblingen zu haben.

Gibt es bereits Pläne für den nächsten gegenseitigen Besuch?

Ja, natürlich gibt es die. Unsere deutschen Freunde werden uns vermutlich zum französischen Nationalfeiertag am 14. Juli 2019 besuchen. Für uns Franzosen ist dies ein wichtiger Tag. Diesen möchten wir gemeinsam mit unseren deutschen Freunden feiern.

Fragen: Sandra Bossenmaier