Fast 100 Menschen, Durchschnittsalter über 85 Jahren, leben im Pflegezentrum St. Verena. Sie alle trifft die Corona-Krise besonders schmerzlich. Denn laut der neuesten Verordnung der Landesregierung über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus dürfen sie keinen Besuch mehr bekommen.

Aktuell gibt es ein Zutritts- und Besuchsverbot, Ausnahmen gibt es nur in besonders außergewöhnlichen Situationen. Was das genau heißt, ist noch nicht ganz klar, aber ein Beispiel wäre, wenn jemand im Sterben liegt und die engsten Angehörigen sich verabschieden möchten. „Die meisten Angehörigen reagieren vernünftig“, berichtet Gisela Meßmer, Leiterin der Einrichtung. Im Vorfeld hatte man alle telefonisch über das Besuchsverbot informiert.

Risiko steigt ab einem Alter von 50 Jahren

Zuvor hatte bereits die Cafeteria und die Tagespflege mit durchschnittlich täglich 35 Gästen geschlossen. Die Sorge um die älteren Mitmenschen ist berechtigt, denn laut Robert Koch-Institut steigt das Risiko eines schweren Covid-19-Krankheitsverlaufes ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren. Besonders ältere Menschen sind vom neuartigen Coronavirus gefährdet, der eine Atemwegserkrankung auslöst.

Das Risiko, dass diese Erkrankung lebensbedrohlich oder gar tödlich verläuft, ist vor allem für die Alten sehr hoch. Noch höher, wenn diese Menschen unter einer Vorerkrankung leiden. Denn im Alter sind die Abwehrkräfte nicht mehr so stark wie in jungen Jahren. Das Virus hat es leichter, die Atemwege anzugreifen.

Eingesperrt wird niemand

Die Mitarbeiter des Pflegezentrums St. Verena erklären den Bewohnern die gefährliche Situation genau und appellieren an deren Vernunft. Aber einsperren könne man die Bewohner nicht, diese würden ein freies und selbstbestimmtes Leben führen dürfen, so Gisela Meßmer.

Als Alternative zu den persönlichen Besuchen bietet man technische Varianten an, zu deren Anwendung manche Bewohner Unterstützung benötigen. Aber bei allem, was es im Moment zu verändern gelte, stehen die Gesundheit und der Schutz von den Bewohnern und Mitarbeitern an erster Stelle in dieser schwierigen Zeit.

Gefahr der sozialen Isolation steigt

Dass nun empfohlen wird, dass gerade ältere Menschen den Kontakt zu den Jüngeren meiden sollen, ist ein schwerer Einschnitt in das gesellschaftliche Geflecht. Die Gefahr der sozialen Isolation für die Alten steigt. Da aber Kinder symptomfrei den Virus übertragen können, wird auch Großeltern empfohlen, den persönlichen Kontakt zu ihren Enkelkindern zu meiden.

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„Sich nicht mit anderen zu treffen, tut weh“, nimmt Klaus Fenten vom Ortsseniorenrat Rielasingen-Worblingen dazu Stellung. Doch die Situation sei ernst und es sei wichtig, die Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten. Kommunizieren über digitale Medien sei eine gute Möglichkeit, um das soziale Gefüge zu erhalten.

Geprägt durch Kriegserfahrungen

Eine Seniorin aus Worblingen jenseits der 80 (die hier Ihren Namen nicht nennen möchte) kann nach eigener Aussage der Situation gelassen entgegentreten. Als Kind hätte sie den Krieg erlebt, das hätte sie geprägt und gelehrt mit Krisensituationen umzugehen. Natürlich würde sie sich an die Maßnahmen halten und schweren Herzens auf den Besuch der Enkelkinder verzichten. Aber mit dem Glauben an einen verlässlichen Gott und nach einem erfüllten Leben könne sie ihrem persönlichen Schicksal entgegentreten, wie immer das auch aussehen möge.