Frieda Alberti ist froh über die Hilfestellung, die sie vom Bürgerbus-Fahrer Peter Bratusek beim Ein- und Aussteigen in den behinderten- und kinderwagengerechten Kleinbus erhält. Sie nutzt seit einiger Zeit den Bürgerbus regelmäßig und gerne. Udo Heggemann, Vorsitzender des Bürgerbus-Vereins, begrüßte die völlig überraschte Seniorin nun fast auf den Tag genau zwei Jahre nach Inbetriebnahme der Bürgerbus-Linien mit einer Rose in der Hand als 20 000. Fahrgast.

Der Bürgerbus sei für sie ein Geschenk des Himmels, betonte Alberti.: „Ich käme sonst nirgendwohin. Und die Fahrer sind mir immer behilflich.“ Drei Jahre lang sei sie nach Operationen nicht in der Lage gewesen, selbst einzukaufen. Das sei ihr jetzt wieder möglich, meint sie glücklich und schiebt ihren Rollator zum Eingang des Edeka Marktes.

Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs

Die Worte Albertis sieht Heggemann als Bestätigung der Zielsetzung des Bürgerbusses, dessen Linien den öffentlichen Nahverkehr ergänzen. Der Bürgerbus ermögliche den Senioren in der Gemeinde „mehr Mobilität und damit mehr Lebensqualität und Unabhängigkeit, den längeren Erhalt der Eigenständigkeit und somit auch die Möglichkeit, länger in der eigenen Wohnung und dem eigenen Haus bleiben zu können“, erklärt Heggemann. Er freue sich, dass der Bürgerbus von Anfang an so gut angenommen worden sei. Und weil der Bürgerbus die Anfahrt aller relevanten Alltagsziele in der Gemeinde ermögliche und man so auf das eigene Auto verzichten könne, hätten sogar bereits auch schon mehrere Senioren ihren Führerschein zurückgegeben, erzählt Heggemann.

Unterstützung durch die Gemeinde Rielasingen-Worblingen

Der Bürgerbus steht und fällt mit einem engagierten Vorstand seines Trägervereins, der finanziellen Unterstützung durch die Gemeinde Rielasingen-Worblingen – im vergangenen Jahr betrug deren Zuschuss 150 000 Euro – und den ehrenamtlichen Fahrern und Fahrerinnen. Nach Fahrern ist der Bürgerbus-Verein permanent auf der Suche, denn es gibt immer wieder krankheits- oder altersbedingte Ausfälle. Das Team besteht im Durchschnitt aus rund 35 Männern und Frauen, die – je nach persönlicher Verfügbarkeit – gerne bis vier halbe Tage monatlich dafür aufwenden, eine sinnvolle soziale Tätigkeit mit viel Kontakt zu den mitfahrenden Mitbürgern auszuüben. Bürgerbus-Fahrer zu sein mache Freude, sagt Peter Bratusek. Er ist Fahrer der ersten Stunde. Genauer gesagt, hat er einen der beiden Kleinbusse auf der allerersten Tour gesteuert. „Ich kann mit der Zeit, die ich dafür erübrige, der Gemeinschaft etwas zurückgeben. Ich hab viel Glück im Leben gehabt“, erklärt Bratusek das Motiv für seinen Einsatz.

Vielleicht wird man aber mittelfristig auch die Bürgerbusse ohne Fahrer durch den Ort kurven sehen. „Elektro-Busse sind die Zukunft“, erklärt der Zweite Vorsitzende Helmut Nahrgang: Ein E-Kleinbus koste in der Anschaffung derzeit um die 60 000 Euro, sei von Steuern befreit, hätte geringe Unterhaltungs- und Verbrauchskosten. Es gebe keine Emissionen oder Feinstaub. Und: Die E-Busse könnten auch zu Selbstfahrer-Fahrzeugen umgerüstet werden.