Gebannt verfolgen gut 300 Menschen im Veranstaltungssaal der Talwiesenhallen den Film. Das große Fußball-Kino läuft. Plötzlich erheben sich spontan in zwei vorderen Reihen junge Männer und applaudieren lautstark. Die Spieler der ersten Mannschaft des 1. FC Rielasingen-Arlen zollen ihren Beifall den Kameraden der Reserve-Mannschaft, als die laufenden Bilder zeigen, wie die Akteure der Zweiten ein großflächiges Plakat gestalten.

Das prägt großflächig das Bild auf der Nordtribüne des Freiburger Schwarzwaldstadions, als der 1. FC Rielasingen-Arlen zum großen Pokalspiel gegen den Top-Bundesligisten Borussia Dortmund aufläuft. "Das Spiel unseres Lebens" – so bewerten die Kicker ihren Auftritt.

Und unter diesem Titel steht auch die besondere Film-Vorführung als Überraschung für die Akteure und die vielen Vereinsmitglieder, die mit nach Freiburg gereist sind. "Der Film soll 45 Minuten Gänsehaut erzeugen und ein wunderbares Ereignis wieder aufleben lassen," betont Vereinschef Peter Dreide.

Bild: Bittlingmaier, Albert

Die sympathische Neuseeländerin Hayley Smith hatte den Stein ins Rollen gebracht. In fast perfektem Deutsch berichtet die Freundin des letztjährigen Mannschaftskapitäns, Tobias Bertsch, wieviel Herzblut und hunderte von Stunden sie in das Projekt gesteckt hat.

"Als nach der Auslosung klar war, dass es zum Knüllerspiel gegen Borussia Dortmund kommt, entschied ich mich, zusammen mit Frank Hellwig einen Film zu produzieren", erklärt Hayley Smith. Hellwig betreibt ein Film- und Fotostudio in Rielasingen. "Mein Wunsch war es, schon lange im Vorfeld des Pokalspiels Impressionen aller Art zusammenzutragen. Es wurde immer mehr Material. Manche Nacht konnte ich gar nicht gut schlafen, dafür hatte ich aber viele Schmetterlinge im Bauch und tausend Gedanken", beschreibt sie.

Sie strahlen nach der Premieren-Aufführung des Films: (von links) Frank Hellwig vom gleichnamigen Film- und Fototudio, Initiatorin Hayley Smith, Freund Tobias Bertsch und Vereinsvorsitzender Peter Dreide.
Sie strahlen nach der Premieren-Aufführung des Films: (von links) Frank Hellwig vom gleichnamigen Film- und Fototudio, Initiatorin Hayley Smith, Freund Tobias Bertsch und Vereinsvorsitzender Peter Dreide. | Bild: Albert Bittligmaier

Immenser Aufwand

"Wir wollten auch ein zeitgeschichtliches Dokument schaffen und mussten unter einer Unmenge von Dateien auswählen, um auf eine kompakte Spielzeit von 45 Filmminuten zu kommen", schildert Frank Hellwig. Die große Gefühlswelt aufzuzeigen und eine Dramaturgie aufzubauen, nennt Hayley Smith als Hauptziele des Streifens, der viele Sequenzen enthält.

Da wurde bei den Vorbereitungsspielen des 1. FC Rielasingen-Arlen aus dem Umfeld mit Amateurkameras gefilmt, dann schon etwas professioneller bei der Auslosung im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund und im heimischen Clubheim, als ein Riesenjubel nach dem großen Losglück aufbrandete. All dies lässt der Film wieder aufleben. Und wie die immensen Vorbereitungen unter der Federführung der Organisationsspitze mit Anderas Dietrich, Christine Dreide und Werner Spang abliefen und bewältigt wurden.

Die Cheforganisationsteam ist stolz: (von links) Andreas Dietrich, Christine Dreide und Werner Spang.
Die Cheforganisationsteam ist stolz: (von links) Andreas Dietrich, Christine Dreide und Werner Spang. | Bild: Albert Bittlingmaier

Der Film startet stilecht mit visuellen Effekten und der Titelmusik von "Krieg der Sterne". Es geht um den großen Kampf David gegen Goliath. Die Leinwand zeigt den Auftritt von Fernsehteams, so als der frühere Bundesligaspieler Torsten Legat in seiner bewusst provokanten und überspitzten Art die Akteure des 1. FC Rielasingen-Arlen lautstark auf das große Spiel einschwört: "Geht hin und schlagt ihnen die Zähne aus. Fußball ist wie Krieg".

Und Kult-Platzwart Uwe Schwarzer bringt es auf den Punkt: "Das Spiel ist wie Weihnachten und Ostern zusammen." Stadionsprecher Klaus Oklmann fiebert schon dem großen Auftritt in Freiburg entgegen. Tausende von Menschen machen sich vom Hegau und der umliegenden Region aus auf den Weg in den Breisgau. Es kommt zu großen Staus auf der Bundesstraße in Richtung Freiburg. Diesen Aspekt blendet der Film aus. Dafür beschreibt er viele emotionalen Momente rund um den Pokalhit 1. FC Rielasingen-Arlen gegen Borussia Dortmund. Bewegende Szenen vor dem Spiel, als die Mannschaft von den Fans genauso gefeiert wird wie nach der Partie, von der es ebenfalls exklusive Einstellungen von ganz besonderen Momenten gibt.

Nochmals Anspannung pur herrscht bei den Spielern des 1. FC Rielasingen-Areln, als sie den Film "Das Spiel unseres Lebens verfolgen". Sie geben immer wieder Applaus.
Nochmals Anspannung pur herrscht bei den Spielern des 1. FC Rielasingen-Areln, als sie den Film "Das Spiel unseres Lebens verfolgen". Sie geben immer wieder Applaus. | Bild: Katarina Hellwig

"Das war noch mehr Gänsehaut-Gefühl als beim Spiel selbst, obwohl ich viele Passagen gekannt habe, weil ich bei der Produktion des Films selbst beteiligt war", sagt Tobias Bertsch. "Riesig, alles nochmals nachzuerleben", schwärmt Robin Niedhart. "Für uns war es eindrucksvoll, zu erleben, wie sich die Vereinsmitglieder mächtig ins Zeug gelegt haben, um uns zu ermöglichen, dass wir das Spiel in vollen Zügen genießen können", erklärt Sebastian Stark.

Bild: Bittlingmaier, Albert

Eine große Fußballfamilie

"Die ganzen Emotionen kamen wieder hoch, als wäre es erst zwei Wochen her", so Andreas Dietrich. Er hatte als Veranstaltungsleiter genauso wie Werner Spang beim Marketing und Christine Dreide, die für das Ticketing verantwortlich zeichnete, ein Riesenpensum zu bewältigen. "Es war unglaublich, zu sehen, wie wir als Organisationsamateure ein Stadion mit 23.000 Menschen gefüllt haben. Darauf sind wir mächtig stolz", blickt Christine Dreide zurück.

"Die tollen Eindrücke leben wieder auf. Haften bleibt auch, als alle Besucher aufgestanden sind und das Badnerlied gesungen haben", so Spang. Gänsehaut pur auch fast ein Jahr nach dem großen Ereignis. Das leben nicht nur die jungen Akteure, sondern auch die älteren Mitglieder des 1. FC Rielasingen-Arlen ganz bewusst mit viel Freude nach. Eine große Fußballfamilie eben. "Ich bin von diesem Film tief beeindruckt", zeigt sich Bürgermeister Ralf Baumert begeistert.

Auch fast ein Jahr nach dem großen Ereignis herrscht noch große Freude bei Spielern und Betreuern des 1. FC Rielasingen-Arlen. Das Bild zeigt sie vor einem Plakat, das an den Pokalhit erinnert.
Auch fast ein Jahr nach dem großen Ereignis herrscht noch große Freude bei Spielern und Betreuern des 1. FC Rielasingen-Arlen. Das Bild zeigt sie vor einem Plakat, das an den Pokalhit erinnert. | Bild: Katarina Hellwig

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