Die Debatte um Feinstaub-Werte beschäftigt viele Menschen im Land und die Werte dürften vielerorts zu hoch sein – nicht nur in der Landeshauptstadt Stuttgart, wo die Diskussion mit besonderer Schärfe bis hin zu Forderungen nach Fahrverboten geführt wird. Aber auch im beschaulichen Hegau wird die Diskussion geführt. "Gerade an einer viel befahrenen Ortsdurchfahrt wie der Ramsener Straße in Rielasingen ist Feinstaubbelastung ebenfalls erwartbar", glaubt Jana Akyildiz vom Ortsverband der Grünen in Rielasingen-Worblingen. Die mikroskopisch kleinen Schwebteilchen entstehen meist bei Verbrennungsprozessen und belasten die Atemwege. Problematisch sei bislang der Nachweis, denn es gibt viel zu wenige Messstationen. Leidgeplagte Stuttgarter haben deshalb eine Initiative ins Leben gerufen, um dies zu ändern. Jetzt wollen Akyildiz und ihre Parteifreunde diese Lösung auch im Hegau unterstützen – mit selbst gebastelten Sensoren, um so die Dichte der Messtationen zu erhöhen.

Mitglieder des Ortsverbands Rielasingen-Worblingen haben sich mit Frank Riedel vom OK-Lab aus Stuttgart getroffen, um die Feinstaubsensoren zu bauen und zu konfigurieren. "OK" steht dabei für den englischen Begriff Open Knowledge, zu deutsch: offenes Wissen. Programmierkenntnisse seien nicht erforderlich, betont Riedel: "Wir haben die Firmware schon fertig programmiert. Sie wird nur überspielt und installiert. Das ist auch für Computer-Laien zu machen." Wie einfach das geht, hat er beim Treffen in den Geschäftsräumen des Bürgerunternehmens Solarcomplex erklärt. Jetzt suchen die regionalen Aktivisten weitere Mitstreiter, die Sensoren installieren wollen. "Als neue Feinstaubsensorenprofibauer stehen wir gerne beratend zur Verfügung", verspricht Akyildiz.

"Schon bald soll die erste Anlage im Umfeld der Ramsener Straße in Betrieb genommen", kündigt sie als eine der drei Ortsvereinsvorsitzenden an. "Das Bewusstsein für Luftverschmutzungen zu stärken ist meine eigentliche Motivation und hierbei gibt es unterschiedliche Verursacher. Wir müssen 'raus aus der Erwartungshaltung, das haben andere zu regeln“, betont sie und freut sich, dass die Initiative Synergien freisetzt. Auch in Konstanz und Radolfzell werden selbst gebaute Messanlagen installiert. Bereits seit Juni misst das Bürgerforum Bauen Radolfzell (BBR) den Feinstaub an fünf Standorten in Radolfzell.

Die Idee, Feinstaubmessungen aus behördlicher Verantwortung in private Initiative zu überführen, kommt vom OK-Lab aus Stuttgart. OK steht dabei für den englischen Begriff Open Knowledge, zu deutsch: offenes Wissen. Von dort kommen die notwendigen Informationen für den Selbstbau von Feinstaubsensoren. Für 30 Euro lasse sich so ein Messgerät zusammenbauen. Wie genau das geht, erläuterte Frank Riedel aus Stuttgart bei zwei Veranstaltungen den Aktivisten im Hegau. Der Bausatz besteht aus zwei Abwasserrohrbögen, einem Feinstaubsensor für die Varianten grob- und feinkörnig, sowie einem Kleincomputer mit WLAN zur Übertragung der Daten ins Internet. "Voraussetzungen für eine Installation sind Stromanschluss und die Verbindung zum Internet", erklärt Akyildiz. Einfach könne dies über WLAN realisiert werden, an einer kabelgebundenen Lösung werde aber bereits getüftelt, um die Messdatenübertragung sicherer zu machen.

Die Werte sollen auf der Internetseite des OK-Lab unter der Adresse www.luftdaten.info öffentlich gemacht werden. "Wir warten alle schon gespannt auf die Werte, welche die neuen Sensoren liefern werden. Die Feinstaubwerte werden über das Internet in Echtzeit angezeigt und sind für Interessierte einsehbar.

 

Das Projekt

  • Die Initiatoren: Die OK Labs – Open Knowledge Lab heißt übersetzt etwa Labor für offenes Wissen – sind von der Open Knowledge Stiftung Deutschland initiiert worden. Regionale Gruppen treffen sich regelmäßig. Sie entwickeln neue Werkzeuge wie den Feinstaubsensor. Mittlerweile ist das Netzwerk nach eigenen Angaben auf bundesweit 25 Gruppen angewachsen und umfasst eine Gemeinschaft von über 300 Freiwilligen.
  • Die Sensoren: 1200 Feinstaubsensoren in Deutschland hat das Team bereits auf den Weg gebracht. Weitere Sensoren sollen in Singen und Rielasingen-Worblingen installiert werden.
  • Die Motivatoren: Das Team von Luftdaten.info besucht auf Wunsch übrigens auch Schulen. Die Anleitung zum Bau eines Feinstaubsensor finden Interessierte im Internet auf www.luftdaten.info