Die Anzahl der an Wolfgang Gedeons politischem Abend interessierten Zuhörer und die der Polizeibeamten war ungefähr im Gleichgewicht. Rund 30 Besucher waren der Einladung des Landtagsabgeordneten mit AfD-Parteibuch in die Talwiesenhalle in Rielasingen gefolgt, darunter fünf Gemeinderäte, die sich nach eigener Aussage selbst ein Bild von den regelmäßigen Veranstaltungen des umstrittenen Politikers machen wollten. Rund 30 Polizeibeamte unter der Leitung von Singens Revierleiter Thomas Krebs gewährleisteten die Sicherheit an dem Abend.

Bei einer ähnlichen Veranstaltung vor ein paar Wochen im Kulturpunkt Arlen hatten Mitglieder der antifaschistischen Szene (kurz Antifa) Wolfgang Gedeons politischen Abend massiv gestört. Auch dieses Mal hatten sich drei junge Demonstranten vor der Halle eingefunden und hielten ihr mitgebrachtes Transparent vor sich. Ein wenig musste man den Eindruck gewinnen, als wollten sie sich dahinter verstecken.

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Zu einem persönlichen Zusammentreffen von Wolfgang Gedeon und den Demonstranten kam es nicht, der Landtagsabgeordnete verließ nach der Veranstaltung den Raum durch eine Hintertür. Letztlich verlief der Politabend innerhalb und außerhalb der Talwiesenhalle recht ruhig, was möglicherweise dem hohen Polizeiaufgebot geschuldet ist.

Protest: Drei Demonstranten halten vor der Talwiesenhalle ein Transparent hoch – und es sieht ganz danach aus, als wollten sie sich hinter dem Tuch verstecken.
Protest: Drei Demonstranten halten vor der Talwiesenhalle ein Transparent hoch – und es sieht ganz danach aus, als wollten sie sich hinter dem Tuch verstecken. | Bild: Sandra Bossenmaier

Gedeon bleibt sich treu

Wolfgang Gedeon trat ganz so auf wie man ihn kennt. Selbstbewusst und mit brauner Hose und rotem Jackett bekleidet, redete er lange und viel. Den Fragen der Besucher schenkte er Gehör und beantwortete sie ausführlich. Etliche der Teilnehmer schienen sich untereinander zu kennen und zu akzeptieren. Und man war sich weitgehend einig, bei welchen Aussagen applaudiert oder wann beispielsweise Aussagen des Politikers mit einem zustimmenden Nicken begleitet wurde.

Auf der Tagesordnung des Abends standen die Vorstellung eines neuen Buches des Politikers und seine Ansicht zu politischen Themen. Einer typischen Buchvorstellung entsprach der Abend nicht, das neue Buch mit dem Titel „Ich, die AfD und der Antisemitismus“ wurde eher am Rande präsentiert und konnte zu einem Sonderpreis erworben werden.

Nichts für "Schönwetterkapitäne"

Wolfgang Gedeon nutzte den Abend ansonsten für Auslassungen über bekannte Themen. Unter anderem definierte er den Begriff Antisemitismus und die momentane Lage der Politik in Deutschland. In der Tendenz, so seine Einschätzung, gäbe es eine Chaotisierung der politischen Landschaft. Angesichts der größer gewordenen Problemen hätten die Menschen das Vertrauen in die Politik verloren. Die großen Volksparteien bezeichnete er als „Schönwetterkapitäne“, die der rauen See nicht gewachsen seien.

Ein bei den Zuhörern für Aufmerksamkeit sorgendes Thema war Migration und das Flüchtlingsthema. Insgesamt sei Politik ein Kampf der Kulturen und ein Kampf der Worte. Laut Wolfgang Gedeons Einschätzung handelt es sich um ein hartes Geschäft und eine kriegerische Auseinandersetzung.