Vorsichtig optimistisch sind die Reichenauer Winzer, was die Menge und Qualität des diesjährigen Weins betrifft. Denn wie überall in Baden haben auch hier die Trauben zum Teil unter dem nassen Sommer und Pilzbefall gelitten. Doch die Ausfälle dürften sich auf der Reichenau in Grenzen halten, schätzt Klaus Biesinger, der neue Betriebsleiter der Rebenaufbau- und Weinbaugenossenschaft: „Bei uns hier auf der Insel sieht es noch ganz gut aus. Wir sind bis jetzt zufrieden mit der Qualität. Es könnte wirklich schlimmer sein.“ In anderen Anbaugebieten wie etwa am Hohentwiel oder bei Meersburg seien die Niederschläge noch extremer gewesen. Der erfahrene Winzer schätzt: „Es wird ein fruchtiger Jahrgang werden.“ Doch das könne je nach Rebsorte mehr oder weniger ausfallen.

Die Weinlese läuft erst seit ein paar Tagen

Wümmle, so heißt die Weinlese auf der Reichenau. „Da müssen wir weiter sehen. Das Wetter wird gnadenlos entscheiden.“ Tagsüber sonnig und warm, nachts kalt sollte es möglichst sein, damit die Trauben noch gut zu Ende reifen können. „Dann wird am meisten Frucht und Aroma gespeichert.“ Denn die meisten Sorten sollten noch etwas an den Reben hängen. Doch die bisher bei der Vorlese gemessenen Öchslewerte von 75 bis 88 Grad seien schon recht gut. Die Menge wird aber sicher geringer sein als in den Vorjahren, schätzen Biesinger und Sabrina Glönkler, die Geschäftsführerin der Weinbau-Genossenschaft. Vom Jahrgang 2020 habe es rund 220 000 Liter gegeben, im Jahr davor sogar 250 000 Liter, erklärt Glönkler. Aber damals sei das Wetter auch ideal gewesen. Doch Biesinger ist zuversichtlich: „Wir haben einige Traubensorten, wo es nach einem ganz normalen Herbst aussieht.“ Einen mehr oder weniger normalen Ertrag erwarte er etwa beim Müller-Thurgau, Gutedel sowie Weiß- und Spätburgunder. Eher weniger Wein geben dürfte es dagegen beim Grauburgunder, sagt Biesinger, „bei manchen Sorten wird es ein durchschnittlicher Jahrgang werden.“

Vergangene Woche begann die Weinbau-Genossenschaft mit ihren rund 25 Helfern mit der Vorlese beim Grau- und Spätburgunder. Dabei seien essigfaule Trauben entfernt worden und solche, die vom Botrytis-Pilz und falschen Mehltau befallen waren, erklärt Biesinger. Dann könnten die anderen, gesunden Trauben noch weiter reifen. Bei der Biosorte Muscaris stehe dagegen die Hauptlese an, die sei reif. Und bei Müller-Thurgau beginne nun die gestaffelte Lese, das heißt, zunächst werden nur die vollreifen Trauben rausgeschnitten, so Biesinger. Glönkler erklärt, es werde in enger Abstimmung mit dem Kellermeister Thomas Sättele tagesaktuell entschieden, wann und wo die Lese weitergehe. „Dieses Jahr mit dem vielen Wasser ist alles in bisschen anders.“ Biesinger fügt an: „Man muss es täglich beobachten. Es ist alles etwas unkalkulierbar.“ So hat die Lese auch diesmal zehn Tage später begonnen als im Vorjahr.

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Das Wetter sei in diesem Jahr einfach extrem gewesen für den Weinbau, so der Betriebsleiter. Den ganzen Sommer über habe es in zu kurzen Abständen viele Niederschläge gegeben. Wasser im Boden sei natürlich schon gut für die Qualität der Trauben. Aber unter diesen Umständen sei der Boden ständig nass gewesen und ebenso das Reblaub. „Das bedeutet, es gab während der ganzen Vegetation eine hohe Gefahr von Pilzbefall.“ Von diesem gebe es auch auf der Reichenau mehr als in den Vorjahren, aber eben im Vergleich zu anderen Regionen sehe es noch ganz gut aus. Und das kommt nicht von ungefähr, wie Glönkler anmerkt: „Wir haben fleißig dagegengewirkt.“ Es habe deutlich mehr Pflanzenschutzmaßnahmen gegeben. Wobei Biesinger betont: „Das war eine große Herausforderung.“ Denn es sei nicht so einfach, mit den schweren Maschinen auf dem nassen Boden zu fahren. Doch die aktuelle Lage lasse sich einfach nicht vergleichen mit den Vorjahren, als das Wetter trocken war. Da sei man als Winzer natürlich auch etwas verwöhnt.

Glönkler hat noch eine gute Nachricht. Von der auf der Reichenau neuen Sorte Weißburgunder dürfte es diesmal größere Mengen geben. Von dieser habe es in diesem Jahr zum ersten Mal Wein gegeben. „Der kam sehr gut an und wird immer mehr nachgefragt“, so Glönkler. Im vergangenen Jahr habe es aus einer Rebanlage nur einen Teilertrag gegeben, diese sei jetzt im Vollertrag, und eine weitere junge Anlage nun im Teilertrag. Biesinger schwärmt vom fruchtigen, vollmundigen Wein: „Er ist eine geniale Ergänzung in der Burgunder-Familie.“ Glönkler fügt an, dass die Weinbau-Genossenschaft weiter auf die Nachfrage der Kunden reagieren werde. So werde man im nächsten Jahr circa 35 Ar neue Bio-Reben pflanzen und zwar hauptsächlich mit der Sorte Cabernet-Cortis. „Der ist immer als einer der ersten ausverkauft in der Vinothek des Winzervereins.“