Wenn der Reichenauer Wein eine Zukunft haben soll, dann brauchen die Hauptverantwortlichen eine neue Produktions- und Lagerstätte. Denn die Hersteller müssen mittelfristig aus dem Winzerkeller unterhalb des sanierungsbedürftigen Südflügels des Rathauses weichen. Nach jahrelanger Suche hat der Winzerverein – in enger Abstimmung mit der Gemeinde und auch dem Landratsamt Konstanz – nach Prüfung mehrerer Grundstücke einen passenden Standort auf der Insel gefunden: südlich der Hochwart, zwischen Moos- und Eichenweg. Doch es gibt ein Problem.

Ein neuer Bebauungsplan muss her

Weil dieses bisher landwirtschaftlich genutzte Grundstück im Außenbereich liegt, braucht es einen Bebauungsplan für ein Sondergebiet Weinbau. Den Vorentwurf hierfür stellte nun Planerin Denise Becker im Reichenauer Gemeinderat vor. Deutlich wurde dabei, dass noch einige Fragen zu klären sind. Becker räumte ein, dass es sich vorerst um eine noch grobe Planung handle. Es gehe jetzt auch darum, bei einer frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit abzuwarten, was vor allem die Behörden zu den Plänen sagen – nicht zuletzt wegen des Standorts im Grünland. Auch Bürger können dabei einige Wochen lang Stellungnahmen abgeben.

Das könnte Sie auch interessieren

Geplant sei eine 54 Meter lange und zweigeschossige Produktionshalle, die 7,50 Meter hoch sein soll und mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach, erklärte Denise Becker. Zudem vorgesehen seien zwei kleinere Gebäude: eins für Gerätschaften der Rebenaufbau- und Weinbau-Genossenschaft sowie mittelfristig eins für Verkauf und Gastronomie, beide mit Dachbegrünung. Die Fassaden sollen aus Putz und Holz sein. Erlaubt seien zudem nur unbeleuchtete Werbeanlagen an den Gebäuden, sagte die Planerin auf Nachfrage von Gabriel Henkes (Freie Liste Natur). Becker betonte ferner: „Es verliert kein Landwirt wichtige Flächen.“ Doch es brauche aus naturschutzrechtlicher Sicht eine Ausgleichsbilanz für den Eingriff in die Natur sowie eine schallschutztechnische Untersuchung.

Grünplaner Christoph Laule sagt ganz klar: „Diese Planung widerspricht dem Entwicklungskonzept der Gemeinde.“
Grünplaner Christoph Laule sagt ganz klar: „Diese Planung widerspricht dem Entwicklungskonzept der Gemeinde.“ | Bild: Zoch, Thomas

Grünplaner Christoph Laule erklärte, es handele sich um Grünland von „einigermaßen hoher Wertigkeit“. Die Dachbegrünung würde im Gegenzug Ökopunkte bringen, aber der Eingriff könne nicht komplett auf dem Grundstück ausgeglichen werden. Auf Nachfragen von Ralf Blum (CDU) und Stephan Schmidt (Freie Wähler) zu Photovoltaikanlagen auf den Nebengebäuden sagte Laule, dort könnten diese mit Begrünung kombiniert werden. Das Land schreibe seit dem Jahr 2020 Anlagen auch auf Gewerbebauten vor. Doch dafür gebe es keine Ökopunkte als Ausgleich. Die Dachbegrünung sei wichtig, um das Landschaftsbild zu unterstützen. Denn, so merkte Grünplaner Christoph Laule an: „Diese Planung widerspricht dem Entwicklungskonzept der Gemeinde.“ Demnach sollte auf dieser Fläche nichts gebaut werden. Deshalb sei eine ausführliche Prüfung alternativer Standorte wichtig, um die Genehmigung der Behörden zu bekommen. Diese Prüfung habe es bereits gegeben. Fazit: Es habe kein anderer Standort besser abgeschnitten, die meisten sogar schlechter.

Bürgermeister Wolfgang Zoll erklärte, dass die Gemeinde im Einzelfall von den Vorgaben des Entwicklungskonzepts abweichen könne – außer bei Wohnbebauung. Und er betonte: “Wir haben wirklich jedes Grundstück angeschaut.“ Armin Okle (FW) sagte: „Es handelt sich um öffentliches Interesse, dass sich hier was tut.“ Der Weinbau sei wichtig für die Gemeinde.

Bürgermeister Wolfgang Zoll: “Wir haben wirklich jedes Grundstück angeschaut.“ Das nun übriggebliebene sei der beste Standort.
Bürgermeister Wolfgang Zoll: “Wir haben wirklich jedes Grundstück angeschaut.“ Das nun übriggebliebene sei der beste Standort. | Bild: Zoch, Thomas

Blum und Schmidt griffen die Frage auf, ob die geplanten Gebäude die umliegenden Anbauflächen beschatten würden. Das hatte der Gärtner angesprochen, der in der Nachbarschaft seinen Betrieb hat. Auch das soll noch geprüft werden, sagten Bürgermeister Zoll und Planerin Becker. Thorsten Schneider (FW) monierte zudem, dass die vorliegende Planung deutlich größer sei als der erste Entwurf, der dem Gemeinderat vorgestellt worden war. Damals sollte die Produktionshalle eine Grundfläche von rund 850 Quadratmetern haben, nun seien es fast 1460. Manfred Krämer, der Geschäftsführer des Winzervereins, erklärte, dies sei in der Tat bereits die fünfte Variante der Halle. Die aktuelle Größe habe sich nach Rücksprache mit den Architekten, Fachplanern und dem Kellermeister ergeben. „Wir wollen es nur so groß machen wie nötig“, betonte Krämer. Dies schon allein aus Kostengründen.

Für den Winzerverein drängt die Zeit allmählich nicht nur, weil die Gemeinde in den nächsten Jahren den maroden Südflügel des Rathauses sanieren will. Manfred Krämer erklärte bereits vor Monaten, es gehe auch um einen 25-Prozent-Zuschuss der EU: „Der ist nur bis Ende 2023 gesichert.“ Bis dahin sollte die neue Produktionshalle stehen. Über die hierfür ausgewählte rund 5000 Quadratmeter große Ackerfläche sagte er: „Es ist wichtig, dass wir zu einem annehmbaren Preis einen Platz in guter Lage bekommen.“ Die finanziellen Möglichkeiten der Genossenschaft seien begrenzt. Die Gesamtkosten für das Projekt hat Krämer grob auf etwa 4 Millionen Euro kalkuliert. Von der EU gäbe es dann rund eine Million Euro als Zuschuss. Der Winzerverein könne 1,5 Millionen Euro Eigenkapital aufbringen, sodass noch ein Kredit von 1,5 Millionen Euro nötig wäre. „Ich versuche, mit weniger Kredit auszukommen“, sagte Krämer. Fast alle Mitglieder des Winzervereins hätten diesem Vorgehen zugestimmt, erklärt der Geschäftsführer.