Sandra Schüßler aus Aach weiß, wie es sich anfühlt, wenn man 15 oder 16 Stunden am Stück läuft. Sie erzählt, sie habe schon sieben Mal am 100-Kilometer-Lauf in Biel teilgenommen, und zweimal bei der ebenso langen Ulmer Laufnacht. Und immer durchgehalten – natürlich mit Pausen, wo man mal die Beine in die Höhe strecke, wie sie berichtet.

Das will sie nun auch auf der Insel Reichenau beim ersten 24-Stunden-Lauf, den die Leichtathletik-Abteilung des örtlichen Sportvereins (SVR) mit Unterstützung von Freunden am Samstag und Sonntag, 12. und 13. Juni, veranstaltet.

SÜDKURIER-Casting mit fünf Gewinnern

Sandra Schüßler ist eine von rund 200 Teilnehmern. Und sie ist eine von fünf Gewinnern des Castings, das der SÜDKURIER als Medienpartner der Veranstaltung durchgeführt hat. Gewonnen haben dabei zudem Martina Trueb aus Radolfzell, Daniel Gantert aus Singen, Simon Kiefer aus Radolfzell und Holger Laufer aus Steißlingen.

Die Preise übergaben jüngst Daniel Bensberg, der Leiter Key Account See, und Johannes Ardelt, Key Account bei SK ONE. Zum „runden Startpaket“, wie es Bensberg nannte, gehören eine Getränkekiste von Randegger sowie Gutscheine der Sponsoren Lichtblick und Sport Gruner. „Uns war bewusst, dass wir kein riesengroßes Teilnehmerfeld ansprechen“, sagte Bensberg über das Casting. Zumal ja wegen Corona nicht sicher gewesen sei, dass der Lauf stattfinden könne. Aber es hätten doch mehr Leute mitgemacht, als erwartet.

„Einmal durch die Hölle und zurück“

Die fünf Gewinner verständigten sich schon bei der Preisvergabe, dass sie als Team starten wollen – mit noch einer weiteren Teilnehmerin, weil es keine Fünfer-, sondern Sechser-Teams gibt. Wobei nur Sandra Schüßler erklärte, sie wäre auf jeden Fall auf der Reichenau mitgelaufen, auch wenn sie den Start nicht gewonnen hätte. Holger Laufer und Daniel Gantert meinen dagegen: eher nicht.

„Das war eine spontane Idee“, so Gantert. „Marathon war bisher die Obergrenze. 24 Stunden ist noch mal eine andere Erfahrung – einmal durch die Hölle und zurück.“ Und Laufer stimmte ihm zu. Aber es sei einfach auch schön, dass so ein größeres Lauf-Event mal wieder stattfinde. Und ebenso wie die anderen Casting-Gewinner erklärten sie, durchaus ambitioniert an den Start zu gehen. Lauferfahrung bringen auf jeden Fall alle mit.

Von 15 bis 15 Uhr um die Hochwart

Über die Taktik, mit der sie diese große Aufgabe angehen wollen, müssten sie sich noch verständigen, erklärten die Gewinner. Christin Wintersig vom SVR sagte dazu, es bleibe jedem Team selbst überlassen, wie oft man sich abwechsle. Sie denke, dass es vielleicht am besten sei, wenn man jeweils nach einer Runde um die Hochwart, die circa 3,5 Kilometer lang ist, an den oder die nächste aus dem Team weitergibt. So gebe es für die einzelnen Teilnehmer keine zu lange Pausen. Aber Wintersig, die selbst an den Start gehen wird, betonte dabei: „Ich habe auch noch keine Erfahrungswerte.“

Denn für sie und den SVR ist der 24-Stunden-Lauf ja ebenfalls etwas Neues. Und wohl auch für die meisten der rund 200 Teilnehmer. Die meisten davon versuchen es in einem der etwa 20 Sechser-Teams. Hinzu kommen zehn Vierer-Teams, drei Duos, und immerhin 35 Teilnehmer versuchten es als Einzelstarter, so Wintersig. Los geht es am Samstag, 12. Juni, um 15 Uhr. Dann soll Tag und Nacht über die Feldwege rund um die Hochwart gelaufen werden, bis Sonntag um 15 Uhr. Start und Ziel ist bei der Gemüse-Genossenschaft an der Marktstraße.

Keine Testpflicht, aber Hygienekonzept

Die Idee für diesen Lauf seien ihr sowie Carmen Braun und Christian Weich vom Ausdauer-Sportclub Konstanz (ASC) vor rund einem Jahr gekommen, berichtet Wintersig. „Wir dachten, das wäre doch ganz cool, so was mal zu machen.“ Und so begann man mit dem SVR als Ausrichter die Organisation, die wegen Corona natürlich schwierig gewesen sei. „Wir wussten selbst nicht, was kommt“, so Wintersig. Deshalb habe man im Lockdown zunächst das Ganze im Groben geplant und die Feinheiten erst in den vergangenen Wochen, als klar gewesen sei, dass der Lauf möglich sein wird.

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So sei zum Beispiel zunächst keine Bewirtung vorgesehen gewesen, nun gebe es aber einen kleinen Getränkeverkauf. Jedenfalls werde der Lauf definitiv stattfinden, so Wintersig. „Ich glaube nicht, dass noch was Gravierendes passiert.“ Es gebe natürlich ein Hygienekonzept. Jedes Team habe seinen zugewiesenen Platz auf der großen Wiese beim Start und Ziel – mit Abständen. Eine Testpflicht gebe es aktuell nicht für die Teilnehmer, aber die Empfehlung.

Keine Nachmeldungen möglich

Als maximale Teilnehmerzahl seien 500 festgelegt worden, so Wintersig. Doch selbst im Sommer 2020, als Corona keine große Rolle spielte, habe man gedacht, dass es vielleicht 250 würden. Aber nun sei man auch mit 200 Teilnehmern zufrieden. Zumal die Corona-Verordnung bis vor kurzem ja nur Veranstaltungen mit maximal 250 Leuten zugelassen hätte und auch noch etliche Helfer im Einsatz seien.

Deshalb habe man in den vergangenen Wochen auch keine Werbung mehr gemacht. Nachmeldungen für den Lauf seien zudem keine mehr möglich. Nun wären nach aktuellem Stand auch Zuschauer erlaubt, allerdings natürlich auch nach den allgemein gültigen Corona-Regeln mit Abständen und nicht in großen Gruppen. Wobei Wintersig anmerkt: „Es geht ja um die Hochwart, Da kann man niemand verbieten, spazieren zu gehen.“

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Bürgermeister Wolfgang Zoll meint, es sei auf jeden Fall verantwortbar, den Lauf stattfinden zu lassen. „Da sehe ich kein Problem.“ Natürlich sei es gewagt gewesen, dass Ganze im Lockdown zu organisieren. Aber die Inzidenzen seien in den vergangenen Wochen ja schneller gesunken als gedacht. Zudem sei es ja so, dass sich die Leute auf der langen Strecke verteilen würden. Trotzdem müssten natürlich alle die AHA-Regeln einhalten.