Musik hat eine große Tradition auf der Insel Reichenau. Mehrere hundert Bürgerinnen und Bürger sind in diversen Vereinen und Chören aktiv. Und einige von diesen konnten bisher ihre Proben im unteren und oberen Musiksaal im Rathaus abhalten.

Sitzungszimmer statt Musiksaal

Doch nun gibt es ein Problem. Denn bei der Sanierung des Westflügels des Rathauses hat die Gemeinde den oberen Saal zu einem weiteren Sitzungszimmer umgestaltet. Dies beklagten in der jüngsten Gemeinderatssitzung in der Bürgerfragestunde Ines Happle-Lung und Benedikt Wehrle, der Vorsitzende der Bürgermusik. Letztere ist davon als großes Ensemble besonders betroffen – ebenso wie das Unterhaltungsorchester, zumal sich beide Kapellen ein Schlagzeug teilen, das bisher im Saal aufgebaut stehen bleiben konnte.

Wehrle sagte, er fände generell einen zentralen Ort für alle Musiker, auch für Unterricht, wichtig. Er habe hierfür jüngst 222 Unterschriften gesammelt. Matthias Graf (CDU) und Gabriel Henkes (Freie Liste Natur) monierten, dass die Musiker durch den Rathausumbau vor vollendete Tatsachen gestellt und sozusagen aus dem Rathaus verbannt würden.

Musikzentrum in der Grundschule?

Bürgermeister Wolfgang Zoll hatte das Thema ohnehin auf die Tagesordnung genommen – und zwar mit dem Vorschlag, Räume in der Walahfrid-Strabo-Schule in eine Art Musikzentrum umzuwandeln.

Die Idee kam von der Bürgermusik. Die Verwaltung unterstütze dies, so Zoll. Es wäre sinnvoll, wenn Musikunterricht und Musikproben dort abgehalten würden, wo auch der musikalische Schulunterricht stattfindet. So könnten auch Kinder frühzeitig an die musikalische Tradition herangeführt werden.

Anbau für einen Musiksaal?

Die Schule habe in den vergangenen Jahren während der Rathaus-Sanierung ja auch schon Räume für Musiker zur Verfügung gestellt. Eine weiterführende Idee sei es, die Räume für eine bessere Akustik aufzustocken oder einen Anbau für einen Saal zu errichten, so Zoll.

Doch dabei gebe es noch technische und vor allem finanzielle Fragen, weshalb er aktuell nicht ins Detail gehen wolle. „Es geht um das Thema, der Musik in der Schule eine Heimat zu geben“, betonte der Bürgermeister.

„Nicht auf Kosten der Schulqualität“

Schulleiterin Cordula Büchle meinte dazu, sie finde die Idee einer Musikschule zwar grundsätzlich gut, doch sie betonte: „Ja gerne, aber bitte nicht auf Kosten der Schulqualität.“ Denn wie der Bürgermeister erklärte, werde dabei vor allem an die Werk-, Physik- und Chemieräume im nordwestlichen, einstöckigen Schulanbau gedacht, die früher für die seit Jahren nicht mehr existierende Hauptschule genutzt wurden.

Doch Büchle erklärte, diese Räume brauche das Lehrerkollegium mittlerweile auch für die Grundschüler – etwa für im Bildungsplan vorgegebene Experimente, Werkarbeiten oder Digitalprojekte. Das könne man nicht in normalen Klassenzimmern machen.

Runder Tisch soll Lösung finden

Der Bürgermeister erklärte, man müsse natürlich eine vernünftige, gemeinsame Nutzung finden, wo vormittags Schulunterricht, nachmittags Musikunterricht und abends Proben möglich wären. „Es soll eine Win-win-Situation sein“, betonte Zoll.

Für die Suche nach einer möglichen Lösung schlug er einen runden Tisch mit Vertretern von Schule, Elternbeirat, Musikvereinen und Gemeindeverwaltung vor. Auf Anregung von Henkes sollen auch ein paar Gemeinderäte mit an den Tisch.

Die jüngste Diskussion im Gemeinderat lässt erahnen, dass eine Lösung wohl nicht so leicht zu finden sein wird. Büchle erklärte auf Nachfragen von Britta Sauer-Böhm (Freie Wähler) und Loreen Ratzek (FLN) zur Nutzung anderer Räume, dass zum einen die Küche in der Schule bereits vielfältig genutzt werde.

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Und Klassenzimmer seien sozusagen das Wohnzimmer einer Klasse. Da lasse man ungern fremde Leute rein. Wie Berndt Wagner (CDU) meinte aber auch sie, dass es eine gemeinsame Lösung geben könnte, auch wenn es nicht so leicht sei, sich Räume mit unterschiedlicher Nutzung zu teilen. Komplett räumen wolle sie die Zimmer eigentlich nicht.

Sauer-Böhm meinte, ein Musikzentrum könne nur in einem Anbau vernünftig entstehen oder wenn Räume komplett für Musik genutzt würden. Wagner sprach sich gegen eine solche „radikale Lösung“ aus – und für eine große bauliche Lösung fehle aktuell das Geld. Der Bürgermeister meinte zur Debatte: „Ich will das Ergebnis des runden Tisches nicht vorwegnehmen.“ Er sagte aber auch: „Das wird ein Ringen sein.“