Den ersten ihrer drei speziellen Inselfeiertage, das Markusfest, begehen die Gläubigen auf der Reichenau nach alter Tradition am 25. April. Doch wie schon im vorigen Jahr ist wegen der Corona-Pandemie einiges anders beim Fest des Inselpatrons, des Heiligen Markus. So soll der Festgottesdienst am Sonntag um 10.30 Uhr im Freien stattfinden, aber nicht wie im Vorjahr an den Inselfeiertagen im Klostergarten, sondern vor dem Münster, erklärt Inselseelsorger Pater Stephan Vorwerk. Aus dem einfachen Grund, weil dort die Statue des Evangelisten steht.

Daneben werde der Altar aufgebaut. Diesen habe der Ober-Ministrant Lukas Hafner eigens entworfen und aus Holz gebaut, freut sich der Pater. Und natürlich würden alle Hygienevorschriften und Abstandsregeln beachtet.

Erstmals seit 2019 wieder ein Hauptzelebrant

Zudem gebe es erstmals seit 2019 wieder einen hohen Gast als Hauptzelebrant im Gottesdienst. Es komme der Diözesanbischof Franz-Josef Overbeck aus Essen, so Pater Stephan. Für die Besucher werden der Münster- und der Rathausvorplatz so bestuhlt, dass es ausreichend Abstand gebe. Rund 230 Sitzplätze soll es geben, so Pater Stephan.

So war es 2020: In stiller Andacht verweilten die Gläubigen einzeln oder als Paar vor dem Markusschrein im Münster – hier Anna-Christine und Ulrich Vielhaberr.
So war es 2020: In stiller Andacht verweilten die Gläubigen einzeln oder als Paar vor dem Markusschrein im Münster – hier Anna-Christine und Ulrich Vielhaberr. | Bild: Zoch, Thomas

Er gehe davon aus, dass der Gottesdienst im Freien stattfinden könne, die Wettervorhersage sei entsprechend gut. Sollte das Wetter doch schlecht sein, dann gäbe es im Münster zwei gleichwertige Gottesdienste, um 9 und 10.30 Uhr, weil dann nur jeweils rund 100 Besucher daran teilnehmen können. Was natürlich weiter nicht möglich ist, ist die festliche Prozession der Gläubigen nach dem Gottesdienst.

In der Pandemie wird es auch musikalisch anders

Normalerweise werden solche besonderen Festgottesdienste von Münsterchor und -orchester mit der Aufführung einer klassischen Messe begleitet. Auch das gehe nicht, erklärt der Pater. „Aber es ist auch eine Chance, mal was ganz anderes zu machen“, meint er. Und so übernehme die Kirchenband unter der Leitung von Hartmut Spitzhüttl die Begleitung des Gottesdienstes mit neuen geistlichen Liedern. Zudem sollen einige wenige Bläser der Bürgermusik beim Ein- und Auszug spielen.

Auch Gregorianik-Schola ist dabei

„Wir sind froh und dankbar, dass wir diesen Inselfeiertag feiern können“, betont Pater Stephan. Die Eröffnung des Markusfests werde bereits am Samstag, 24. April, mit einem Vorabend-Gottesdienst um 19 Uhr gefeiert – ebenfalls vor dem Münster. Dabei werde die Gregorianik-Schola singen unter der Leitung von Pater Stephanos Petzolt sowie drei Paare aus der Münsterschola.

„Wir haben so viele Begabungen, die sich bei uns einbringen in der Gemeinde, worüber wir sehr froh sind“, betont Pater Stephan. So gebe es das ganze Jahr über Mitglieder und Paare aus der Münsterschola, die die Gottesdienste mitgestalten. „Das ist ganz toll“, freut sich der Pater über das Engagement. Dadurch gebe es eine Lebendigkeit in der Gemeinde auch in Pandemie-Zeiten.

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Der Diözesanbischof Franz-Josef Overbeck habe die Einladung auf die Reichenau gern angenommen, berichtet Pater Stephan. Sie würden sich beide schon lange kennen, weil der Bischof früher regelmäßig für stille Tage ins Kloster Gerleve gekommen sei, wo er selbst Mönch war.

„Er ist ein sehr offener, fortschrittlicher Mensch“, erklärt Pater Stephan. Der Bischof Franz-Josef sehe klar, dass es Veränderungen brauche in der Kirche. „In seiner Diözese geht er den Weg der Kirche ins Heute mit großem Engagement.“

Das Markusfest biete die Möglichkeit zur Besinnung auf das Wesentliche: auf den Mensch gewordenen Gott, meint Pater Stephan. „Markus war am nächsten dran am Herrn, an der Heilsgeschichte Christi.“ Er habe den Weg nachgezeichnet des charismatischen Wanderpredigers Jesus. Und dieses aufgeschriebene Wort mache Mut und Hoffnung. Pater Stephan: „Gott, der das Heil bringen möchte, ist ein gutes Zeichen in der Pandemie.“

Tradition aus der großen Klosterzeit

  • Das Markusfest am 25. April ist der erste von drei besonderen Inselfeiertagen auf der Reichenau, die alle auf die große Klosterzeit im frühen Mittelalter zurückgehen. Es folgen das Heilig-Blut-Fest am Montag nach Pfingsten und Mariä Himmelfahrt am 15. August. Dass diese Feste bis heute gefeiert werden, gehört als gelebte Tradition zum Unesco-Weltkulturerbe Klosterinsel Reichenau.
  • Die Reliquien des Evangelisten Markus kamen im Jahr 830 in die damals bedeutende Benediktiner-Abtei auf der Reichenau durch den Bischof Ratold von Verona (799-840), den Gründer von Radolfzell. Er hatte die Reliquien von einem Venezianer gekauft. Dabei wurde aber vereinbart, dass der Bischof den Namen des Heiligen zu seinen Lebzeiten nicht preisgeben durfte. Erst im Lauf der folgenden Jahrzehnte wurde der Name bekannt. Bischof Noting von Konstanz (919-934) führte den Gedenktag in der ganzen Diözese ein. So begann auf der Reichenau die öffentliche Verehrung des Evangelisten. Der dortige Abt Berno (1008-1048) ließ das Westwerk des Münsters bauen, das am 24. April 1048, am Abend vor dem Markusfest, als Markus-Basilika geweiht wurde. (toz)