Mit der schon länger geplanten Unterkunft für Flüchtlinge in Containerbauweise in der Nähe des Campingplatzes Sandseele muss die Gemeinde Reichenau nun zügig vorankommen. Bis Ende Juni sollte die Unterkunft fertig sein, sagte Bürgermeister Wolfgang Zoll in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats.

Denn dann weise das Landratsamt der Gemeinde weitere Flüchtlinge zu. Und die Gemeinde hinkt bei der Unterbringung sowieso hinterher. Doch zum Zeitdruck kommen nun auch noch Kostensteigerungen hinzu.

Gasheizung kostet mehr als veranschlagt

Zum einen wird die geplante Gasheizungsanlage nun rund 135.500 Euro kosten, der Planer hatte die Kosten auf 118.500 Euro geschätzt, berichtete Ortsbauamtsleiterin Bettina Grathwohl. Bei der Ausschreibung dieser Arbeiten habe nur eine Firma aus Konstanz ein Angebot in eben dieser Höhe gemacht.

Die Betriebe seien ausgelastet und die Kosten steigen stetig, begründete sie. Einige Räte monierten dennoch die Höhe der Kosten. „135.000 Euro ist Wahnsinn für so ein Projekt“, meinte Stefan Schmidt (Freie Wähler). Auch eine Pelletheizung wäre möglich gewesen, findet er. Und weiter: „Wir sind einfach zu spät dran.“ Nach längerer Diskussion stimmte der Gemeinderat den neuen Planungen beziehungsweise Kosten mehrheitlich zu.

Untergrund ist eine Müllkippe

Der andere Kostentreiber sei der Untergrund, so Grathwohl: „Das ist eine absolute Müllkippe.“ Bereits in geringer Tiefe lägen dort Gurkenschnüre, Asphaltbrocken und anderes mehr. Das hätten weitere Bodenuntersuchungen ergeben. Die geplanten Schraubfundamente müssten daher erheblich tiefer reichen, bis sie auf eine tragfähige Schicht treffen.

Die Gemeinde Reichenau plant auf dem Areal hinter dem Bagger eine Asylunterkunft.
Die Gemeinde Reichenau plant auf dem Areal hinter dem Bagger eine Asylunterkunft. | Bild: Zoch, Thomas

Die bereits beauftragte Firma habe dafür Mehrkosten in Höhe von 28.500 Euro errechnet und komme nun auf einen Preis von 51.710 Euro. Doch das wäre immer noch günstiger als ein Betonfundament, meinte Grathwohl. Und die Schraubfundamente ließen sich später wieder leichter entfernen.

Unterkunft soll spätestens in 15 Jahren weichen

Weil das Vorhaben im Landschaftsschutzgebiet liegt, hat die Gemeinde von der Baubehörde die Genehmigung nur mit der Auflage erhalten, dass die Unterkunft in spätestens 15 Jahren zurückgebaut wird.

Wenigstens wird die Metallkonstruktion, die zwischen Schraubfundamenten und Containern nötig ist, etwas günstiger als gedacht. Für 36.860 Euro erhielt für diese Schlosserarbeiten ein Betrieb von der Reichenau als günstigster Bieter den Zuschlag.

Hohe Gesamtkosten, dabei fehlen noch Ausgaben in der Berechnung

Die Gesamtkosten liegen aktuell nun bei rund 748.000 Euro, erklärte Grathwohl auf Nachfrage. Darin noch nicht enthalten seien das Honorar der Planer und die Leistungen des Bauhofs der Gemeinde. Im Haushalt seien bisher nur 550.000 Euro für die Maßnahme vorgesehen.

Heizung sorgte für Diskussionen

Bei der Heizung hatte der Planer ursprünglich eine elektrische Variante vorgesehen. Das hatte sich im April erledigt, weil die Stromversorgung an diesem Standort nicht ausreichend wäre und teure Tiefbauarbeiten nötig würden, so Grathwohl. Zudem hatte es aus dem Rat den Vorschlag gegeben, an die neue Heizung auch die anderen Gebäude dort – DRK-Heim und Obdachlosenunterkunft – anzuschließen.

Doch auch dies sei nicht wirtschaftlich, so Grathwohl, weil es dafür Fernleitungen bräuchte. Gabriel Henkes (Freie Liste Natur) bestand jedoch darauf, dass eine solche mögliche Erweiterung der Heizanlage geprüft werde – eventuell in einem extra Gebäude. Ortsbauamtsleiterin Grathwohl sagte – mit Blick auf den Zeitdruck – dazu bräuchte es einen weiteren Bauantrag.

Photovoltaik ist erneut Thema

Und wie schon in der Sitzung im April forderten einige Räte, dass auf das Dach der neuen Unterkunft eine Photovoltaikanlage kommen sollte. Ralf Blum (CDU) meinte zudem, es gebe auch in der Umgebung noch einige Gebäude und Schuppen, auf denen man eine solche Anlage anbringen könnte. Kerstin Sauer (FW) erinnerte daran, dass auf gemeindeeigenen Dächern ohnehin mehr PV-Anlagen installiert sein sollten.

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Zumindest für das Sandseele soll der Fachplaner dies nun prüfen, so der Bürgermeister, der aber auch betonte: „Photovoltaik ist kurzfristig nicht möglich. Wir brauchen jetzt eine Heizung dort.“ Die Umsetzung von PV-Anlagen könne man sich für 2023 vornehmen. Armin Okle (FW) meinte zudem, unabhängig von der Art der Heizung und der Stromversorgung: „Man muss Flüchtlingen auch mal erklären, wie Energiesparen geht.“