Wenn der Reichenauer Bürgermeister Wolfgang Zoll aufs neue Jahr blickt, kämpft er vor allem mit großen Unsicherheiten: „Es ist alles unter dem Vorbehalt, wie sich die Corona-Lage entwickelt.“ Zoll gibt sich aber optimistisch: „Eigentlich denke ich, dass wir mit Beginn des Sommers das Schlimmste überstanden haben.“ Vielleicht könne man bereits ab Pfingsten, also Ende Mai, in eine Normalität zurückfinden: „Ich habe die Hoffnung, dass es mit den Impfungen schneller geht“, sagt der Bürgermeister.

Verkehr

Das Dauerthema Verkehr wurde zuletzt wegen Corona im Gemeinderat aufgeschoben. Doch zu Beginn des neuen Jahres soll es angepackt werden, kündigt Zoll an. Am 11. Januar wolle er im Rat den Fragenkatalog für die Bürgerbeteiligung festlegen, die für die zweite Januarhälfte geplant ist. Voraussichtlich werden in einer Sitzung im Februar die Ergebnisse gemeinsam mit der Straßenverkehrsbehörde beraten. Im März sind dann noch Begehungen der neuralgischen Stellen mit Bürgern vorgesehen.

„Es sollen möglichst noch vor Saisonbeginn erste Maßnahmen umgesetzt werden.“ Es gehe vor allem um die Lenkung des Verkehrs und die Frage, wo Gäste und Anwohner parken dürfen. Es gebe drei Varianten: entweder die bestehenden Parkzonen ausdehnen, weitere einführen oder auf der ganzen Insel das Parken verbieten.

Weitere Themen des Verkehrs-Pakets sind: Stellplätze für Wohnmobile, die Fahrroute der öffentlichen Buslinie sowie die Reduktion des maximal erlaubten Tempos von 70 auf 50 sowie an manchen Stellen von 50 auf 30. Wie mehr Parkplätze für Reisebusse geschaffen werden könnten, werde aber sicher nicht im kommenden Jahr geklärt, so Zoll. „Im Moment geht es um die Lenkung des Verkehrs.“

Offen ist derzeit auch noch, wann und wie beim Bahnhof das Umfeld umgebaut wird. „Ich warte dringend auf die Pläne für die Planfeststellung. Das sollte fertig werden“, so Zoll. Die Abstimmung zwischen Neubauleitung, Straßenverkehrsbehörde und Gemeinde sei noch nicht abgeschlossen. Er wolle sich gleich nach den Feiertagen bei der Neubauleitung nach dem aktuellen Stand erkundigen.

Kultur und Tourismus

Auch hier wird sich einiges tun. So ist der Startschuss für das Großprojekt Neugestaltung des Klostergartens anvisiert. Im nächsten Jahr solle der erste Bauabschnitt angepackt werden, kündigt Zoll an. Es gehe um den Bereich des früheren Kreuzgangs, direkt nördlich des Münsters, wo seit zehn Jahren die Erdskulptur steht. Die Finanzierung ist nach Angaben Zolls gesichert.

Auch das Projekt Neugestaltung des Klostergartens will Bürgermeister Wolfgang Zoll 2021 angehen. Hierfür steht ein größerer Betrag im Haushalt bereit.
Auch das Projekt Neugestaltung des Klostergartens will Bürgermeister Wolfgang Zoll 2021 angehen. Hierfür steht ein größerer Betrag im Haushalt bereit. | Bild: Thomas Zoch

Die Hälfte der geschätzt 240.000 Euro Kosten seien durch einen Landeszuschuss aus der Tourismusförderung gedeckt. 100.000 Euro steuere die Gemeinde selbst bei und die restlichen 20.000 Euro gebe es von der Welterbe-Stiftung. Weitere Bauabschnitte seien der Kräutergarten Hortulus im Zentrum des Areals und der Obstgarten im Osten.

Das Land übernehme die Hälfte der rund eine Million Euro Kosten für das Gesamtprojekt, sagt Zoll. Er hofft zudem auf weitere Fördermittel des Bundes für deutsche Welterbestätten. Klar ist: Der neue Klostergarten muss bis 2024 fertig sein, dann feiert das Kloster nämlich sein 1300-jähriges Bestehen.

Dies gilt auch für ein weiteres Großprojekt: die Sanierung von Schloss Königsegg. Denn dort soll 2024 die große Landesausstellung zum Klosterjubiläum stattfinden. Die dringend nötige statische Sanierung solle im Frühjahr beginnen. „Das muss möglichst zeitnah gemacht werden“, betont Zoll. Dies gelte auch für die Klärung der Nutzung des Schlosses nach 2024.

Die Sanierung von Schloss Königsegg soll im Frühjahr beginnen.
Die Sanierung von Schloss Königsegg soll im Frühjahr beginnen. | Bild: Thomas Zoch

Im Erdgeschoss könnte Gastronomie einziehen, so der Vorschlag der Verwaltung, der Park mehr Freizeitqualität erhalten, etwa durch einen Spielplatz und einen Skulpturengarten. In den Obergeschossen seien Büros denkbar, im Nebengebäude die Tourist-Information, so Zoll. Bereits im Januar wolle er mit Gemeinderat, Planern und interessierten Bürgern über die künftige Nutzung diskutieren. „Ich habe die Hoffnung, dass das bis zum Sommer weitgehend geklärt ist.“

Die Neugestaltung des Kindlebild-Parkplatzes soll in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen sein. Der Bau der Toilettenanlage habe begonnen und solle Ende Februar fertig sein, so Zoll. Ein Ende der Restaurierung des Kapelleninnenraums werde für Mai erwartet. Der Umbau der gesamten Kreuzung sei vor einigen Jahren zwar mustergültig gelaufen, so der Bürgermeister, aber: „Was ich nicht gelungen finde, ist die Radwegführung über die Brücke. Der Weg ist einfach zu schmal.“ Bei der Neubauleitung fordere er deshalb immer wieder Nachbesserungen.

Zum Jahreswechsel übernimmt die Gemeinde den Betrieb des Museumsvereins und dessen Mitarbeiter. Für die Kunstfreunde aber ändere sich wenig: Im Abt-Waldo-Saal des Neubaus ist weiter die seit 2016 laufende Schau zu 1200 Jahre Münster zu sehen. Von den fünf geplanten Themenwegen soll nächstes Jahr der erste zum Thema Weinbau umgesetzt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die Gemeinde einen Zuschuss bekommt, der die Kosten in der Höhe von 20.000 Euro deckt.

Infrastruktur und Wohnen

Für das Neubaugebiet Lindenbühl-West werde 2021 als nächster Schritt der Bebauungsplan erarbeitet. Mit im Boot ist das Stuttgarter Büro Wick und Partner, das den städtebaulichen Wettbewerb gewonnen hat. Das Planverfahren werde sich das Jahr über hinziehen, sagt Wolfgang Zoll.

Er sagt aber auch: „Vieles Inhaltliche ist durch den Wettbewerb schon geklärt“. Der Bürgermeister hofft noch 2021 auf eine Grundsatzentscheidung, ob die Gemeinde zur Realisierung eine kommunale Wohnbaugesellschaft gründen soll. Die Frage sollte spätestens 2022 geklärt sein. Denn dann geht es um die Umlegung und Erschließung.

Im Gewerbegebiet Göldern-Ost will im März die Sparkasse Reichenau ihre neue Filiale eröffnen. „Das finde ich ein wichtiges Zeichen in einer Zeit, wo die Finanzwirtschaft in der Krise steckt“, so Zoll. Durch das Angebot werde die Infrastruktur auf dem Festland weiter verbessert. Dies hält der Bürgermeister auch mit Blick auf das Neubaugebiet für wichtig.

Das Gewerbegebiet Göldern-Ost füllt sich mit Betrieben und Gebäuden. Im Vordergrund die neue Filiale der Sparkasse, die im März 2021 eröffnen soll.
Das Gewerbegebiet Göldern-Ost füllt sich mit Betrieben und Gebäuden. Im Vordergrund die neue Filiale der Sparkasse, die im März 2021 eröffnen soll. | Bild: Thomas Zoch

Beim neuen Nabu-Zentrum sollen zudem eine neue Markthalle mit Reichenauer Produkten und ein Café entstehen. Bauherr ist die gemeinnützige Indigo-GmbH, die Arbeitsplätze für behinderte Menschen schaffen will. Sie habe nun den nötigen Kosten- und Finanzierungsplan vorgelegt und den Zuschussantrag bei der Aktion Mensch gestellt. „Da bin ich ganz guter Dinge, dass es gelingt“, sagt der Bürgermeister.

Das Gebiet Göldern werde sich 2021 weiter mit Betrieben füllen. Die Gemeinde rechnet mit mehr Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Die Betriebe auf dem Areal Göldern-Ost hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass die Gemeinde trotz Corona das Jahr 2020 finanziell gut abschließen konnte.

Den maroden Anlegesteg der Wasserschutzpolizei bei der Schiffslände will die Gemeinde Reichenau ersetzen.
Den maroden Anlegesteg der Wasserschutzpolizei bei der Schiffslände will die Gemeinde Reichenau ersetzen. | Bild: Thomas Zoch

Einige Investitionen der Gemeinde dienen der Sicherheit. So bekommt die Wasserschutzpolizei an der Lände einen neuen, teils aus Stahl gefertigten Anlegesteg. Beim Feuerwehrgerätehaus entstehen auf dem Platz eines Carports Betriebsräume der Feuerwehr. Beim Yachthafen werden die maroden Uferpalisaden erneuert. Dies alles sei fürs erste Quartal geplant, so der Bürgermeister.

Bildung und Soziales

Für die Walahfrid-Strabo-Schule gibt es die Idee, ein Musikzentrum zu integrieren. Noch im Januar will der Bürgermeister mit Vertretern des Gemeinderats, der Schule, Eltern und musiktreibenden Vereine darüber sprechen, wie die Räume genutzt werden sollen, was die Schule braucht und was die Musiker.

Es soll auch geklärt werden, was baulich und technisch gemacht werden müsste und was dies kosten würde. In der Schule sollen im nächsten Jahr mindestens zwei weitere Klassenzimmer renoviert werden. Und in der Grundschule Waldsiedlung bekomme die Schulsozialarbeit ein eigenes Büro, so Zoll.

Im Jahr 2021 will die Gemeinde Reichenau, wie vom Landkreis gefordert, 110 Flüchtlinge unterbringen. Dazu sollen beim DRK-Heim und im Gewerbegebiet Tellerhof Container für bis zu 20 Personen als Asylunterkünfte dienen.

Zwei Vereine wollen ihre in diesem Jahr abgesagten Jubiläumsfeiern nachholen. Der Sportverein plant nach Angaben des Bürgermeisters sein 100-Jahr-Fest am 19./20. Juni und der Yacht-Club sein 50-jähriges Bestehen am 25. September.