Auf den neuerlichen Lockdown im Gastgewerbe und von Freizeiteinrichtungen wegen Corona reagieren die Betroffenen am Untersee mit Besorgnis, Enttäuschung und Unverständnis. „Ich finde das sehr dramatisch“, sagt der Reichenauer Tourismuschef Karl Wehrle.

„Das ist natürlich für die Betriebe existenzgefährdend.“ Er hätte sich eine differenziertere Betrachtungsweise der Bundesregierung gewünscht, zum Beispiel, dass Speiselokale wenigstens zur Mittags- und Abendessenszeit öffnen dürfen.

„Ich finde das sehr dramatisch“

Zumal: „Die Hotspots waren nicht unbedingt Restaurants, Hotels und Ferienwohnungen.“ Diese hätten ja alle die nötigen Hygienekonzepte. „Dass man die nun zu 100 Prozent abstraft, ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Ihm sei auch kein einziger Fall bekannt, bei dem sich auf der Reichenau ein Gast infiziert habe.

Und es erschließe sich ihm nicht, warum das Risiko in einer Ferienwohnung oder einem Hotel größer sein soll als in den Wohnungen der Menschen. „Im Privatbereich gibt es größere Probleme“, meint Wehrle. Die Politik wolle vielleicht ein psychologisches Signal an die Bevölkerung senden: „Man muss sich jetzt an den Riemen reißen.“

Der SÜDKURIER hat sich bei einigen Betrieben umgehört: Wie bewerten sie die neue Situation und wie gehen sie mit ihr um?

„Ich bin wütend“

Restaurant Casa Mia: „Ich bin wütend und enttäuscht“, sagt Burim Veseli, der Wirt des Allensbacher Restaurants Casa Mia. Auch er glaubt nicht, dass die steigenden Infektionszahlen viel mit der Gastronomie zu tun haben. „Das ist die falsche Lösung.“ Er und seine Mitarbeiter hätten auf Hygiene und Abstand geachtet, damit sich die Gäste wohl und sicher fühlen können. „Wir haben unser Bestes gegeben“, betont Veseli.

„Das trifft uns sehr, sehr hart und bereitet mir wirklich Kopfschmerzen.“ Zumal er viel investiert habe für den neuen Wintergarten auf der Terrasse, damit dort auch in der kalten Jahreszeit Gäste sitzen können. Er hätte im November einige Geburtstags- und Weihnachtsfeiern gehabt. „Diese Einbußen können wir nicht mehr zurückholen.“

Hoffen auf gute Resonanz auf den Abholservice

Zumal es zwar im Sommer gut gelaufen sei, aber der Herbst bisher schon nicht so gut war. Seine Existenz sehe er zwar noch nicht bedroht, „aber es ist ein Kampf ums Überleben.“ Er hoffe, dass seine Gäste wieder so viel Solidarität zeigen wie im Frühjahr, als viele den Abholservice von Speisen nutzten, denn den werde er weiter bieten. Trotzdem müsse nun mehr als die Hälfte der sieben Angestellten in Kurzarbeit.

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Wild- und Freizeitpark: Mit Unverständnis reagiert auch Martina Schleith, die Leiterin des Wild- und Freizeitparks Bodanrück. Ebenso wie in der Gastronomie gebe es ein Hygienekonzept und man passe darauf auf, dass die Vorgaben eingehalten werden, damit die Infektionszahlen eben nicht steigen. „Die, die mithelfen, kann man doch nicht bestrafen“, meint Schleith.

„Ich komme mir da etwas vernachlässigt vor. Ich bin etwas angesäuert.“ In einem Freizeitpark wie ihrem hätten es auch Einschränkungen getan, findet Schleith – wie etwa Spielgeräte sperren oder Besucherzahl begrenzen. Zumal sich die Besucher im Freien bewegen und viele nicht verreisen würden. Sie habe mehr Jahreskarten verkauft als in den Vorjahren. „Wo sollen sich die Leute den Ausgleich holen, wenn nicht draußen im Freien?“, fragt Schleith.

„Wo sollen sich die Leute den Ausgleich holen, wenn nicht draußen im Freien?“

Ihre Existenz sehe sie aktuell nicht bedroht, aber: „Diese Lockdowns sollten nicht mehr werden.“ Zumal im Wildpark die Arbeit immer weitergehe, im Winter würden Bäume gepflanzt und vieles instand gesetzt. Deshalb könne sie auch niemanden in Kurzarbeit schicken. Wenigstens wäre ihre eigene Gastronomie ab November ohnehin in der Winterpause.

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Hotel-Restaurant Mohren: „Der Betrieb muss komplett auf Null runtergefahren werden. Von den Kosten her ist das eine Katastrophe“, erklärt Gabriela Ganter, die neben dem Hotel-Restaurant Mohren auf der Reichenau noch das Hotel 47 Grad in Konstanz betreibt. „Das trifft uns an der Substanz.“ Und die Mitarbeiter müssten alle in Kurzarbeit.

In die von der Regierung angekündigten Hilfen setze sie wenig Hoffnung. Was sie im Frühjahr erhalten habe, habe schon nicht ausgereicht, so Ganter. Vor allem, weil durch die Hygieneauflagen der personelle Aufwand viel größer gewesen sei.

Das Hotel-Restaurant Mohren auf der Reichenau sei im Sommer zwar gut ausgelastet gewesen, aber wegen der Auflagen sei der Umsatz geringer als üblich, erklärt Inhaberin Gabrielea Ganter (links, hier mit Rezeptionistin Lucie Weidig). Da gehe der erneute Lockdown umso mehr an die Substanz.
Das Hotel-Restaurant Mohren auf der Reichenau sei im Sommer zwar gut ausgelastet gewesen, aber wegen der Auflagen sei der Umsatz geringer als üblich, erklärt Inhaberin Gabrielea Ganter (links, hier mit Rezeptionistin Lucie Weidig). Da gehe der erneute Lockdown umso mehr an die Substanz. | Bild: Zoch, Thomas

Hotel und Restaurant seien im Sommer zwar gut ausgelastet, aber die Umsätze geringer gewesen als normal, weil es wegen der Abstandsregel weniger Sitzplätze gab. Und alle Hochzeitsfeiern seien ins nächste Jahr verlegt worden, erklärt Ganter. Zudem würden Gäste bereits Buchungen im Dezember wieder stornieren. Daher sei das finanzielle Polster ohnehin gering. „Jetzt ziehen sie uns wieder den Stecker. Ich kann das nicht nachvollziehen.“

Ihre Existenz sehe sie zwar noch nicht bedroht, aber: „Es ist nicht förderlich, wenn das Ersparte draufgeht“, so Ganter. „Es werden viele Betriebe kaputtgehen.“ Ob sie wie im Frühjahr wieder Essen zum Abholen anbiete, müsse sie noch überlegen. Das sei zwar gut nachgefragt gewesen, habe sich aber trotzdem nicht gerechnet.

„Für die Branche eine riesen Katastrophe„

Strandhotel Löchnehaus: „Für die Branche ist es eine riesen Katastrophe“, meint Martin Baumgärtel, der Chef des Reichenauer Strandhotels Löchnerhaus, vor allem nach dem Lockdown im Frühjahr. Ihn selbst betreffe es zwar nicht so sehr, weil es eine Winterpause gebe. Aber nach der Schließung im Frühling habe man die Saison verlängert bis 15.November. Einige im Frühjahr abgesagte Tagungen sollten nachgeholt werden. „Jetzt können wir diese Leute wieder nicht beherbergen und verköstigen“, bedauert Baumgärtel.

Wie in anderen Feriengebieten und vielen Betrieben sei wenigstens der Sommer optimal gelaufen, berichtet er. „Es war sensationell. Wir konnten es kaum schaffen. Wir hatten eine tolle Auslastung und konnten ein kleines Bisschen aufolen, was wir Anfang der Saison verloren haben.“ Aber dadurch habe das Personal auch eine hohe Belastung gehabt. „Es war teilweise grenzwertig“, so Baumgärtel.