Mit Vogelhäusle ist der Name gleichgeblieben, aber im Aussehen haben das alte und das neue nichts gemein. Das alte Vogelhäusle war das frühere Heim des Naturschutzbundes (Nabu), bis dieser im Jahr 2018 mit dem Bodenseezentrum beim Bahnhof Reichenau (Baden) eine zeitgemäße Unterkunft fand.

Alter Bau war marode

Allerdings blieb es noch der Treff- und Startpunkt für die jährlich rund 150 Führungen durch das Wollmatinger Ried. Nun musste der bereits durch das Hochwasser 1999 schwer angeschlagene Bau endgültig weichen. Die Entsorgungsbetriebe Konstanz (EBK) benötigten Platz für die Erweiterung ihrer Kläranläge. Sie stellten dem Nabu am südlichen Eck hinter dem Wertstoffhof einen neuen Platz zur Verfügung.

Darauf entstand eine Art Schutzhütte, die sich mit ihren Schautafeln als Sammelpunkt eignet, zumal das neue Vogelhäusle nur wenige Dutzend Meter vom Beginn des Gottlieber Weges steht, der den öffentlich nutzbaren Zugang zum Wollmatinger Ried bildet.

Teilnehmer der Vogelhäusle-Übergabe nutzen die Gelegenheit für einen Blick durch ein Beobachtungsfernrohr beziehungsweise Ferngläser ins Wollmatinger Ried.
Teilnehmer der Vogelhäusle-Übergabe nutzen die Gelegenheit für einen Blick durch ein Beobachtungsfernrohr beziehungsweise Ferngläser ins Wollmatinger Ried. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Thekla Walker (Grüne), Landes-Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, nutzte den Besuch der Radolfzeller Umwelttage für einen Abstecher nach Konstanz, um symbolisch ein blaues Band zu durchschneiden und das Vogelhäusle seiner Bestimmung zu übergeben. „Es ist wichtig, Naturerfahrungen und -erlebnisse zu vermitteln. Es ist auch wichtig, den Nachwuchs mit hochzuziehen“, betonte sie.

Denn, so führte sie weiter aus, geschätzt werde nur das, was erlebt und gelernt werde, und eine intakte Natur und Landschaft seien wichtig für eine gesunde Lebensgrundlage. „Aus Erfahrung weiß ich, das ist nicht so einfach, da ich aus der Natur- und Weltpädagogik komme und auch im Nabu in Stuttgart Projekte betreut habe, auch wenn sie nicht so hochwertig wie hier waren“, ergänzte Walker.

Land fördert das Zentrum

Ein weiteres Lob für den Nabu hatte die Ministerin parat: Das Bodenseezentrum am Reichenauer Bahnhof sei schon hervorragend etabliert. Und auf einen nicht unwesentlichen Teil der Nabu-Arbeit wies die Ministerin hin: Ohne die vielen Ehrenamtlichen sei so etwas nicht zu leisten. „Daher finde ich es wichtig, dass wir solche Projekte fördern“, bekräftigte sie. 20.000 Euro stammen von der Stiftung Naturschutzfonds, das beim Landes-Umweltministerium angesiedelt ist, wie Referentin Kathrin Marquart berichtete.

Eberhard Klein, Leiter des Nabu-Bodenseezentrums, schätzt die Gesamtkosten auf 23.000 Euro. „Aber es ist noch nicht alles abgerechnet“, fügte er an. Nele Steurer von den EBK erläuterte, dass das zur Verfügung gestellte Gelände frei gewesen, gut geeignet und zu einem symbolischen Preis langfristig vermietet worden sei.

„Ich schätze die Arbeit des Nabu schon seit vielen Jahren. Er leistet wertvolle Arbeit für den Erhalt der Natur. Ich bin seit Jahren Mitglied“, erklärte der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Jung auf SÜDKURIER-Nachfrage. „Der Nabu hat eine klare Linie zu Umwelt und Natur, aber nicht ideologisch, sondern pragmatisch. Das ist für unsere Regierung wichtig“, betonte er. Auf die Frage, welches Arbeitsgebiet ihm beim Nabu gefallen würde, sofern er Zeit dafür hätte, musste er passen.

Die Frage reichte er an Thomas Körner, Geschäftsführer des Bezirksverbands Nabu Donau-Bodensee, weiter. „Du könntest uns bei der Windkraft im Hegau unterstützen. Da bin ich ein einsamer Streiter“, erwiderte er. Und weiter: „Die Widerstände sind immer die gleichen. Da kommen vor allem Bürgerinitiativen mit immer den gleichen scheinheiligen Argumenten, aber nicht von unseren Leuten“.

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Grünen-Landtagsabgeordnete Nese Erikli hatte es da bei der letztgenannten Frage etwas einfacher. Als langjähriges Nabu-Mitglied habe sie schon mehrfach bei der Riedpflege auf der Insel Reichenau mitgeholfen. „Diese körperliche Arbeit macht Spaß. In meiner Heimat und auf der Reichenau habe ich auch schon bei der Weinlese mitgeholfen“, erzählte sie.

Ann-Veruschka Jurisch, Konstanzer FDP-Ortsvorsitzende und neue Bundestagsabgeordnete, sieht das Wollmatinger Ried als „unglaublichen Schatz“. Sie habe den Eindruck, dass dieses so etwas wie ein bestgehütetes Geheimnis sei, sprich viel zu wenigen Menschen bekannt und wertgeschätzt. Eine mit der FPD geplante Führung sei auch wegen Corona noch nicht zustande gekommen. „Ich muss mich mal selbst für eine Führung anmelden. Unfassbar, wie schön das hier ist“, schwärmte sie. Der Nabu vermittle Umweltbildung, die sie als wichtig erachte und voll unterstütze, ergänzte sie.