Das hatte es auf der Insel Reichenau zuletzt an Mariä Himmelfahrt, dem 15. August 2019 gegeben: Die Gläubigen konnten das Markusfest gestern nach den Corona-Einschränkungen wieder nach alter Tradition wie früher feiern: mit einem festlichen Gottesdienst, einem Pontifikalamt im Münster und einer Prozession mit mehreren hundert Gläubigen in Mittelzell.

Vor zwei Jahren war zunächst gar nichts und dann nur Gottesdienste im Freien mit Abstand möglich. Das Markusfest ist auf der Reichenau einer von drei besonderen Inselfeiertagen, die auf die große Klosterzeit im Mittelalter zurückgehen. Im Mittelpunkt steht dabei der Evangelist und Heilige Markus, von dem es eine Reliquie auf der Reichenau gibt.

Nicht alle tragen eine Maske

Viele Besucher waren denn auch zum Gottesdienst gekommen, nur wenige davon mit Schutzmaske. Allerdings war das Münster noch nicht so gut gefüllt wie vor Corona.

Der Festprediger und Hauptzelebrant beim Pontifikalamt war der Abt Barnabas Bögle von der Benediktinerabtei Ettal. Die Markus-Reliquie, die im Jahr 830 durch den Bischof Ratold von Verona in das Benediktiner-Kloster auf die Reichenau kam, sei damals ein Symbol für die Heilsbotschaft des Evangeliums für die Mönche gewesen, so der Abt.

Der Abt Barnabas Bögle war Hauptzelebrant im Gottesdienst.
Der Abt Barnabas Bögle war Hauptzelebrant im Gottesdienst. | Bild: Zoch, Thomas

Heute sei sie das für alle Gläubigen. Und dieses Evangelium, das Markus geschrieben habe, sei eigentlich die wichtigste Reliquie. In diesem Jesus-Buch stehe das Konzept, mit dem das Leben gelingen könne. Zum einen sei Jesus Christus der Heiland für uns alle, der Auferstandene.

Zum anderen bedeute das Leben Jesu, dass das Reich Gottes angebrochen sei. Die Zeit sei erfüllt, und die Menschen sollten umkehren, an das Evangelium als Lebenskonzept glauben und ihr Denken ändern. Sie sollten nicht auf sich selbst schauen, sondern auf andere und auf Christus, der im Mittelpunkt stehe.

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Denn Jesus habe oft Mahl gehalten mit Niedrigen, Armen und Ungeliebten. Und dies sei ein Zeichen der Zusammengehörigkeit und des Füreinander-da-seins. Im Moment der Messefeier sei Jesus gegenwärtig, ebenso wie der Glaube an die gute Nachricht, dass es Gott gebe und er es gut mit uns meine. Die Gläubigen sollten auf Christus schauen, so wie es Markus mit seinem Evangelium getan habe, so der Abt.

Auf dem Altar brennt eine Friedenskerze

Eine Besonderheit im Rahmen des Gottesdienstes war es, dass Inselseelsorger Pater Stephan Vorwerk die Fürbitten an den Heiligen Geist am Markusaltar vortrug. Er bat dabei für Freiheit und Gerechtigkeit und für die Opfer des Krieges. Der Heilige Geist möge den Menschen in der Ukraine Mut geben und den Politikern Vernunft im Handeln. Beim Markusaltar habe eine Friedenskerze gebrannt, erklärte Pater Stephan im Anschluss – als Zeichen für die Menschen aus der Ukraine, die in der Gemeinde leben.

Nach den Feierlichkeiten gab es einen Empfang im Kapitelsaal – im Bild (von links): Bürgermeister Wolfgang Zoll, Abt Barnabas ...
Nach den Feierlichkeiten gab es einen Empfang im Kapitelsaal – im Bild (von links): Bürgermeister Wolfgang Zoll, Abt Barnabas Bögle und Pater Stephan Vorwerk. | Bild: Zoch, Thomas

Diese würden regelmäßig den Gottesdienst besuchen. „Das Einzige, was wir machen können, ist beten“, so Pater Stephan. Bürgermeister Wolfgang Zoll erklärte hierzu: „Es ist gelungen, ein Stück Heimat zu schaffen für die Menschen, die zu uns gekommen sind.“

Ein Feiertag auf der Insel – mit allen seinen Traditionen

Und es sei sehr schön gewesen, dass nach drei Jahren wieder einmal ein Inselfeiertag mit all seinen Farben und Traditionen, die die Reichenau auszeichneten, begangen werden konnte. Dazu gehörte auch, dass Münsterchor und –orchester den Gottesdienst wieder mitgestalten konnten. Unter der Leitung von Hartmut Spitzhüttl boten sie eine sehr gelungene Aufführung von Mozarts Missa brevis in C.

Der Abschluss des Gottesdienstes nach der Prozession wurde auf dem Münsteplatz bei der Markus-Statue gefeiert.
Der Abschluss des Gottesdienstes nach der Prozession wurde auf dem Münsteplatz bei der Markus-Statue gefeiert. | Bild: Zoch, Thomas

Abt Barnabas erklärte, es sei auch für ihn als Benediktiner etwas Besonderes gewesen, an einem Inselfeiertag zum ersten Mal der Liturgie vorzustehen, nachdem er schon öfter als Gast auf der Reichenau gewesen sei.

„Es ist ein Stück weit ein Nachhausekommen. Für mich war das ganze Fest erhebend. Ich bin selbst als Wallfahrer gekommen und als Beter.“ Denn die Reichenau habe mit ihrer Vergangenheit eine große Bedeutung für die ganze benediktinische Welt.

Etwas besonderes auch für Pfarrer aus Nachbargemeinde

Und etwas Besonderes war der Tag auch für Pfarrer Marcus Maria Gut von der Seelsorgeeinheit Wollmatingen-Allensbach. Seit Advent 2019 im Amt, konnte er zum ersten Mal als Pfarrer aus der Nachbarschaft die Liturgie beim Markusfest, dem Fest seines Namenspatrons, mitfeiern.

Er sei früher schon oft hier als Besucher gewesen, um beim Markusschrein zu stehen. Und zur jetzigen Prozession meinte er: „Es war für mich ganz bewegend, hinter meinem Vorbild zu gehen – in seinen Fußspuren sozusagen.“

Bürgermeister Wolfgang Zoll (links) und der neue Kommandant Klaus Deggelmann (rechts) ehrten für langjährige Treue und Dienste (von ...
Bürgermeister Wolfgang Zoll (links) und der neue Kommandant Klaus Deggelmann (rechts) ehrten für langjährige Treue und Dienste (von links) Hiltrud Müller von der Trachtengruppe sowie von der Bürgerwehr Karl-Heinz Keller und Klaus Gasser. | Bild: Zoch, Thomas

Denn bei der Prozession wurde wie üblich eine Kopie des Markusschreins unter dem Baldachin getragen, gefolgt von den Geistlichen und den Gläubigen. Mitgetragen wurden ferner die anderen Reliquienschreine aus der Münsterschatzkammer. Begleitet wurde die Prozession von der Trachtengruppe und der historischen Bürgerwehr.