Ein großes Jubiläum wirft auf der Insel Reichenau seine Schatten voraus. Im Jahr 2024 wird es 1300 Jahre her sein, dass der Wanderbischof Pirmin hier das vor allem vom 9. bis zum 11. Jahrhundert bedeutende Benediktiner-Kloster gegründet hat. Die Abtei prägte das mittelalterliche Europa in religiöser, aber auch wissenschaftlichlicher, künstlerischer und herrschaftlichlicher Hinsicht. Bürgermeister Wolfgang Zoll sagte: Um das 1300-Jährige zu feiern, gebe es in der Gemeinde schon diverse Ideen – wie Festgottesdienste, Vorträge oder die Wiederaufnahme des Theaterstückes aus dem Jahr 2014 über den berühmten Mönch, das Universalgenie Hermann der Lahme. Zudem plant das Badische Landesmuseum in Karlsruhe – ähnlich wie zuletzt 2014 zum Konstanzer Konzil – eine große Sonderausstellung zum Reichenauer Klosterjubiläum.

Das bisherige Kräutergärtlein nach Walahfrid Strabos Hortulus soll an anderer Stelle neu angelegt werden.
Das bisherige Kräutergärtlein nach Walahfrid Strabos Hortulus soll an anderer Stelle neu angelegt werden. | Bild: Zoch, Thomas

Die Kosten für die Feiern

Landesmuseums-Direktor Professor Eckart Köhne stellte das Projekt nun im Gemeinderat und Pfarrgemeindrat vor – und erhielt von beiden Gremien einhellig Zustimmung und Unterstützung. Dies sei Voraussetzung, um beim Land die nötigen finanziellen Mittel beantragen zu können, sagte Köhne. Dabei geht es um einen Kostenrahmen von 2 bis 2,5 Millionen Euro. Wobei Köhne betonte: „Kaum ein Thema ist so geeignet wie dieses große, runde Jubiläum.“ Und: „Wir sind der Meinung, diese Ausstellung ist eine große Chance.“

Hier sollen Veranstaltungen sein

Die Veranstaltungsorte: Anders als sonst bei großen Sonderausstellungen im Land soll jene auf der Reichenau dezentral an mehreren Orten zu verschiedenen Themen stattfinden: Grund: Es fehle an einem zentral gelegenen großen Raum. Beim Unesco-Welterbe Klosterinsel Reichenau gehe es auch um die gewachsene Kulturlandschaft. „Die Hauptexponate sind ja hier“, sagte Köhne, die Insel selbst und die Bauwerke, vor allem die drei romanischen Kirchen.

Eckart Köhne, Direktor des Badischen Landesmuseums: „Kaum ein Thema ist so geeignet wie dieses große, runde Jubiläum. Wir sind der Meinung, diese Ausstellung ist eine große Chance.“
Eckart Köhne, Direktor des Badischen Landesmuseums: „Kaum ein Thema ist so geeignet wie dieses große, runde Jubiläum. Wir sind der Meinung, diese Ausstellung ist eine große Chance.“ | Bild: Zoch, Thomas

Es sollen Leihgaben zu sehen sein

Geplant sei, die hier vor rund 1000 Jahren entstandenen Originalhandschriften und Buchmalerei, die zum Unsesco-Weltdokumentenerbe zählen und in großen Bibliotheken und Museen in ganz Europa verteilt sind, als Leihgaben zu zeigen. Diese könne man allerdings nur jeweils ein paar Wochen lang ausleihen und die Exponante müssten mehrmals ausgetauscht werden, weil die Sonderausstellung insgesamt rund sechs Monate dauern soll – etwa von April bis Oktober. Als Ort für diese kostbarsten Exponate komme wegen der nötigen klimatischen Bedingungen und der Sicherheit nur der Neubau des Museums in Mittelzell in Frage.

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Für die Gemeinde „kostenneutral“

Es gebe allerdings, abgesehen von der Zustimmung des Landes, noch einige Unklarheiten, erklärten Köhne und Zoll im Gemeinderat. Der Bürgermeister betonte: „Die Ausstellung selbst ist für uns kostenneutral.“ Aber: „Es kommen Aufgaben auf die Gemeinde zu.“ Daher sei es auch wichtig, möglichst viele Bürger mitzunehmen. Denn zum einen brauche es für eine umfassende Einführung zur Entwicklung des Klosters und den wichtigsten Persönlichkeiten einen größeren Raum mit circa 600 bis 700 Quadratmeter Fläche. Und der sei bisher noch nicht gefunden auf der Insel. Wenn es nichts gäbe, müsste dieser einführende Teil der Ausstellung andernorts sein.

Der Neubau beim Museum in Mittelzell bietet die Voraussetzungen, um die wertvolle Buchmalerei, die vor rund 1000 Jahren auf der Reichenau entstand, im Original zu zeigen. Im Vordergrund die Sonnenuhr, gebaut nach den Berechnungen des Mönchs Hermann der Lahme.
Der Neubau beim Museum in Mittelzell bietet die Voraussetzungen, um die wertvolle Buchmalerei, die vor rund 1000 Jahren auf der Reichenau entstand, im Original zu zeigen. Im Vordergrund die Sonnenuhr, gebaut nach den Berechnungen des Mönchs Hermann der Lahme. | Bild: Zoch, Thomas

Wie soll der Verkehr bloß rollen?

Zum anderen gehe es darum, das zu erwartende erhöhte Verkehrsaufkommen durch die Besucher der Ausstellung mit einem Verkehrskonzept in den Griff zu bekommen, betonte Zoll. Es sollte das Ziel sein, dass möglichst viele Gäste bereits auf dem Festland parken. Ein Shuttle-Service könnte die Besucher dann auf die Insel bringen zu den diversen Ausstellungsstätten. Auf Nachfrage sagte Köhne, dass bei der Konzil-Ausstellung in Konstanz rund 140 000 Tickets verkauft worden seien. Er könne sich vorstellen, dass es auf der Reichenau sogar noch mehr sein könnten.

Viele Besucher übernachten und geben Geld aus

Eine Studie zu einer Sonderausstellung in Trier, die er organiserte, habe gezeigt, dass viele der Besucher dort übernachteten und Geld ausgaben. Zur Finanzierung des Verkehrskonzepts ließe sich pro Ticket ein Euro aufschlagen. Es seien auch nachhaltige Effekte möglich. „Wir wollen das für die Insel entwickeln, damit Sie sich im Projekt wieder finden“, betonte Köhne. Kultur- und Tourismuschef Karl Wehrle merkte zudem an, dass dies nicht 140 000 zusätzliche Gäste bedeuten dürfte, weil viele davon sowieso kämen.

Die bedeutenden Wandmalereien in der St. Georgs-Kirche sind Teil der geplanten großen Sonderausstellung zum Kloster-Jubiläum.
Die bedeutenden Wandmalereien in der St. Georgs-Kirche sind Teil der geplanten großen Sonderausstellung zum Kloster-Jubiläum. | Bild: Zoch, Thomas

Wandmalereien sind hoch geschätzt

Laut bisherigem Konzept sollen bei der geplanten Ausstellung zum einen auch bestehende Kostbarkeiten eingebunden werden wie die bedeutenden Wandmalereien in der St. Georgs-Kirche oder die Schatzkammer im Münster. Eine Ausstellungsstation wäre zudem der Klostergarten, so er bis dahin neu gestaltet ist. Möglich wäre zudem eine digitale Station zur Kulturlandschaft und eine spirituelle bei der heutigen Benediktiner-Cella in Niederzell, so Köhne.