Ein Museum ist ein Haus, das Geschichte vermittelt. Das Museum Reichenau hat mittlerweile selbst eine recht lange Geschichte. Vor 40 Jahren, am 27. Juni 1982, wurde es damals als Heimatmuseum im alten Rathaus an der Ergat eröffnet – als Haus, das die bürgerliche Geschichte der Insel präsentiert und ausdrücklich nicht die große Klosterzeit.

Der damalige Bürgermeister Eduard Reisbeck und ein ehrenamtlicher Förderkreis hatten dies vorangetrieben und die Sammlung zusammengestellt.

Doch dass dann der Museumsverein, der aus dem Förderkreis 1982 hervorging, fast vier Jahrzehnte das Museum betreiben, gestalten und prägen sollte, sei so nicht geplant gewesen, berichten der Vorsitzende Karl Wehrle und Geschäftsführer Gert Zang, die seit damals im Amt sind.

Verein kann nicht mehr alles allein übernehmen

Den laufenden Betrieb hat der Verein zum 1. Januar 2021 an die Gemeinde übergeben. „Wir sind der Meinung, dass wir das nicht mehr leisten können, was erwartet wird von einem Museum und der didaktischen Aufarbeitung“, erklärt Wehrle. Dafür habe der Verein nicht mehr die personellen und finanziellen Kapazitäten.

Allein aus Altersgründen sei das große Engagement von früher nicht mehr leistbar. Hinzu kämen gestiegene Personalkosten und Investitionen in die Einrichtung.

Für ein solch waghalsiges Unternehmen hätte der Museumsverein heute nicht mehr das Personal. 2008 wurde vom Dachboden der ...
Für ein solch waghalsiges Unternehmen hätte der Museumsverein heute nicht mehr das Personal. 2008 wurde vom Dachboden der Münster-Vorhalle ein großes Gemälde von Karl III. geholt. | Bild: Museumsverein

Die letzte große Sonderausstellung gestaltete der Verein im Jahr 2016 zum Jubiläum 1200 Jahre Münster im Abt-Waldo-Saal im Obergeschoss des Museumneubaus. Der wurde 2007 eröffnet. Die Ausstellung ist bis heute zu sehen. Und so stellt sich zum runden Jahrestag für dieses Haus die Frage nach der Zukunft.

Verein soll Partner bleiben

„Der Verein wird weiter Partner sein und den Sammlungsbestand pflegen und betreuen“, so Wehrle. Diese Sammlung habe der Verein in den 40 Jahren selbst zusammengetragen, gekauft, geerbt oder geschenkt bekommen. Und sie gehöre auch weiter dem Verein. Zang erklärt, reine Gemäldeausstellungen könne der Verein schon noch organisieren.

Als Beitrag zum Gemeindejubiläum 1300 Jahre Reichenau im Jahr 2024 plane man eine Ausstellung zu Reichenauer Künstlern wie Oswald Pötzelberger, Heinrich Lotter und Bernhard Schneider-Blumberg. Von Letzterem habe der Verein jüngst den gesamten künstlerischen Nachlass geerbt, berichtet Wehrle. Damit wolle der Verein 2023 eine Sonderausstellung machen.

Wie es mit dem Museum weitergeht

Doch größere Sonderausstellungen zu einem geschichtlichen Thema, von denen der Verein im Lauf der Zeit rund 30 Stück gestaltet hat, seien künftig Aufgabe der Gemeinde, so Wehrle. Wobei die Gemeinde so etwas mit dem vorhandenen Personal auch nicht leisten könne, ist er überzeugt. Das sieht Bürgermeister Wolfgang Zoll ähnlich.

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Zunächst einmal solle das Museum in den Eigenbetrieb für Tourismus, Kultur und Marketing übergehen, dessen Gründung zum 1. Januar 2023 geplant sei. „Dann muss man sich über die personelle Ausstattung unterhalten“, so Zoll. Denkbar wäre auch, für Sonderausstellungen zeitlich befristet jemand Externen zu beschäftigen.

Doch das Thema Sonderausstellungen stehe erst nach dem Gemeindejubiläum an. 2024 sollen im Rahmen der großen Landesausstellung im Museumsneubau einige wertvolle Originale der Reichenauer Buchmalerei aus dem Mittelalter gezeigt werden.

Ein Rückblick

Dass diese Buchschätze auf großes Interesse stoßen, habe sich bereits in den 1990er-Jahren gezeigt, erinnern sich Wehrle und Zang. Damals habe der Verein die Sonderausstellung „Strahlendes Mittelalter“ gestaltet.

Und die Besucherzahl im Museum sei mit rund 15.000 in diesem Jahr so hoch wie nie gewesen. In normalen Jahren seien es 6000 bis 7000 Besucher. Anfangs sei nur stundenweise geöffnet gewesen. Zang merkt an: „Da saßen noch ehrenamtliche Mitglieder an der Kasse.“

Nur Neues lockt neue Besucher

Bereits im Jahr 1983 gestaltete der Verein die ersten drei Sonderausstellungen, so Zang und Wehrle: zum Osterbrauchtum, zum Reichenau-Künstler Heinrich Lotter und dem St. Galler Klosterplan. Viele Sonderausstellungen folgten – so etwa 1992 die mit dem Titel „Sommerfrische“ zur Entwicklung des Fremdenverkehrs am Bodensee, und in den vergangenen 15 Jahren auch einige zur Klostergeschichte.

In den 2007 eröffneten Museumsgebäuden – hier das in Mittelzell – wird die Klostergeschichte aufbereitet. Im Vordergrund auf ...
In den 2007 eröffneten Museumsgebäuden – hier das in Mittelzell – wird die Klostergeschichte aufbereitet. Im Vordergrund auf dem Museumsplatz eine vor einigen Jahren gebaute und aufgestellte Sonnenuhr nach den Plänen des genialen Mönchs Hermann der Lahme aus dem elften Jahrhundert. | Bild: Zoch, Thomas

Ein deutlicher Einschnitt sei die Ernennung zum Welterbe Ende 2000 gewesen, so Wehrle. Denn es dauerte, bis mit Mitteln der Landesstiftung und der Gemeinde die drei neuen Museumsbauten gestaltet waren, in denen die Klostergeschichte in einer Dauerausstellung gezeigt wird.

Auch diese Dauerausstellung bräuchte mal eine Erneuerung, meint Wehrle. „Neue Besucherschichten wird man nur erreichen, wenn es was Neues gibt. Das Museum hat das Potenzial, Gäste zu gewinnen.“