Sie stecken zwischen Hoffen und Bangen: Die Planer von Veranstaltungen auf der Insel Reichenau warten auf Signale des Landes, wie es in der Krise um das Coronavirus weitergehen soll mit Konzerten, Kulturveranstaltungen und festlichen Anlässen.

Bis 15. Juni alles verboten

Die Landesregierung hatte per Verordnung bis 15. Juni alle Veranstaltungen verboten. Doch nach Ostern soll es eine Neubewertung der Lage geben. In Zusammenarbeit mit der Bundesregierung werde das Land besprechen, wie es ab dem 20. April weitergehe, sagt der Reichenauer Kulturchef Karl Wehrle: „Wir warten ab, wie die Entscheidung der Regierung ist.“

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Vielleicht seien dann wenigstens kleinere Veranstaltungen wieder erlaubt. „Ich denke, der Mai ist noch gefährdet mit jeglichen Aktivitäten. Es ist ja auch eine Unsicherheit bei den Leuten. Wollen die wirklich wieder nahen Kontakt, wenn die Regierung es zulassen würde?“ So sieht der Reichenauer Kalender derzeit aus:

  • Der Gemeinderat hat seine nächste Sitzung am 20. April. Bürgermeister Wolfgang Zoll geht davon aus, an diesem Termin festhalten zu können. Die Versammlung werde allerdings in der Aula der Walahfrid-Strabo-Schule verlegt, um die Sicherheitsabstände gewährleisten zu können.
  • Der Inselfeiertag Markusfest am 25. April wird höchstens im kleinen Kreis gefeiert. Das werde kurzfristig entschieden, so Pater Stephan Vorwerk. Er, Zoll und Wehrle wollen sich in der Woche nach Ostern treffen, um über die Konsequenzen der Regierungsentscheidung zu sprechen. Dabei werde es auch um den höchsten Inselfeiertag, das Heilig-Blut-Fest am 8. Juni gehen, so Wehrle, aber: „Wir vermuten, dass auch dieses Fest nicht in der normalen Form stattfinden kann.“
  • Das Augia-Konzert mit dem Organisten Paolo Orenis am 22. März fiel aus, das mit dem Akkordeonisten Alexandre Bytchkov am 9. Mai ist nach Angaben Wehrles abgesagt. Doch der Organisator der Augia-Reihe, Alexander Bürkle, sei dabei, Ersatztermine für die beiden Konzerte im Herbst zu finden. Das Konzert am 16. Mai habe man bisher noch nicht abgesagt, erklärt Wehrle, weil dort Bürkle selbst Orgel spiele. „Das kann man kurzfristig entscheiden, weil keine Künstler anreisen müssen.“
  • Der Flohmarkt an der Ergat kann nicht wie geplant am 9. Mai stattfinden. „Alle bedauern das“, sagt Thomas Sirock vom FSV Reichenau-Waldsiedlung. Rund 20 Standbetreiber hätten sich schon gleich nach der Fasnacht angemeldet. Doch, so Sirock: „Wir versuchen noch einen Ersatztermin im Herbst zu finden.“ Allerdings unter dem Vorbehalt, dass dann wieder Veranstaltungen mit einer größeren Anzahl an Personen zulässig seien – und dass sich ein Termin finden lasse, so Sirock. Wenn viele andere Veranstalter ihre Anlässe nachholen möchten, könnte es eng werden, meint er. Ein Ausfall wäre für den Verein ein finanzieller Verlust. „Das ist eine unserer Haupteinnahmequellen.“
  • Das Early Bird auf der Wiese am Yachthafen fällt am 23. Mai ebenso aus. Doch Patrick Eiermann erklärt, er und die anderen jungen, ehrenamtlichen Organisatoren des Open Airs mit freiem Eintritt seien am überlegen, im (Spät-)Sommer das Konzert nachzuholen – falls dann wieder so etwas erlaubt sein sollte. Es müsste aber spätestens im September sein, wegen der Wetterunsicherheit. Es habe bereits Verträge mit Bands und Dienstleistern gegeben, doch diese seien sehr kulant gewesen und hätten die Verträge wieder aufgelöst, berichtet Eiermann. „Daher stehen wir finanziell ganz gut da mit relativ wenig fixen Kosten.“ Man habe zwar schon Zeit für Organisation investiert, aber die Lage sei längst nicht so dramatisch wie für professionelle Veranstalter.
  • Die Psycho-Band wollte am 12. Juni ihr jährliches Konzert im Park von Schloss Königsegg veranstalten. Dirigent Benedikt Wehrle erklärt: „Das wird ziemlich sicher nicht stattfinden“. Zumal auch die Band bis Mitte Juni nicht proben dürfe. Es gebe aber die Überlegung, im Herbst noch auf der Reichenau ein Konzert zu veranstalten. Ähnlich sei es bei der Bürgermusik, bei der Benedikt Wehrle der Vorsitzende ist. Das Frühjahrskonzert sei schon abgesagt, der Auftritt beim Heilig-Blut-Fest fraglich. Eventuell gebe man zu einem späteren Zeitpunkt noch ein kleineres Konzert, was auch kurzfristig möglich wäre.
  • Der Sportverein Reichenau wollte am 27./28. Juni sein 100-jähriges Bestehen feiern. „Das haben wir schon abgesagt“, so der Vorsitzende Manfred Grassl. Zum einen habe man mit bis zu 500 Gästen gerechnet. „Das ist sicher nicht erlaubt“, meint er. Zum anderen hätten sich der Vorstand und die Helfer im Vorfeld noch häufiger treffen müssen. Es sei jetzt geplant, das Jubiläum voraussichtlich am 19./20. Juni 2021 zu feiern.
  • Noch offen sei es bei der Inselklassik (10. Juli), dem Inseltheater im Glashaus (15. bis 26. Juli) sowie beim Wein- und Fischerfest (31. Juli bis 2. August), ob diese stattfinden können, sagt Karl Wehrle. Beim Theater müsse man das spätestens Ende April entscheiden, weil das Ensemble proben müsse, bei der Klassik und dem Fest aus organisatorischen Gründen spätestens Mitte Mai, meint Wehrle. Ein Nachholen dieser Veranstaltungen zu einem späteren Zeitpunkt hält er für nicht möglich. Für Vereine wäre ein Ausfallen des Weinfests ein herber finanzieller Verlust.

In Allensbach stehen drei Dorffeste auf der Kippe

In Allensbach sind bis 15. Juni alle Kulturveranstaltungen abgesagt beziehungsweise das Kulturbüro hat Nachholtermine vereinbart und versucht dies weiterhin. Aber auch die beliebten Dorffeste vor den Sommerferien stehen auf der Kippe

  • Das Seetorfescht der Allensbacher Vereine ist vom 24. bis 26. Juli geplant. Ob es stattfinden werde, könne man vermutlich erst Ende Mai sagen, stellt Ludwig Egenhofer fest, einer der Hauptorganisatoren. „Ich möchte da keine Prognose abgeben. Das entscheiden nicht wir. Das entscheiden die Experten und die Regierung.“ Im Moment gebe es keinen Austausch darüber zwischen den sieben bis acht veranstaltenden Vereinen. Man komme für die detaillierten Planungen üblicherweise erst zwischen Ostern und Pfingsten zusammen.
  • Das Kapellenplatzfest der Feuerwehr-Abteilung Kaltbrunn wäre am 20./21. Juni. Es sei noch keine endgültige Entscheidung getroffen, erklärt Kommandant Boris Böck. Diese werde man wohl bis Ende April treffen, wenn klar sei, was die Politik sage. Doch Böck meint: „Ich bin ehrlich gesagt skeptisch, dass es stattfinden wird.“
  • Das Gartenfest der Musikkameradschaft Langenrain-Freudental ist vom 26. bis 28. Juni geplant. Dirigent Lothar Bottlang erklärt, man warte ab, was die Regierung nach Ostern beschließe. Wegen der Vorbereitungsarbeiten sollte bis spätestens Mitte Mai eine Entscheidung stehen, sagt Bottlang. Er zeigt sich eher skeptisch: „Meiner Meinung nach sieht es tendenziell schlecht aus. Ich gehe davon aus, dass solche Feste noch längere Zeit nicht stattfinden können.“

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