Schon jetzt sei absehbar, dass es allgemein bei allen Traubensorten Weine von guter Qualität geben werde, erklärt Sabrina Glönkler, die neue Geschäftsführerin der Rebenaufbau- und Weinbau-Genossenschaft. Es gebe ein ausgereiftes Lesegut. Positiv wirke sich auch der goldene Herbst aus. Durch das warme, trockene Wetter zuletzt könnten die Trauben weiter reifen, die Mostgewichte und damit die Qualität würden besser. Und es bestehe keine Gefahr, dass Fäulnis auftrete.

Hubert Schmidt, der bei der Organisation der Weinlese hilft, erklärt: „Unser Kellermeister Thomas Sättele erwartet schöne, fruchtige Weine im oberen Qualitätsbereich.“ Beim Müller-Thurgau, der in der ersten Woche gelesen worden sei, liege das Mostgewicht bei circa 80 Öchsle, beim Grauburgunder, wo aktuell gewümmlet wird, seien es rund 95 Öchsle.

Im Jahr 2019 konnten circa 180.000 Liter Wein gewonnen werden

Glönkler erklärt, bei den anderen Rebsorten müsse man zwar noch die Mostgewichte abwarten. Die Lese dauere noch etwa zwei Wochen. Aber der Reichenauer Jahrgang 2020 dürfte von ähnlich guter Qualität sein wie im Vorjahr. Ob man auch die damals gute Menge erreichen werde, sei momentan schwer abzuschätzen.

Im Jahr 2019 wurden auf der Insel rund 250.000 Kilogramm Trauben in den Winzerkeller gebracht, und Sättele konnte circa 180.000 Liter Wein daraus gewinnen. Mit den neuen Weinen sei aber erst nach Ostern zu rechnen. Ein Wein sollte generell ein paar Monate ruhen. Und mit welchen Sorten die Winzerverein-Genossenschaft zuerst in den Verkauf gehen werde, komme auch darauf an, was auf dem Markt benötigt werde.

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Den größten Teil des Reichenauer Weins verkauft der Winzerverein weiterhin direkt in seiner Vinothek beim Rathaus. Ansonsten gebe es die Inseltropfen im Einzelhandel und in der Gastronomie vor Ort sowie der näheren Umgebung. Und: „Den Reichenauer Wein gibt es mittlerweile auch online“, so Glönkler. Die gute Traubenqualität verdanke man auch dem Wetter übers Jahr hinweg, so die Geschäftsführerin.

Schon mit der Blüte seien die Reben gut durchgekommen. Dann habe es genügend Regen zur rechten Zeit gegeben. Und im Sommer seien die Temperaturen für die Trauben nicht so stressig gewesen wie in den vergangenen beiden Jahren, weil es nur wenige Tage mit über 30 Grad Celsius gab.

Die Reichenauer Rebenaufbau- und Weinbau-Genossenschaft kann gut ausgereifte Trauben lesen und im Winzerkeller anliefern. Die Winzer erwarten Weine von guter Qualität – von links der Festangestellte Kurt Weltin. Geschäftsführerin Sabrina Glönkler sowie die Helfer Pirmin Seyfried und Hubert Schmidt.
Die Reichenauer Rebenaufbau- und Weinbau-Genossenschaft kann gut ausgereifte Trauben lesen und im Winzerkeller anliefern. Die Winzer erwarten Weine von guter Qualität – von links der Festangestellte Kurt Weltin. Geschäftsführerin Sabrina Glönkler sowie die Helfer Pirmin Seyfried und Hubert Schmidt. | Bild: Zoch, Thomas

Hubert Schmidt fügt an, bei der Reihenfolge, welche Traubensorten wann gelesen werden, bestimme auch der Kellermeister mit – je nachdem, was vom Reifegrad und bei der Produktion gut passe. Täglich stehen 25 bis 30 Helfer zur Verfügung, erklärt Glönkler. Bei den zuletzt warmen Temperaturen fangen diese früh am Morgen an und hören dafür bereits am frühen Nachmittag auf, weil das Lesegut nicht zu warm in den Winzerkeller kommen dürfe.

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Auf der Reichenau umfassen die Sorten Müller-Thurgau und Spätburgunder etwa zwei Drittel der Reben. Beim Müller und beim Gutedel habe die Genossenschaft die Anbaufläche etwas zurückgefahren, zugunsten der auf der Insel neuen Sorte Weißburgunder, weiß Glönkler von ihrem Vorgänger Max Uricher.

In den vergangenen zwei Jahren seien hierfür alte Rebflächen gerodet und entsprechend neu bepflanzt worden. Der Weißburgunder sei stark nachgefragt. Allerdings werde es aktuell noch keinen davon von der Reichenau geben. Den ersten Ertrag gebe es, wenn die Reben drei Jahre stehen.

Das langfristige Ziel sind 25 Hektar für den Weinanbau

In den kommenden ein bis zwei Jahren sei zudem angedacht, weitere Altanlagen zu roden und neu zu bepflanzen sowie eine kleinere Erweiterung der Anbaufläche. Aktuell werde auf der Reichenau auf rund 22 Hektar Wein angebaut, das langfristige Ziel seien 25 Hektar. Doch bevor weitere Reben auf- und umgebaut würden, solle sich der neue Betriebsleiter einarbeiten, erklärt Glönkler. „Ab nächstes Jahr haben wir jemanden gefunden.“

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Der bisherige Betriebsleiter, Frank Keilbach, habe sich im Juli von der Reichenau verabschiedet, um sich selbstständig zu machen. Er hat ein Weingut in der Südpfalz übernommen. Einen Großteil der Arbeit in den Reben habe er aber noch mitgemacht. Und das bestehende Team überbrücke die übrige Zeit durch gute Zusammenarbeit, so die neue Geschäftsführerin.

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