Einen so großen Bedarf an schnellem und leistungsstarken Internet wie der Aktiv Verlag und das MedienBureau von Joachim Sauer hat wohl kaum ein anderer Betrieb auf der Insel Reichenau. Für Videos, Magazine oder Werbematerial brauche er eine hohe Datenübertragungsrate, berichtet Sauer. „Und die haben wir tatsächlich inzwischen.“

Privater Anbieter stellt erst seit Kurzem 100 Megabit zur Verfügung

Allerdings erst seit etwa einem Jahr biete Unitymedia eine 100 Megabit-Leistung im Download und 40 Mbit im Upload. Als Vorsitzender des Reichenauer Gewerbevereins kenne er auch keinen örtlichen Betrieb, der damit Probleme habe, aber viele hätten offenbar gar keinen großen Bedarf an schnellem Internet.

Vor zwei Jahren hatte Sauer noch öffentlich über die schlechte Internetversorgung auf der Insel geklagt, er habe sogar zeitweise überlegt, deshalb den Standort zu wechseln. Stattdessen habe er den Netzanbieter gewechselt. Denn nicht alle Reichenauer Haushalte und Betriebe sind gleich gut versorgt mit schnellem Internet. Dies betonte auch Armin Okle (Freie Wähler) im Gemeinderat.

Warum geht der Breitband-Ausbau nicht schneller voran?

Aber beim weiteren Breitbandausbau für ein schnelles Internet für alle kommt die Gemeinde Reichenau aktuell nicht voran. Das habe mehrere Gründe, erklärte die Verwaltung im Gemeinderat. Zum einen entspreche die Leistungsfähigkeit der Versorgung bereits flächendeckend dem derzeitigen Richtwert von 30 Megabit, so Mirjam Seif vom Ordnungsamt. Das habe eine Markterkundung ergeben.

Weil es aber nur wenige Bereiche gebe, die darunter liegen, könnte die Gemeinde keinen Zuschuss von Land oder Bund erwarten, wenn sie dies auf eigene Kosten ausbauen wollte. Und dieser Ausbau käme teuer, weil viel Tiefbauarbeiten anfallen würden. Zudem müsste die Gemeinde erst einen Netzbetreiber finden, der dies als lohnenswert einstuft, fügte Hauptamtsleiter Mario Streib an.

Warum die Hoffnungen jetzt auf Änderungen auf EU- und Bundesebene liegen

Das Fazit von Mirjam Seif lautete: „Die Gemeinde ist so gut angeschlossen, dass sich ein kommunaler Ausbau nicht lohnt.“ Dies könne sich aber in den kommenden Jahren ändern. Es gebe auf Bundes- wie EU-Ebene Stimmen, die den Richtwert von 30 Megabit für zu niedrig hielten. Würde dieser angehoben, könnte die Gemeinde das Thema neu angehen. Bürgermeister Wolfgang Zoll sagte, die Gemeinde werde so lange weiterhin bei Straßenbauarbeiten Leerrohre für einen möglichen Breitbandausbau verlegen – so wie zuletzt in der Burg- und Mittelzeller Straße.

Die Leistungsfähigkeit der Versorgung ist das eine. Aber die Gemeinde hat keine umfassenden Erkenntnisse, durch welche Art von Kabel diese erbracht wird, wie Streib auf Nachfrage von Gabriel Henkes (Freie Liste Natur) erklärte. Streib konnte immerhin sagen, dass es in der Pirminstraße bis zur Kreuzung bei der Sparkasse Glasfaser gebe. Henkes monierte, dass die Gemeinde vor zwei Jahren für die Erfassung der vorhandenen Leitungen eigens eine Beraterfirma beauftragt habe.

Auch Ralf Blum (CDU) würde gern wissen, was es wo an technischem Angebot gebe. Doch Streib und der Bürgermeister erklärten, die Netzbetreiber beriefen sich bei Anfragen mitunter aufs Betriebsgeheimnis. Zoll sagte, auch wenn man nicht wisse, welche Leitungen in den Böden liegen, so wisse man doch, wo und wie leistungsstark diese seien. Daher könne man planen, wo künftig Leerrohre verlegt werden sollten: „Die Arbeit ist nicht umsonst gemacht.“