Premieren

Einige Premieren bietet die Augia-Konzertreihe auf der Insel Reichenau in diesem Jahr. So gastiert der Deutsche Ärztechor erstmals auf der größten Bodenseeinsel und gibt am 18. Mai ein Benefizkonzert zugunsten des Zentrums für Psychiatrie (ZfP) Reichenau.

Ebenfalls zum ersten Mal nutzt Münsterkantor Roland Uhl, der die Reihe organisiert, nur den Markuschor des Münsters als eigenen, kleineren Konzertraum am 22. September. Zum Abschluss der Reihe gestalten zudem einheimische Musiker am 17. November einen Abend mit Musik der Reichenau, wobei ein weiter Bogen gespannt wird, vom berühmten Mönch Hermann der Lahme aus dem 11. Jahrhundert bis hin zum zeitgenössischen Reichenauer Musiker und Komponisten Martin Glönkler, dessen Messe in D dabei auch erstmals komplett aufgeführt werde, so Uhl.

Zwei Konzerte in St. Peter-und-Paul

Und gleich zwei Konzerte finden dieses Mal in der St. Peter-und-Paul-Kirche in Niederzell statt, die sonst kaum vertreten ist in der Augia-Reihe. Doch es biete sich natürlich an, die dort frisch restaurierte historische Lang-Orgel aus Mozarts Zeiten zu nutzen, so Uhl. "Die Orgel ist jetzt in einem super Zustand und sehr gut geeignet für solche Konzerte mit Kammermusik. Und die Orgel ist natürlich auch für auswärtige Musiker reizvoll."

Schwerpunkt Oratorien

Neun Konzerte mit Musik in den romanischen Kirchen von März bis November umfasst die Augia-Reihe in diesem Jahr. Eine Art Schwerpunkt seien oratorische Konzerte für Chor und Orchester, von denen es drei gebe, so Uhl.

Das erste gleich zum Auftakt am 24. März im Münster mit der Birnauer Kantorei, die regelmäßiger Gast in der Reihe ist, nun aber nach längerer Pause wieder mal dabei sei. Die Kantorei mit vier Solosängern führe mit Bachs Johannespassion eine der großen und wichtigsten barocken Passionen auf. Begleitet werde sie dabei vom recht bekannten Barockorchester L'arpa festante aus München, das auf Instrumenten der damaligen Zeit spielt. Der Vorverkauf für dieses Konzert laufe bereits über die Ticketplattform Reservix im Internet, so Uhl.

Freien Eintritt dagegen gebe es bei der festlichen Musik am 5. Mai in der St. Georgs-Kirche, das sozusagen im Nachklang des Georg-Fests (22. April) stattfinde. Der Reichenauer Organist Alexander Bürkle (auch Cembalo) konzertiere dabei mit seinem langjährigen Duopartner Gerhard Voss (Violine) und diesmal zudem mit Franziska Dürr an der Viola.

Etwas Besonderes sei das nächste oratorische Konzert im Münster am 18. Mai mit dem Deutschen Ärztechor, in dem auch ein paar Mediziner aus der Region mitwirken, begleitet von einem Projektorchester des Chors.

Der Deutsche Ärztechor gastiert zum ersten Mal auf der Insel Reichenau. Er gibt ein Benefizkonzert zugunsten des Zentrums für Psychiatrie Reichenau.
Der Deutsche Ärztechor gastiert zum ersten Mal auf der Insel Reichenau. Er gibt ein Benefizkonzert zugunsten des Zentrums für Psychiatrie Reichenau. | Bild: Kinka Tadsen

"Das sind Ärzte aus ganz Deutschland, die sich zum Ziel gesetzt haben, mit ihrer Musik Gutes zu tun", erklärt der Münsterkantor. Der Chor habe bei ihm angefragt, welche lokale medizinische Einrichtung durch das Konzert unterstützt werden könnte. Er habe das ZfP vorgeschlagen, so Uhl. Und nach Rücksprache mit der Klinikleitung habe man entschieden, dass der Erlös dem dortigen offenen Atelier zugute kommen solle. Der Ärztechor, der auf der Reichenau eines von nur ganz wenigen Benefizkonzerten in diesem Jahr geben wird, will Werke von Haydn, Mozart und Vivaldi aufführen.

Weitere Konzerte runden das Programm ab

Das erste Konzert in St. Peter-und-Paul gestalten dann am 2. Juni mit dem Ensemble Barokoko wieder Musiker von der Reichenau und aus der Region. Bei diesem Kammerkonzert werde hauptsächlich Barockmusik geboten, so Uhl. Das Ensemble bevorzuge sonst eher die St. Georgs-Kirche, habe nun aber eben wegen der neu restaurierten Orgel in der Niederzeller Kirche spielen wollen. Der Eintritt ist frei.

Spezialisiert auf Musik des Mittelalters ist das Stuttgarter Ensemble Cosmedin, das am 13. Juli in der Georgs-Kirche auftritt. Wobei Uhl anmerkt, dass Stephanie und Christoph Haas, die das Ensemble bilden, zwar auf Instrumenten der damaligen Zeit wie Langhalslaute oder Psalter spiele, aber auch modernere Klänge einfließen lassen. "Deren Konzerte sind immer sehr beeindruckend", meint Uhl. Ihr Programm heißt dieses Mal "Liebe kennt kein Warum – Musik und Texte der Mystik".

Wie alle zwei Jahre und traditionell am Mittwoch nach dem Weinfest gebe dann der aus Markelfingen stammende Bernhard Kratzer zusammen mit Paul Theis an der Orgel am 7. August eine festliche Trompetengala im Münster. "Das ist zu einer festen Einrichtung geworden", erklärt der Münsterkantor. Weil der Andrang bei Kratzers Konzerten stets groß sei, werde es hierfür einen Vorverkauf in der Tourist-Information geben, der aber noch nicht laufe.

Der Markuschor des Münsters gleich bei den Eingängen werde dann am 22. September zum eigenen Konzertraum gestaltet für das Vokalensemble Quintenzirkel aus Augsburg, das geistliche Vokalmusik biete, so Uhl. Im Markuschor werde dann quer zum eigentlichen Kirchenraum gestuhlt. Diese Idee habe er schon länger im Kopf, weil das eigentlich ein schöner Raum sei mit eigenem Charakter, und dies sei ein passendes Ensemble, findet Uhl.

Am 20. Oktober stehe dann die restaurierte Orgel in St. Peter-und Paul im Mittelpunkt, wenn der Kirchenmusiker Martin Weber aus Konstanz-Petershausen ein Orgelkonzert gebe.

Und schließlich steht Musik der Reichenau aus rund 1000 Jahren am 17. November auf dem Programm. Bei freiem Eintritt werden dann Münsterchor und -orchester, die Gregorianikschola und Alexander Bürkle unter Uhls Leitung Werke von Hermann der Lahme aus dem 11. Jahrhundert und des gebürtigen Reichenauer Komponisten Franz Anton Meichelbeck (18. Jahrhundert) aufführen.