Reichenau Verunsicherung auf der Kindlebild-Brücke bleibt fürs Erste bestehen

Verkehrsteilnehmer und die Gemeinde Reichenau sehen Probleme bei der Verkehrsführung auf der neuen Kindlebild-Brücke über die B 33-neu. Bei einem Ortstermin hielten Behördenvertreter dagegen, dass zusätzliche Schilder eher verwirren würden. Die Diskussion geht weiter.

Etliche Bürger, die Gemeinde Reichenau und der SÜDKURIER halten einige Stellen auf der neuen Kindlebildbrücke für problematisch für Auto- und Radfahrer. Wenigstens eine bessere Beschilderung wünschen sich manche – vor allem um mehr Sicherheit für Radler zu erreichen. Doch die zuständigen Behörden wollen erstmal nichts ändern. Die Regelungen und Beschilderungen seien klar, die Verkehrsverhältnisse so am sichersten, weitere Schilder würden eher verwirren, meinen Yvonne Guduscheit, die Leiterin der Neubauleitung Singen, und Stefan Basel, der Leiter der Straßenverkehrsbehörde. "Schilder sind schnell gefordert, aber bringen oft nicht viel", so Basel. Bürgermeister Wolfgang Zoll erklärt, auch wenn alles den Vorschriften entspreche: "Wir werden konfrontiert mit einem Gefühl der Unsicherheit." Im Wesentlichen geht es um vier Bereiche.

Rampe aus Richtung Konstanz: Wer hier oben auf der Brücke ankommt und nach links Richtung Reichenau fahren will, sieht schlecht, ob von links Verkehr kommt, weil die Brücke wenige Meter entfernt ihren höchsten Punkt hat. Das erzeuge eine Kuppenwirkung, meint Zoll und: "Ich habe hier eine große Fläche, die ich beobachten muss." Hier kann man ständig Verkehrsteilnehmer beobachten, die sich vorsichtig herantasten. Einen Spiegel auf der anderen Straßenseite lehnt Basel ab. Das suggeriere Sicherheit, so seine Erfahrung, die Autofahrer verlassen sich dann zu sehr auf den Spiegel. Ein Stoppschild statt Vorfahrt achten wäre zwar möglich, so Basel, doch das zwinge den Verkehr zum Anhalten, auch wenn es nicht nötig sei. Die Kuppenwirkung erklärt Guduscheit mit baulichen Zwangspunkten, mit Höhen, die einzuhalten seien, und mit den aus Platzgründen nötigen recht steilen Rampen.

Problempunkt Einmündung: Wer aus Richtung Konstanz kommt und am Ende der Rampe nach links zur Reichenau abbiegen will, sieht schlecht, ob von dort ein Auto kommt.
Problempunkt Einmündung: Wer aus Richtung Konstanz kommt und am Ende der Rampe nach links zur Reichenau abbiegen will, sieht schlecht, ob von dort ein Auto kommt. | Bild: Thomas Zoch

Linksabbieger Richtung Radolfzell: Wer von der Reichenau kommt und Richtung Radolfzell abbiegen will, muss den Radverkehr beachten, der Vorrang hat. Weil es ein Radweg in beide Richtungen ist, kommen allerdings auch Radler von links, also von hinten, womit ein Autofahrer möglicherweise nicht rechnet. Dazu Basel: "Eine rot markierte Furt wie dort ist normalerweise ausreichend." Es seien zudem Radfahrsymbole und Pfeile in beide Richtungen aufgebracht. Ein Hinweisschild müsste an den rechten Fahrbahnrand gesetzt werden, wo Linksabbieger aber nicht hinschauen. Das könne man zwar aufstellen, wenn gewünscht, doch das verwirre eher den Geradeausverkehr.
Problempunkt Abbiegen: Wer von der Reichenau kommt und links nach Radolfzell abbiegen will, muss damit rechnen, dass aus beiden Richtungen – also auch von hinter ihm – Radfahrer kommen.
Problempunkt Abbiegen: Wer von der Reichenau kommt und links nach Radolfzell abbiegen will, muss damit rechnen, dass aus beiden Richtungen – also auch von hinter ihm – Radfahrer kommen. | Bild: Thomas Zoch

Breite des Radwegs: Der kombinierte Geh- und Radweg an der Westseite der Brücke, der in beide Richtungen gilt, entspreche mit drei Metern Breite den Richtlinien, so Guduscheit. Und das stehe so in der Planfeststellung, was die baurechtliche Grundlage darstelle. "Man hätte es natürlich im Vorfeld breiter planen können", räumt sie ein. Allerdings erscheint Bürgern und auch dem Bürgermeister der Weg etwas schmal. Für einen nachträglichen Ausbau müsste die Planfeststellung geändert werden, so Guduscheit. Das gleiche Verfahren wäre nötig, wenn man auf der anderen Straßenseite, wo es auf der Brücke ein Stück Notgehsteig gibt, diesen als Radweg in Richtung Festland verlängern wollte.
Problempunkt Brücke: Die Breite des kombinierten Geh- und Radwegs in beide Richtungen entspreche den Richtlinien, so Stefan Basel (links) von der Straßenverkehrsbehörde und Yvonne Guduscheit von der Neubauleitung. Bürgermeister Wolfgang Zoll (vorn) erscheint der Weg trotzdem etwas schmal. Und eng werden kann es auch schnell, wie das Bild zeigt. <em>Bild: Thomas </em><em>Zoch</em>
Problempunkt Brücke: Die Breite des kombinierten Geh- und Radwegs in beide Richtungen entspreche den Richtlinien, so Stefan Basel (links) von der Straßenverkehrsbehörde und Yvonne Guduscheit von der Neubauleitung. Bürgermeister Wolfgang Zoll (vorn) erscheint der Weg trotzdem etwas schmal. Und eng werden kann es auch schnell, wie das Bild zeigt. Bild: Thomas Zoch

Radwegquerung beim Kreisel: Am Anfang des Inseldamms gibt es neben dem Kreisel eine Querungshilfe über die Auffahrt Richtung Konstanz und die Abfahrt Richtung Reichenau. Radfahrer haben keine Vorfahrt. Manche Bürger sehen Gefahren, dass Radler – vor allem auch Schüler – dies nicht erkennen, weil sie an anderen Einmündungen Vorfahrt haben. Basel erklärt, die Führung von gegenläufigem Radverkehr an einem Kreisverkehr sei gefährlicher, wenn dieser Vorfahrt habe. "Das zeigt die Praxis." Zusätzliche Hinweisschilder für Autofahrer, dass hier Radler kommen, seien unnötig, weil Radfahrer hier untergeordnet seien und man vermeiden sollte, ihnen das Gegenteil zu suggerieren. Und auch Kinder, die allein mit dem Rad fahren, sollten das Vorfahrt-achten-Zeichen kennen. Zudem seien die Sichtverhältnisse hier gut, so Basel. Und wenn es früher dunkel werde, gebe es kaum touristische Radler, meint er auf Nachfrage.
Problempunkt Kreisel: Radfahrer haben beim Kreisel am Anfang des Inseldamms (links, nicht im Bild) keine Vorfahrt. Manche Radfahrer sind anderer Ansicht und halten nicht an. Immerhin tun dies sowieso viele Autofahrer, wenn sie Radler sehen.
Problempunkt Kreisel: Radfahrer haben beim Kreisel am Anfang des Inseldamms (links, nicht im Bild) keine Vorfahrt. Manche Radfahrer sind anderer Ansicht und halten nicht an. Immerhin tun dies sowieso viele Autofahrer, wenn sie Radler sehen. | Bild: Thomas Zoch

Verkehrsschau folgt

Der hier geschilderte Ortstermin kam auf Initiative des SÜDKURIER zustande. Eine Verkehrsschau mit Straßenverkehrsbehörde, Neubauleitung, Polizei und Gemeinderäten werde er beantragen, so der Reichenauer Bürgermeister Wolfgang Zoll. Diese finde eventuell im Oktober statt. Stefan Basel von der Straßenverkehrsbehörde meint, bis dahin könne man Erfahrungen sammeln. Wenn konkrete Gefahrensituationen festgestellt würden, könne seine Behörde reagieren. Die Freie Liste Natur hatte bereits Mitte Juni in einer Anfrage Problempunkte angesprochen und hat einen Antrag nach der Sommerpause angekündigt. 

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