Eine positive Bilanz ziehen die Reichenauer Touristiker fürs Jahr 2018. "Insgesamt kann man von einem guten Tourismusjahr sprechen", erklärt Karl Wehrle, der Geschäftsführer des Verkehrsvereins.

Tourismus auf der Reichenau

Anzahl der Übernachtungen von Urlaubsgästen auf der Reichenau (Zahlen von der Tourist-Information).
Anzahl der Übernachtungen von Urlaubsgästen auf der Reichenau (Zahlen von der Tourist-Information). | Bild: Mende / Grafik: Kerstan

Deutlich gestiegen ist die Zahl der Übernachtungsgäste, mit 74.149 kamen 4,4 Prozent mehr Urlauber und damit so viele wie noch nie. Und erfreulich sei dabei, dass es eine Zunahme beim Ferientourismus und eine Abnahme im Geschäftsreiseverkehr gegeben habe. Wobei Wehrle betont, dass nicht nur Betreiber von Unterkünften vom Tourismus profitierten, sondern auch viele andere Bürger.

Mit diesen Steigerungen liegt die Reichenau bodenseeweit im Trend

Vom langen, warmen Sommer hätten vor allem die Campingplätze profitiert, bei denen die Übernachtungszahl um sieben Prozent auf 118.438 stieg. Bei der Sandseele habe die Steigerung sogar bei zwölf Prozent gelegen (zur Gemeinde gehören zudem die Plätze Willam und DGB auf dem Festland). "Das waren die Gewinner." Bei den Hotels habe es dagegen ein Minus von 5,7 Prozent gegeben.

Beim Campingplatz Sandseele gab es im Jahr 2018 eine besonders hohe Steigerung bei den Übernachtungszahlen – wohl wegen des langen warmen Wetters. Wobei der Platz ohnehin bei vielen Gästen aus nah und fern sehr beliet ist. Archivbild: Thomas Zoch
Beim Campingplatz Sandseele gab es im Jahr 2018 eine besonders hohe Steigerung bei den Übernachtungszahlen – wohl wegen des langen warmen Wetters. Wobei der Platz ohnehin bei vielen Gästen aus nah und fern sehr beliebt ist. | Bild: Zoch, Thomas (Archivbild)

Der lange Sommer sei das eine, die Zahlen in den einzelnen Monaten hängen aber immer stark von Ferienzeiten und Feiertagen ab. "Der Mai war besonders stark", so Wehrle. Mit rund 34.000 Übernachtungen gab es ein Plus von 25 Prozent. Der Juni sei entsprechend schwächer gewesen, 32.000 Übernachtungen bedeuteten ein Minus von 15 Prozent.

In den Hauptmonaten Juli (plus 1,4) und August (minus vier) gab es kleinere Abweichungen, im September dann noch mal mit 32.000 ein Plus von 16 Prozent. Wobei Wehrles Stellvertreterin Irina Drewniok sagt, der Rückgang im August könnte auch mit dem niedrigen Wasserstand des Sees zusammenhängen.

Die Zahl der Betten auf der Insel wächst nicht – das ist ein Problem

Allerdings seien die Rahmenbedingungen zum Teil schwierig gewesen, erklärt der Tourismuschef, warum es auf der Reichenau eine weniger deutliche Steigerung gegeben habe als in manchen anderen Orten. Während es in Konstanz zum Beispiel neue Hotels gebe, stagniere die Bettenzahl auf der Reichenau seit Jahren bei rund 1000 (ohne Campingplätze).

Ein Blick zurück belege dies. Deutlichere Steigerungen hatte es Mitte des Jahrzehnts gegeben, nachdem das neue Hotel Mein Inselglück eröffnet hatte.

Und: "Ein Problemkind war die Seeschau", erklärt Wehrle. Hier ging die Übernachtungszahl um fast 32 Prozent zurück. Doch es gebe nun neue Pächter, die im April eröffnen und auch wieder das Restaurant betreiben wollten. "Ich erhoffe mir, dass das jetzt anders läuft", so Wehrle.

Beim Hotel Mohren erkläre er sich den Rückgang um fünf Prozent damit, dass das Tagungsgeschäft in den vergangenen Jahren schwieriger geworden sei. Dies hänge ebenfalls mit der Bettenzunahme in Konstanz zusammen.

Mehr erhofft habe er sich zudem vom EnBW-Ferienhaus Bürgle, nachdem dieses vor einigen Jahren um einen Neubau erweitert wurde. Es habe damals geheißen, die EnBW öffne das Haus für alle Gäste, nun sei es aber doch Mitarbeitern des Konzerns vorbehalten. Mitunter würden dort Seminare aber mangels Beteiligung abgesagt.

Ein weiteres Hemmnis sei im vergangenen Jahr die Baustelle im Inselzentrum gewesen, weshalb die Mittelzeller Straße lange nur teilweise oder gar nicht befahrbar war. "Wir hoffen, dass das 2019 wieder besser funktioniert", so Wehrle.

Besseres Programm soll Menschen auf die Insel locken

Um noch bessere Zahlen zu erreichen, arbeite der Verkehrsverein zudem weiter am Angebot der Führungen, so Wehrle und Drewniok. So werde es künftig im Wochenprogramm auch Führungen im Museum für Einzelgäste geben und nicht nur für Gruppen.

Auch zum Gemüsebau gebe es eine neue wöchentliche Führung, erklärt Wehrle. Drewniok fügt an, dass es zudem eine neue Münsterführung mit Orgelspiel unter dem Namen "Raum und Klang" gebe.

Und man wolle das Programm mit kulinarischen Angeboten erweitern. Denn die Führung In Vino Veritas mit einem Glas Reichenauer Wein werde gut nachgefragt – ebenso Führungen, die einen Inselrundgang mit einer Kirchenbesichtigung verbinden.

Einen leichten Rückgang habe es im Vorjahr bei den Gruppenführungen gegeben, so Drewniok. Dies führe sie auf die hohen Temperaturen zurück. Mancher Veranstalter habe eine Tagesfahrt abgesagt, weil zu wenig Teilnehmer zusagten.

Wehrle erklärt, dass auch in diesem Jahr Einheimische kostenlos an den Führungen teilnehmen könnten. Der Verkehrsverein führe die Aktion "Unser Welterbe – mein Reichenau" weiter, weil es gut angenommen worden sei von Bürgern. "Wir möchten, dass die Bevölkerung ein anderes Verständnis für den Tourismus aufbringt", betont Wehrle. Denn der Tourismus bewirke viel für die Bürger vor Ort – sei es durch den Erhalt von Gastronomie und Handel oder eben Führungen, Veranstaltungen und Konzerte. Auch manche Investition in den Tourismus wie für den Neubau des Strandbads komme ebenso den Einheimischen zugute.

Woher kamen die Urlauber?

Die mit Abstand meisten Übernachtungsgäste in der Gemeinde Reichenau kamen auch im Jahr 2018 aus Baden-Württemberg – rund 40 Prozent, erklärt Tourismuschef Karl Wehrle.

Mit deutlichem Abstand folgen Urlauber aus Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz.

Deutlich gestiegen sei die Zahl der ausländischen Gäste um 13,3 Prozent auf 11.330. Hier lagen Besucher aus der Schweiz mit großem Abstand vorn vor Österreich, Frankreich, Großbritannien, Belgien, Italien und den Niederlanden.

Zu bestimmten Veranstaltungen und Festen wie der Inselklassik (am 5. Juli), dem Wein- und Fischerfest (2. bis 4. August) oder den drei besonderen Inselfeiertagen buchten manche Gäste frühzeitig Übernachtungen.