Motten sind lästige Viecher, ob im Kleiderschrank oder in der Mehldose. Und wenn man sie erst einmal im Haushalt hat, sind die staubigen Flattermänner bekanntlich schwer wieder loszuwerden. Seit einigen Jahren macht nun eine spezielle, aus Lateinamerika eingeschleppte Mottenart auch vielen Gemüsegärtnern in fast ganz Europa große Probleme – und zwar eine, die wie die Deutschen am liebsten Tomaten mag: die so genannte Tomatenminiermotte oder Tuta absoluta, so der wissenschaftliche Name.

Dieser kleine Falter kann ziemlich große Schäden in Tomatenkulturen anrichten: die Tomatenminiermotte Tuta Absoluta.
Dieser kleine Falter kann ziemlich große Schäden in Tomatenkulturen anrichten: die Tomatenminiermotte Tuta Absoluta. | Bild: Katharina Schifferstein

Im Kampf gegen den in Europa noch recht neuen Schädling waren nun in diesem Jahr die Tomatengewächshäuser auf der Insel Reichenau eine Art Testlabor für Deutschland.

Sondergenehmigung für neue Falle

Denn die Gärtner und ihr Beratungsdienst für Pflanzenschutz durften mit einer Sondergenehmigung ein neues, recht einfach einsetzbares Mittel verwenden, das bisher nur in einigen anderen europäischen Ländern zugelassen ist: die Verwirrfalle Isonet.T.

Und das sehr erfolgreich, wie Ulrike Schmidt und Jakob Wenz vom Beratungsdienst berichten.

Ulrike Schmidt und Jakob Wenz machen den Beratungsdienst im Pflanzenschutz für die Reichenauer Gemüsegärtner. Im Tomatenanbau haben sie seit einigen Jahren Probleme mit dem neuen Schädling Miniermotte, die sie nun erfolgreich mit einer Verwirrfalle bekämpfen.
Ulrike Schmidt und Jakob Wenz machen den Beratungsdienst im Pflanzenschutz für die Reichenauer Gemüsegärtner. Im Tomatenanbau haben sie seit einigen Jahren Probleme mit dem neuen Schädling Miniermotte, die sie nun erfolgreich mit einer Verwirrfalle bekämpfen. | Bild: Zoch, Thomas

Bei dieser gut umweltverträglichen Falle werde ein Sexualwirkstoff (Pheromon) im Glashaus verbreitet, der die sonst rasante Vermehrung der nur wenige Millimeter großen Motten bremst. „Die Idee ist, dass sich Männlein und Weiblein nicht finden“, erklärt Schmidt.

Antrag auf bundesweite Genehmigung läuft

Und Wenz fügt an: „Die Population baut sich nicht auf. Die Tiere sterben irgendwann eines natürlichen Todes.“ Wobei die Lebensdauer dieser Mottenart je nach Temperatur bei zwei bis drei Wochen liege. Es laufe bereits ein Antrag, dieses in Japan hergestellte Mittel ab nächstem Jahr auch in ganz Deutschland zuzulassen, so die Reichenauer Berater.

Sie seien zuversichtlich. Dabei handele es sich um einen rund 20 Zentimeter langen Draht, in dessen Kunststoffumhüllung der Sexualwirkstoff in hoher Dosierung sei.

Dieser unscheinbare, rund 20 Zentimeter lange Draht hat sich auf der Reichenau als erfolgreiches Mittel gegen den Tomatenschädling Miniermotte erwiesen. In der Kunststoffhülle ist der Sexuallockstoff der Weibchen, der sich dadurch im ganzen Gewächshaus verteilt. So finden die schädlichen Falter nicht zur Paarung zusammen.
Dieser unscheinbare, rund 20 Zentimeter lange Draht hat sich auf der Reichenau als erfolgreiches Mittel gegen den Tomatenschädling Miniermotte erwiesen. In der Kunststoffhülle ist der Sexuallockstoff der Weibchen, der sich dadurch im ganzen Gewächshaus verteilt. So finden die schädlichen Falter nicht zur Paarung zusammen. | Bild: Zoch, Thomas

Circa einmal pro zehn Quadratmeter müsse man einen dieser Dispenser gleichmäßig verteilt aufhängen, so die Erfahrung von Schmidt und Wenz. Dann habe man eine Pheromonwolke im ganzen Glashaus – die übrigens von Menschen nicht wahrnehmbar sei.

Die Larven der Tomatenmotte bohren sich meist in die Blätter und fressen dort in Minengängen das Innere leer, daher der Name. Die Blatthülle stirbt an diesen Stellen ab und verfärbt sich bräunlich.

An den hellbraunen Flecken auf den Blättern der Tomatenblätter erkennt man, dass ein Befall durch die Miniermotte vorliegt – so wie hier in einem Reichenauer Gewächshaus. Die Larven fressen das Innere der Blätter. Übrig bleibt die Außenhaut, die wie Pergament wird.
An den hellbraunen Flecken auf den Blättern der Tomatenblätter erkennt man, dass ein Befall durch die Miniermotte vorliegt – so wie hier in einem Reichenauer Gewächshaus. Die Larven fressen das Innere der Blätter. Übrig bleibt die Außenhaut, die wie Pergament wird. | Bild: Zoch, Thomas

Aber auch die noch grünen Früchte scheinen ihnen zu schmecken, dort hinein bohren sie sich am liebsten unter den Kelchblättern, wo man die winzigen Raupen besonders schlecht erkennt, so Schmidt. In ihren Herkunftsländern in Lateinamerika und auch in Spanien hat die Tuta absoluta schon ihrem Namen alle Ehre gemacht und für Totalausfälle in Tomatenkulturen gesorgt.

Noch keine größeren Ausfälle des Ertrags auf der Reichenau

Auf der Insel Reichenau habe man bereits bisher den Befall einschränken können, so Schmidt. Es habe keine großen Ertragsausfälle gegeben. Allerdings sei eine Gärtnerfamilie in Niederzell in diesem Jahr etwas stärker betroffen, weil diese ihre Tomatenpflanzen bereits im Januar gesetzt habe, als die Verwirrfalle noch nicht zur Verfügung gestanden habe. Und, so betont Wenz, diese müsse man frühzeitig aufhängen, bevor es einen Befall durch die Motten gebe.

Von Niederzell über die gesamte Reichenau ausgebreitet

Die Tomatenminiermotte ist vermutlich durch Importware in Europa eingeschleppt worden. 2006 wurden die ersten Tutas in Spanien entdeckt, seither haben sich die nachtaktiven Falter zunehmend in Europa ausgebreitet. Und seit 2010 machen sie auch auf der Insel Reichenau den Gärtnern und ihrem Beratungsdienst zu schaffen.

„Es hat nicht allzu lang gedauert, bis das Viech bei uns gelandet ist“, berichtet Schmidt. Angefangen habe es in einem Betrieb in Niederzell. Mit einer Klebefalle habe man im ersten Jahr jede Woche 3500 dieser Motten gefangen.

Ein weiteres Mittel zur Bekämpfung des Tomatenschädlinng Miniermotte sind Klebefallen, die ebenfalls mit Sexuallockstoffen die kleinen Falter anlocken – hier einige tote Exemplare.
Ein weiteres Mittel zur Bekämpfung des Tomatenschädlinng Miniermotte sind Klebefallen, die ebenfalls mit Sexuallockstoffen die kleinen Falter anlocken – hier einige tote Exemplare. | Bild: Zoch, Thomas

Je wärmer es wird, desto schneller vermehren sich diese. Höhepunkt sei im August. Und wenn dann die Lüftungsklappen der Glashäuser geöffnet werden, können dort Motten hinaus gelangen. So habe sich der Schädling im Lauf der Jahre bis nach Oberzell ausgebreitet, erklären Schmidt und Wenz. Wobei die Ansteckungsgefahr auf der Reichenau besonders groß sei, weil die Glashäuser oft dicht nebeneinander stehen.

Auch schon Chemie als Gegenmittel verwendet

Weil diese Motten hier nicht heimisch seien, gebe es bisher keine Nützlingsinsekten, um diese wirklich wirksam zu bekämpfen. Also hätten sie verschiedenen Mittel und Methoden versucht: Lichtfallen, Wasserfallen mit Pheromonen, einen speziellen Bazillus und notfalls bei sehr starkem Befall auch chemische Mittel.

Das sagt der Nabu

Im vorigen Jahr hätten sie dann über die Verwirrfalle gelesen. „Das klang vielversprechend“, so Wenz. Und das habe sich nun auf der Reichenau bestätigt. Diese Methode sei nicht nur effektiv, sondern unbedenklich und weniger arbeitsintensiv in der Anwendung als andere Mittel. Der Kostenaufwand liege bei 70 bis 80 Euro pro 1000 Quadratmeter.

Im Freiland helfe diese Falle allerdings nicht, weil sich keine Pheromonwolke bilden könne, so Schmidt. Da wäre ein Einsatz sinnlos. Aber Tomaten im Freilandanbau gebe es auch kaum noch auf der Reichenau. Und generell dürfte im Freien die Tomatenmotte in unseren Breiten kaum ein Problem sein, weil diese Wärme liebe. Kühle Nächte vertrage sie nicht, so Schmidt.

Sie kenne bisher auch kaum Fälle aus dem Freiland in unserer Region. „Das ist ein Gewächshausschädling. Ich glaube nicht, dass das zum Hauptschädling auch für Hobbygärtner wird“, meint sie, fügt aber an, dass die zunehmend heißen Sommer die Ausbreitung des Schädlings verstärken dürften. „Durch den Klimawandel wird das Risiko zunehmen.“