Die Sanierung des Westflügels des Reichenauer Rathauses kommt die Gemeinde immer teurer zu stehen. Im September 2017 hatten die Verwaltung und der Architekt dem Gemeinderat noch eine Kostenaufstellung von rund 932 000 Euro präsentiert. Mittlerweile liegen die Kosten bei 1 790 269 Euro, erklärt Bettina Grathwohl vom Ortsbauamt.

Als Gründe für die Steigerung nennen sie und Bürgermeister Wolfgang Zoll, dass die Planung einige Male geändert und erweitert worden sei. Außerdem habe es schlechte Ausschreibungsergebnisse gegeben; und es seien mehrfach Schäden entdeckt worden, mit denen trotz Voruntersuchungen nicht zu rechnen gewesen sei – auch wenn dies in einem rund 400 Jahre alten Gebäude eigentlich hätte erwartet werden können. „Viele Dinge konnte man nicht erkennen, weil es so eingebaut war, dass man nur durch Zufall darauf stoßen konnte“, erklärt Grathwohl.

Auch die Bauzeit ist dadurch überschritten. Ursprünglich war der Abschluss für Ende 2018 geplant. Nun meint Grathwohl: „Ich hoffe, dass wir bis Ende dieses Jahres einen Knopf dran machen können – und wir keine weiteren Überraschungen erleben.“

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  • 932 074,85 Euro: So lautete die Kostenberechnung im Sommer 2017. Die Planung sah eine Sanierung der Holzbalkendecke im Westflügel sowie in den vorderen beiden Zimmern des Südflügels und den Einbau eines Aufzugs vom ersten ins zweite Geschoss vor. Parallel dazu baute der Winzerverein das Untergeschoss in einen Verkaufsraum um. In diesen Kosten sei noch nicht enthalten gewesen, dass Änderungen für die Außenanlagen erforderlich wurden, weil der Aufzug auf Wunsch des Gemeinderats nun bis ins Untergeschoss gehen und ebenerdig erreichbar sein soll.
Durch diese Tür im Klosterhof geht es ebenerdig zum neuen Aufzug im Rathaus, der ab Oktober oder November nutzbar sein soll so Bettina Grathwohl vom Ortsbauamt. Beim Aufsägen der Mauer für die Tür seien ebenfalls Schäden im Mauerwerk entdeckt worden.
Durch diese Tür im Klosterhof geht es ebenerdig zum neuen Aufzug im Rathaus, der ab Oktober oder November nutzbar sein soll so Bettina Grathwohl vom Ortsbauamt. Beim Aufsägen der Mauer für die Tür seien ebenfalls Schäden im Mauerwerk entdeckt worden. | Bild: Zoch, Thomas
  • 948 972,91 Euro: Diese Summe berechnete der Architekt im März 2018, nachdem die Arbeiten einige Wochen liefen. Grathwohl erklärt: „Grund waren Untersuchungen der Zimmerei im Westflügel sowie im Südflügel, welche einen dramatischen Zustand der Holzbalken sowie des statischen Tragsystems ergeben hatten.“ Daher habe man bereits jetzt im Weinkeller des Südflügels, der noch saniert werden muss, zum Abstützen der Balken Stahlstangen und neue Hölzer eingezogen.
  • 1 085 484,07 Euro: Bei dieser Summe waren Verwaltung und Architekt im April 2018 angelangt. Grathwohl erklärt den Unterschied zum März damit, dass es sich zuvor um die Genehmigungsplanung gehandelt habe, nun um die Ausführungsplanung. „In dieser Kostenberechnung wurden die in der Ausschreibung ermittelten Zahlen der Fachplaner eingearbeitet.“ Es sei bei den Außenanlagen, der Haustechnik sowie der Elektrik zu Kostensteigerungen gekommen.
  • 1 392 106 Euro: Der Architekt und die Fachplaner hatten offenbar etwas optimistisch gerechnet. Das zeigte sich, nachdem im Lauf der Monate alle Arbeiten ausgeschrieben und vergeben waren. Grathwohl erklärt, einige Gewerke habe die Gemeinde hochpreisig vergeben müssen. Aufgrund der Marktsituation seien keine Ergebnisse zu erzielen gewesen, die der Kostenberechnung entsprachen.
  • Plus 52 240,15 Euro: Dieser Betrag sei durch Mehrkosten für Arbeiten bei der Sanierung der Holzbalkendecke aufgrund eines deutlich schlechteren Zustands der Balken als ursprünglich durch Fachplaner angenommen worden war angefallen. Die Balken seien nur von unten untersucht worden. „Das dramatische Schadensbild wurde erst nach Entfernen des Fußbodenaufbaus im Erdgeschoss ersichtlich.“
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  • Plus 34 760,75 Euro: Die maroden Holzbalken hätten auch zu Mehrkosten bei den Rohbauarbeiten geführt, so Grathwohl. „Es musste im Eingangsbereich eine alte Kappendecke gegen eine Betondecke ausgetauscht werden.“ Schlechter als erwartet sei zudem das Mauerwerk der Wand zum Klosterhof gewesen, in die die Tür zum Aufzug gesägt wurde, was daher aufwendiger als gedacht gewesen sei.
  • Plus 103 156,13 Euro: Diesen Betrag hat Grathwohl für Maßnahmen, die durch unerwartete Auflagen des Denkmalamts nötig geworden waren, errechnet. Man habe beispielsweise zusätzlich die Gewölbebögen im Winzerkeller restaurieren müssen. Des Weiteren habe der Bodenbelag im Westflügel restauriert werden müssen, ebenso die Verkleidung bei der Decke über dem Erdgeschossflur. Zudem habe man weitere Sachverständige beauftragen müssen.
  • Plus 42 592,13 Euro: Erhebliche Mehrkosten seien im Untergeschoss sowie im Zimmer eins beim Eingang entstanden. Eine bauphysikalische Untersuchung habe ergeben, dass ein spezieller Putz aufgetragen werden müsse, der die Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk in die Räume abgebe. Zudem habe sich gezeigt, dass das Bruchsteinmauerwerk im Erdreich Hohlstellen aufwies.
  • Plus 92 783,27 Euro: Deutliche Mehrkosten zur Folge hatte die Entscheidung der Gemeinde, im Musiksaal im Erdgeschoss eine neue Akustikdecke einzubauen. Dabei sei festgestellt worden, dass es offenbar schon lange statische Probleme in der Decke gegeben habe, so Grathwohl. Zwei Deckenbalken seien so abgefault gewesen, dass irgendwann eine Stahlkonstruktion eingebaut worden sei, damit die Decke nicht einstürzt. Auf Empfehlung der Fachplaner habe man eine Sanierung des oberen Musiksaales begonnen. Und dabei sei nach dem Abbau des Bodenbelags im Obergeschoss ein starker Befall mit Hausschwamm festgestellt worden. Dessen Bekämpfung und die Behebung der Schäden sei aufwendig und kostenintensiv.
Blick in den oberen Musiksaal des Rathauses. Als der Boden geöffnet wurde, entdeckten die Handwerker marode Balken und den gefährlichen Hausschwamm. Die Balkenenden müssen nun erneuert werden und ebenso das Mauerwerk, so das Ortsbauamt.
Blick in den oberen Musiksaal des Rathauses. Als der Boden geöffnet wurde, entdeckten die Handwerker marode Balken und den gefährlichen Hausschwamm. Die Balkenenden müssen nun erneuert werden und ebenso das Mauerwerk, so das Ortsbauamt. | Bild: Zoch, Thomas
  • Plus 30 727,52 Euro: Die Schäden in den Decken hätten deutlich gemacht, dass auch der Brandschutz verbessert werden müsse, so Grathwohl. Im Dachstuhl und im Musiksaal seien daher neue Brandschutzdecken eingebaut worden.
  • Plus 41 883,98 Euro: Bei der Sanierung des Musiksaals seien an der nördlichen Giebelwand eine massive Rissbildung und statische Probleme festgestellt worden. Die Wand und die Gewölbebögen im Untergeschoss in der neuen Vinothek würden nach Norden streben, vermutlich weil hier ein früherer Gebäudeteil abgerissen wurde. Die Wand musste mit Stahlseilen verankert und die Bögen gesichert werden.
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  • Plus ??? Euro: In den Kosten für die Sanierung des Hausschwammes noch nicht enthalten seien die nötigen Putz-, Stuck- und Malerarbeiten, so Grathwohl. Zudem habe sich bei Unwettern gezeigt, dass durch die massiven Risse in der Nordwand Wasser in den Innenraum eintritt. Dies sei im Hinblick auf den Befund Hausschwamm untragbar. Daher sollte man den Putz der Außenfassade entfernen, die Fassade abdichten und neu verputzen.
  • Minus 485 000 Euro: Vom Land erhält die Gemeinde 350 000 Euro Zuschuss. Dieser Betrag steige leider nicht an wie die Kosten, so Rechnungsamts-Leiterin Bettina Meier. Aber der Winzerverein beteilige sich an den Kosten der Deckensanierung noch mit 135 000 Euro.