Was tun? Nicht lange nachdenken, Lücken suchen, um die Schleicher so schnell wie möglich hinter sich lassen zu können.

Wie das funktioniert, das kann ein Ferrari-Fahrer aus der Schweiz bestens erklären. Der Herr hat es wie folgt gemacht, als er auf dem Autobahnzubringer B 33 auf Höhe Steißlingen am Dienstag unterwegs war: Erst einmal ordentlich Lichthupe geben, damit der Vordermann auf seine Schleicherei aufmerksam wird. Weil das noch nicht reicht, ist dringend dichtes Auffahren notwendig.

Druck hat noch nie geschadet, um vorwärts zu kommen. Das kennen Sie sicher aus der Arbeitswelt.

Was machen, wenn der Fahrer in diesem Mittelklassewagen dem Druck standhält?

Richtig: Lücke suchen. Aufregen nicht vergessen, und seinen Unmut aber auch ordentlich kommunizieren.

Unser Ferrari-Fahrer aus der Schweiz ist in einer Lücke zwischen zwei Lastwagen auf die rechte Fahrspur gewechselt. Er hat ein bisschen Gas gegeben – bei einem Hubraum von 4000 Kubik und mehr macht das einen ordentlichen Satz – und auf Höhe des Mittelklassewagens den Arm gehoben. Aus der Faust heraus erhob sich sein Mittelfinger in Richtung Fahrer dieses Mittelklassewagens.

Noch mal ein bisschen Gas geben, einscheren, und ab geht es weiter Richtung Heimat.

Die Polizei bekommt das zum Glück nicht immer mit. Hier war sie allerdings beteiligt – und wie der Bremser im Viererbob auf der linken Fahrspur unterwegs. Erst haben die Beamten den Stinkefinger erhalten, zum Schluss nur noch die Rücklichter des Rennwagens gesehen.

Verständigte Kollegen haben an der Waldsiedlung dann auf den Raser gewartet. Für den Mann könnte es, aus nicht-Ferrarifahrer-Sicht, teuer werden. Vorwurf: Beleidigung und Nötigung. Allein für den Stinkefinger winken bis zu 4000 Euro. Eine vierstellige Sicherheitsleistung durfte er zur Sicherung des Verfahrens schon einmal bei den Beamten hinterlegen, wie das Präsidium im Pressebericht zum gesamten Fall schreibt und um Zeugenhinweise bittet.

Bleibt eine letzte Frage

Wieso hat ihn nicht gleich die Zivilstreife auf der Autobahn dingfest gemacht? Das muss an diesem lahmen Mittelklassewagen liegen. Für Polizisten in Italien wäre das kein Problem gewesen: Die haben durchaus Lamborghini als Dienstwagen.

Die technische Ausstattung ist das eine. Das andere ist, ordentlich aufs Gas drücken zu können.