Es waren dramatische Stunden vor genau einem Jahr auf der Insel Reichenau. Am Abend des 8. Januar brach ein Feuer aus in einem Mehrfamilienhaus an der Schiffslände, es war der größte Brand seit vielen Jahren. Die Bewohner verloren ihr Dach über dem Kopf.

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Dass aber niemand körperlich zu Schaden kam, war auch dem beherzten Eingreifen eines Bewohners zu verdanken. Der junge Familienvater Christian Arlt alarmierte seine Mitbewohner oder brachte sie aus dem Gebäude, berichtete Bürgermeister Wolfgang Zoll beim Neujahrsempfang der Gemeinde in der Inselhalle. „Er hat auch das eigene Leben riskiert“, so Zoll.

Der Retter erhält den Bürgerpreis der Gemeinde

Hierfür werde Christian Arlt in diesem Jahr der mit 1000 Euro dotierte Bürgerpreis der Gemeinde verliehen, erklärte der Bürgermeister unter Applaus. Da Arlt urlaubsbedingt nicht anwesend sein könne, werde die Ehrung in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen nachgeholt, so Zoll.

Der stellvertretende Feuerwehrkommandant Sebastian Böhler, der damals ebenfalls im Einsatz war, meinte auf Nachfrage, der junge Mann habe als Lebensretter den Preis natürlich verdient. „Es ist schon eine enorme Leistung, in so einer Notsituation richtig zu handeln.“ Bei einem Brand sei es sehr wichtig, dass erst einmal die Personen aus dem Gebäude seien, so Böhler.

Neujahrsansprache von Bürgermeister Zoll: 2018 als "Jahr der Baustellen"

Bürgermeister blickte in seiner Neujahrsansprache auf ein „Jahr der Baustellen“ zurück. Im Strandbad oder bei der Kinderkrippe im Zentrum für Psychiatrie seien diese abgeschlossen worden, beim Rathaus und in der Mittelzeller Straße dauerten sie noch an. Doch die größte im Vorjahr begonnene Baustelle sei der Dialogprozess zur Zukunftsperspektive 2030 der Gemeinde.

„Wir haben jetzt die Baustelleneinrichtung gemacht“, meinte Zoll, bildlich gesprochen. Und die bisherigen Treffen der einzelnen Interessengruppen in Arbeitskreisen hätten gezeigt: „Es ist wichtig und tut uns gut, dass wir miteinander reden.“ Sieben zentrale Handlungsfelder habe der bisherige Dialogprozess ergeben – unter anderem das Thema bezahlbarer Wohnraum. Hierfür strebe er im Jahr 2019 einen Bebauungsplan an für das Neubaugebiet Lindenbühl-West.

Rund 250 Bürger waren zum Neujahrsempfang gekommen. Bürgermeister Wolfgang Zoll würdigte dort nicht nur das Engagement von Christian Arlt, dem Helfer beim Wohnhausbrand vor einem Jahr, sondern auch das von sehr vielen Reichenauer Bürgern.
Rund 250 Bürger waren zum Neujahrsempfang gekommen. Bürgermeister Wolfgang Zoll würdigte dort nicht nur das Engagement von Christian Arlt, dem Helfer beim Wohnhausbrand vor einem Jahr, sondern auch das von sehr vielen Reichenauer Bürgern. | Bild: Zoch, Thomas

Ein anderes sei das Dauerbrenner-Thema Verkehr. Für die Verbesserungen im Busverkehr ab Dezember werde die Gemeinde bei der Neubauleitung Singen weiter darauf drängen, dass das Bahnhofsumfeld bis dahin so neu gestaltet werde, dass die Gemeindeverbindungsstraße in beide Richtungen geöffnet werden kann. Und neben dem neuen Autoparkplatz in der Wittigowo-Straße gelte es, Stellflächen für Busse zu finden. Beim fließenden Verkehr sei es zudem ein Ziel der Gemeinde, auf der Insel generell Tempo 50 zu erreichen, bislang gilt an einigen Stellen noch Tempo 70.

Zoll würdigte in seiner Ansprache nicht nur das Engagement von Christian Arlt, sondern das von sehr vielen Reichenauer Bürgern. Er nannte als Beispiele das Jugendlager der Feuerwehr, das durch den Einsatz der Feuerwehr und vieler Helfer gestemmt worden sei, oder das bevorstehende große Narrentreffen vom 8. bis 10. Februar zum Grundel-Jubiläum, wenn mehr Gäste auf der Insel sein würden, als die Gemeinde Einwohner habe. Die weitere Stärkung des ehrenamtlichen Engagements sei ebenfalls ein Handlungsfeld beim Projekt Zukunftsperspektive, so Zoll. Dabei nannte er auch die Arbeit des Gemeinderats und appellierte mit Blick auf die Kommunalwahlen an die Bürger, nicht nur zur Wahl zu gehen, sondern sich vielleicht auch als Kandidaten aufstellen zu lassen. „Es ist kein einfaches Amt“, so Zoll, „aber es ist ein wichtiger Dienst für die Allgemeinheit.“

Beate Weigold (links) hofft im neuen Jahr auf noch mehr zufriedene Gäste. Angela Pauer wünscht sich, dass mehr Reichenauer mit dem Rad fahren.
Beate Weigold (links) hofft im neuen Jahr auf noch mehr zufriedene Gäste. Angela Pauer wünscht sich, dass mehr Reichenauer mit dem Rad fahren. | Bild: Zoch, Thomas

Dass der Dialogprozess weiter wichtig ist, aber aufgrund verschiedener Interessen auch künftig nicht einfach sein dürfte, zeigt eine Miniumfrage unter Bürgern zu der Frage, was sie sich fürs neue Jahr erhoffen. Angela Pauer sagte, sie hoffe auf ein Ende der Baustelle in der Mittelzeller Straße, aber auch, „dass die Reichenauer etwas aktiver werden und mehr Fahrrad fahren und dadurch gesünder bleiben“. Beate Weigold, Hausleiterin in der Familienferienstätte, sagte einerseits, sie hoffe, dass viele Projekte für die Gemeinde abgeschlossen würden, aber auch, dass mehr und zufriedene Gäste auf die Insel kämen.

Peter und Marianne Niepel aus der Waldsiedlung meinten dagegen, sie hofften vor allem, dass es ihnen weiterhin so gut gehe wie bisher. Wobei Peter Niepel zum Thema Tourismus anmerkte, so schön und nützlich es für viele auch sei, wenn immer mehr Gäste kämen, so hoffe er doch, dass die Gemeinde einen Weg finde, dass die Insel nicht überlaufen werde.

Peter Niepel hofft, dass die Gemeinde einen Weg findet, damit die Reichenau nicht von Touristen überlaufen wird.
Peter Niepel hofft, dass die Gemeinde einen Weg findet, damit die Reichenau nicht von Touristen überlaufen wird. | Bild: Zoch, Thomas

„Manchmal finde ich es einfach ein bisschen zu unruhig“, so Niepel. Horst Werner Keck meinte dagegen, die Reichenauer Bürger könnten sehr zufrieden sein. „Es wird auf allen Gebieten positiv gearbeitet.“