Helmut Schmidt und Monika Huber aus Villingen waren zum ersten Mal auf dem Reichenauer Weihnachtsmarkt im stimmungsvollen Klosterhof. „Das ist eine nette Idee“, sagte er, „es ist klein, überschaubar, und Gott sei Dank gibt es nicht so viele Fressbuden.“ Ihnen gefiel, dass es viel Handarbeit gab und nicht kommerziell war. Das sei viel schöner als in Villingen, sagte Schmidt, der sich besonders für den Stand von Birgit Graffelder aus Konstanz interessierte, die ebenfalls erstmals dabei war mit ihren Engeln, Windlichtern Briefbeschwerern aus Schwemmholz und Bodenseesteinen. So wie hier gab es an vielen der 32 Stände schöne und originelle selbstgemachte Sachen. Beim Seniorenzentrum zum Beispiel nebst einem großen acht kleine, aus pinkfarbener Wolle gestrickte Schweinchen. „Die finde ich süß. Das habe ich so noch nie gesehen“, sagte die Reichenauerin Christel Knerr und kaufte eins für eine Freundin, die Schweine sammele.

Und das letzte bekam dann der kleine Tom Aicher von seinen Eltern Ribana und Gerd gekauft. „Wir kommen jedes Jahr sehr gern“, sagte die Mutter: „Ich finde auch jedes Jahr etwas.“ Diesmal waren es Schmuck und Christbaumkugeln vom DLRG-Stand. Ihnen gefalle das Ambiente und die Freundlichkeit, „dass es ein bisschen urig ist, weil es so klein ist, schon was Besonderes“. Bei der DLRG wiederum freuten sich die Vorstandsfrauen nicht nur über Kundschaft, sondern auch darüber, dass ihnen wieder viel nostalgischer Christbaumschmuck gespendet wurde. Ein Aufruf im SÜDKURIER habe da sehr geholfen, berichtete Andrea Blum: „Es ist für alle was dabei – für Sammler wie für Familien.“ Der Erlös komme dem Kinderschwimmen zugute.
 

Viele Besucher schätzen auch einfach die entspannte, familiäre Atmosphäre – so etwa die jungen Reichenauer Tobi Leonards und Magnus Eiermann: „Es ist einfach nett, dass es private Leute sind und keine Händler. Und man kennt viele Leute. Auch Heike Barz aus Allensbach gefielen der Markt und die Atmosphäre. „Es ist ein bisschen klein, aber fein“, sagte sie, und es sei individuell, weil es Sachen gebe, die man nicht im Laden bekommt. Sie kaufte sich bei der Schreberjugend einen lustigen kleinen Engel mit einem Pappbecher-Körper, einem großen Styroporkopf und einem Kronkorken als Heiligenschein. Diese waren dort sehr gefragt – glücklicherweise gab es recht viele. Denn die dortigen Schneemänner aus Blumentöpfchen und Styropor sowie die Gestecke waren schon nach drei Stunden ausverkauft.

Noch schneller weg gingen die von den Kirchenältesten gebackenen Hildegardplätzchen bei der evangelischen Gemeinde. Kurz nach 13 Uhr war alles ausverkauft. „Da hat jemand elf Päckchen auf einmal mitgenommen“, berichtete Pfarrerin Sabine Wendlandt, während sich an diesem Stand gerade Bürgermeister Wolfgang Zoll mit einer Apfelwaffel stärkte. Er hatte zuvor den Markt offiziell eröffnet, der Jugendwehr als Organisator gedankt und betont, dass es hier vor allem Handgemachtes von Vereinen und Privatleuten gebe. Der Erlös des Markts komme in diesem Jahr dem Bürgerbus-Verein aus der Waldsiedlung zugute, erklärte er zudem. Wobei das DRK mit seinem Erlös zudem eine Missionsstation in Afrika und Pro Humanitate unterstützen wird. Am dortigen Stand kamen die neu angebotenen Pommes sehr gut an – vor allem auch bei Kindern.

Am Stand der Katholischen Jungen Gemeinde gab es ebenfalls eine originelle Kreation: Weihnachtsbäumchen mit grün angesprayten Plastikgabeln als Tannenzweige. Und die Kinder sangen dazu „Oh Tannenbaum“, wenn man einen kaufte. Andere originelle Weiknachtsbäumchen boten Andrea und Caroline Di Noro an: Sie hatten aus Seiten des alten Gotteslobs das Tannenwerk gefaltet. Natürlich gab es auch viel Gestricktes und Genähtes. Bei Annette Villacorta-Kienzle liefen die lustigen kleinen Stofftäschen für kleine Kühlkissen gut – auf denen „Aua“ draufstand. Einfallsreiche Sachen bot auch Elke Ritzenthaler. Dort gab es unter anderem Täschchen aus Schokopapier, das mit Buchfolie beklebt war, oder herzförmige Schlüsselanhänger. Und auch viel Süßes auf kreative Art gab es. So bot Evelyn Blumenröther unter anderem die Marmeladen Quitte trifft Vanille und Birne trifft Ingwer an.

Heiß begehrt und schnell ausverkauft waren wieder die Lose bei der Tombola. Es gab 600 Preise, die die Standbetreiber und Reichenauer Betriebe gespendet hatten, erklärte Sebastian Böhler, der Jugendwart der Jugendfeuerwehr. Und sehr gut besucht war auch das Kasperle-Theater im Rathaus. Die Kinder verfolgten andächtig die Geschichte „Der unglückliche König“, die Hendrikje Brandt frei nach einem Märchen spielte. Und heiß begehrt bei Kindern waren natürlich auch die von Inselbäckern gespendeten Klausenmänner, die der Nikolaus verteilte.


Positive Bilanz

Bereits zum sechsten Mal organisierte die Jugendfeuerwehr den Reichenauer Weihnachtsmarkt. Jugendwart Sebastian Böhler zog eine positive Bilanz: „Es freut mich, dass der Markt so gut angenommen wird.“ Bereits zu Beginn um 12 Uhr waren recht viele Besucher da. Böhler freute sich zudem, dass wieder so viele Betriebe etwas gespendet hatten und alles gut geklappt habe. Es steckt auch einige Arbeit dahinter. Er fange mit der Organisation immer Ende September an. Für den Markt selbst waren die sieben Leiter und 14 Jugendlichen von Freitag- bis Sonntagmittag im Einsatz, wobei Böhler anmerkte: „Wenn’s nicht so viele Helfer gäbe, wäre es nicht möglich.“ (toz)