Die nötige Generalsanierung von Schloss Königsegg auf der Insel Reichenau wollte die Verwaltung eigentlich in diesem Jahr angehen. 220 000 Euro waren im Haushaltsentwurf 2020 vorgesehen und in den Folgejahren mehr als 1,4 Millionen. 

Doch diese Pläne bremste nun der Gemeinderat aus. Es müsse erst einmal ein Konzept gemacht werden, wie es mit dem Gebäude überhaupt weitergehen solle, hieß es.

Muss saniert werden: das Schloss Königsegg. | Bild: Zoch, Thomas

Einen Dämpfer erhielten auch Freie Wähler (FW) und CDU. Letztere hatte vorgeschlagen, für das Neubaugebiet Lindenbühl-West eine eigene Wohnbau- oder Immobiliengesellschaft zu gründen. Das lehnte eine Mehrheit im Rat ebenso ab wie den Antrag der FW, für die weitere Flüchtlingsunterbringung ab dem Jahr 2022 ein festes Gebäude zu errichten, anstatt Container zu mieten.

Bürgermeister riet zur Sparsamkeit

Trotz der vorläufigen Einsparung bei Schloss Königsegg war das Ergebnis der rund vierstündigen Haushaltsdebatte, dass aufgrund von etlichen kleineren Posten die vorgesehene Rekordinvestition von 7,253 Millionen Euro nun sogar auf rund 7,4 Millionen angewachsen ist, wie Rechnungsamtsleiterin Bettina Meier bilanzierte.

Dabei hatte Bürgermeister Wolfgang Zoll mit Blick auf die Entwicklung der Gemeindefinanzen eingangs erklärt: „Wir müssen darauf achten, dass wir nicht nur ausgeben.“ Doch am Ende meinte er: „Der Haushalt wird funktionieren.“ Die endgültigen Zahlen will Meier in der Sitzung am 17. Februar vorlegen, wenn der Haushalt 2020 beschlossen werden soll.

Unklare Zukunft für prominente Immobilie

Völlig offen scheint derzeit, wie es mit Schloss Königsegg weitergeht. Selbst ein Verkauf der prominenten Immobilie, die die Gemeinde an eine private Schule für therapeutische Berufe vermietet hat, wurde ins Gespräch gebracht.

Auf Antrag der Freien Liste Natur (FLN) hat eine knappe Mehrheit nun beschlossen, in diesem Jahr nur 100 000 Euro vorzusehen für Planungskosten und die allernötigsten Reparaturen des historischen Gebäudes im Inselzentrum – und nichts in den Folgejahren.

„Uns ist nicht klar, was wir für ein Konzept haben für dieses Haus“, so Gabriel Henkes (FLN). Ähnliche, aber nicht ganz so weit gehende Anträge hatten CDU und SPD eingereicht. Ralf Blum (CDU) erklärte: „Die Leute fragen: Was hat die Gemeinde vom Schloss außer Kosten?“

Vor allem Sanitäranlagen und Statik gelten als sanierungsbedürftig

Für die FW meinte dagegen Armin Okle: „Wir kommen um diese Investition nicht herum.“ Denn Bettina Grathwohl vom Ortsbauamt berichtete, dass mehrere Ingenieurbüros schon seit eineinhalb Jahren das Gebäude untersuchen würden: „Wir sind uns einig, dass das Haus erheblich krankt.“

Vor allem die Sanitäranlagen und die Statik seien in einem sehr schlechten Zustand. Der Bürgermeister erklärte, er werde das Thema in diesem Jahr noch mal auf die Tagesordnung bringen.

4,5 Millionen Euro für Neubaugebiet

Den größten Posten bei der Reichenauer Rekordinvestition macht mit rund 4,5 Millionen Euro der Grundstückskauf vom Land für das geplante Neubaugebiet Lindenbühl-West aus, in dem auch sozialer Wohnungsbau vorgesehen ist. Hierfür nehme die Gemeinde einen Kredit auf, so Meier. Immerhin falle der Betrag etwas geringer aus, weil bereits 17 000 Euro Notarkosten im vorigen Jahr finanziert worden seien.

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Die CDU hatte vorgeschlagen, für die Finanzierung des Projekts eine eigene Wohnbau- oder Immobiliengesellschaft zu gründen mit einer Million Euro Stammkapital. Blum meinte, die Gemeinde müsse sonst zu hohe Schulden machen. „Das ist uns im Haushalt zu heftig.“ Und es gäbe für eine solche Gesellschaft in der Zukunft weitere mögliche Projekte wie das Bauhofareal.

Soll die Gemeinde eine Wohnbaugesellschaft gründen?

Der Bürgermeister betonte dagegen: „Es gibt einen Kaufvertrag, dem wir schon zugestimmt haben.“ Die Gründung einer solchen Gesellschaft ergebe zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt keinen Sinn. Armin Okle (FW) meinte mit Blick auf spätere Baugrundverkäufe, die Schulden im Haushalt täten ihm nicht weh: „Da kommt ja etwas zurück.“

Und Sandra Grassl-Caluk (SPD) meinte, es gebe genügend Wohnbaugesellschaften. „Wir müssen das nicht noch mal neu erfinden.“ Der Bürgermeister sagte aber, er werde prüfen, ob die Gründung einer solchen Gesellschaft zu einem späteren Zeitpunkt sinnvoll sein könnte.

Container in der Sandseele

Das Thema wird ab 2022 wieder aktuell, so der Bürgermeister. Bis dahin kümmere sich der Landkreis in Sammelunterkünften als Übergangslösung um Flüchtlinge, die eigentlich auf die Gemeinden verteilt werden sollten. Reichenau plant daher in diesem Jahr, für 40 000 Euro Containermodule anzumieten und in der Sandseele nahe des Campingplatzes aufzustellen.

FW scheitern mit ihrem Anliegen

Die FW hatten dagegen beantragt, in diesem und dem kommenden Jahr jeweils rund 400 000 Euro vorzusehen für ein richtiges Gebäude. Doch das wurde mehrheitlich abgelehnt. Der Bürgermeister betonte, da man im Landschaftsschutzgebiet sei, müsste die Gemeinde die Unterkunft bei einer späteren Nutzungsänderung zurückbauen.

Und zudem sagte er: „Mir ist es wichtig, verschiedene Unterbringungsqualitäten zu haben.“ Die Flüchtlinge sollten auch einen Anreiz haben, sich selbst eine richtige Wohnung zu suchen. Auf Vorschlag der CDU will die Verwaltung aber prüfen, ob es sinnvoll wäre, die Container nicht nur zu mieten, sondern zu kaufen.

Die Sanierung des Kiosk-Restaurants beim Yachthafen ist eine der größeren Baumaßnahmen der Gemeinde Reichenau in diesem Jahr – und die wird teurer als zunächst kalkuliert. | Bild: Zoch, Thomas

Durch etliche kleinere Posten wird damit die Rekordinvestition 2020 weiter wachsen. Auf Antrag von CDU und FLN sollen bereits ab diesem Jahr und nicht erst ab 2021 Zimmer in der Walahfrid-Strabo-Schule saniert werden, was im aktuellen Haushalt 120 000 Euro mehr ausmacht. Die Sanierung des Hauses in der Burgstraße, das die Gemeinde gekauft hat, werde durch Auflagen der Gewerbeaufsicht um 30 000 Euro teurer, so Meier, veranschlagt sind nun 440 000.

Teurer werde auch die Sanierung des SB-Restaurants am Yachthafen, so Grathwohl. Die Kosten steigen von 111 000 auf 130 000 Euro. Ähnlich sieht es bei der Erneuerung der Uferpalisaden aus, so Petra Eisenbarth, die Leiterin des Ortsbauamts. Wegen des tiefer gehenden schlammigen Untergrunds steigen die Kosten um 50 000 auf 185 000 Euro. Und im Seniorenzentrum seien für zusätzliche Brandschutzmaßnahmen 50 000 Euro nötig.