Eben noch in Anzug und Krawatte im Büro, jetzt schon in Feuerwehrkluft auf dem Weg zum Einsatz: Das ist oft der Alltag von Ehrenamtlichen, die sich bei der Freiwilligen Feuerwehr engagieren.

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Ehrenamt betrifft auch immer die Kollegen

Da die Bezirkssparkasse Reichenau die Feuerwehrler in ihren Reihen seit Jahren dabei unterstützt, sich für die Gesellschaft zu engagieren, wurde sie kürzlich vom Land Baden-Württemberg als ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber im Bevölkerungsschutz ausgezeichnet.

Der Reichenauer Bürgermeister Wolfgang Zoll (Dritter von rechts) und Johann Roth, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Reichenau (Mitte) freuen sich über die Auszeichnung der Sparkasse Reichenau als ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber.
Der Reichenauer Bürgermeister Wolfgang Zoll (Dritter von rechts) und Johann Roth, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Reichenau (Mitte) freuen sich über die Auszeichnung der Sparkasse Reichenau als ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber. | Bild: Sparkasse Reichenau

Auch viele andere Unternehmen lassen ihre Mitarbeiter gern für ehrenamtliche Tätigkeiten während der Arbeitszeit ziehen. Doch dies bedingt, dass auch das restliche Team mithilft.

Zwar besagt das Feuerwehrgesetz Baden-Württemberg, dass Arbeitgeber ihre ehrenamtlich tätigen Feuerwehrleute für die Dauer von Einsätzen sowie für Aus- und Fortbildungen freistellen müssen.

Sparkassen-Chef: „Können uns glücklich schätzen, dass es diese Leute gibt“

Doch es ist ein Unterschied, ob Chefs ihre Angestellten nur zähneknirschend ziehen lassen oder ob sie deren Dienst aktiv unterstützen. Für Johann Roth, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Reichenau, ist die Lage eindeutig: „Wir sind mit unseren 90 Mitarbeitern auf der Reichenau eine große Familie und können uns glücklich schätzen, dass es Leute gibt, die sich für die Gesellschaft engagieren.“

Sebastian Böhler (links) und Alexander Peters (rechts) von der Haustechnik der Sparkasse Reichenau freuen sich mit Vorstandsvorsitzendem Johann Roth über die Auszeichnung der Sparkasse Reichenau als ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber.
Sebastian Böhler (links) und Alexander Peters (rechts) von der Haustechnik der Sparkasse Reichenau freuen sich mit Vorstandsvorsitzendem Johann Roth über die Auszeichnung der Sparkasse Reichenau als ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber. | Bild: Kirsten Astor

Roth ergänzt: „Schließlich könnte ein Brand auch jederzeit uns selbst treffen. Das gesamte Team steht dahinter, dass unsere fünf Feuerwehrleute alles stehen und liegen lassen, wenn ihr Piepser ertönt.“

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Seit über 20 Jahren werde dies so praktiziert, die Kollegen würden die anfallende Arbeit der Feuerwehrleute klaglos übernehmen. „Im Schnitt passiert dies zweimal im Monat“, schätzt Johann Roth. Die Auszeichnung des Landes Baden-Württemberg sieht er deshalb als Dank an alle Kollegen.

Der Haustechniker ist stellvertretender Feuerwehr-Kommandant

Auch Sebastian Böhler von der Haustechnik der Reichenauer Sparkasse, der gleichzeitig stellvertretender Kommandant und Leiter der Jugendfeuerwehr Reichenau ist, meint: „Das ist eine Auszeichnung, die man nicht in Zahlen fassen kann.“

Alexander Peters und Sebastian Böhler (von links) sind Haustechniker der Sparkasse Reichenau. Wenn ihr Piepser einen Alarm meldet, verlassen sie sofort ihren Arbeitsplatz, denn sie sind auch Feuerwehrmänner.
Alexander Peters und Sebastian Böhler (von links) sind Haustechniker der Sparkasse Reichenau. Wenn ihr Piepser einen Alarm meldet, verlassen sie sofort ihren Arbeitsplatz, denn sie sind auch Feuerwehrmänner. | Bild: Kirsten Astor

Er ist froh, dass die Abläufe so reibungslos funktionieren: „Bei einem Alarm rufen wir schnell einen Kollegen, damit der unsere Arbeit übernimmt, und schauen, wo das nächste Auto greifbar ist. Wir dürfen dafür sogar das Geschäftsauto nehmen“, so Böhler. Doch auch er weiß, dass die Abläufe nicht immer einfach sind: „Lange Anfahrten zur Wache sind zum Beispiel ein Problem für viele Arbeitnehmer.“

Manche Ehrenamtlichen müssen nacharbeiten

Davon kann auch Christopher Kutschker ein Lied singen. Der Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Konstanz sagt: „Es gibt im Alltag genügend Gründe, warum ein Angestellter nicht immer tagesverfügbar für die Feuerwehr ist. Darunter fallen die Aufsichtspflicht für Kinder, zum Beispiel als Erzieher oder Lehrer, oder die Aufsichtspflicht für Auszubildende und Lehrlinge.“

Sie sind froh, dass sie im Hier und Jetzt leben und modernste Feuerwehrtechnik nutzen können (v.l.): Christopher Kutschker, Pressesprecher der Feuerwehr Konstanz, und Heiko Auer, Zugführer des 7. Zugs (Wollmatingen).
Sie sind froh, dass sie im Hier und Jetzt leben und modernste Feuerwehrtechnik nutzen können (v.l.): Christopher Kutschker, Pressesprecher der Feuerwehr Konstanz, und Heiko Auer, Zugführer des 7. Zugs (Wollmatingen). | Bild: Scherrer, Aurelia

Außerdem sagt Kutschker: „Es gibt auch Jobs, bei denen so schnell keine Vertretung verfügbar ist, die aber erledigt werden müssen. Ich denke da an Polizisten oder einen Pförtner. Außerdem können wichtige Termine oder Konferenzen einen Einsatz verhindern. Und für manche liegt der Arbeitsort einfach zu weit von der Feuerwache entfernt, um in einer vernünftigen Zeit dort zu sein.“

Er selbst sei bei knapp einem Drittel der Alarmierungen durch Termine, Arbeiten außerhalb von Konstanz oder Schulungen verhindert. Im Feuerwehrgesetz ist geregelt, dass Ehrenamtlichen durch ihre Tätigkeit in der Gemeindefeuerwehr kein „Schaden“ entstehen darf. So geht ihnen durch ihre Einsätze keine Arbeitszeit verloren. „Je nach Job hat man aber natürlich Aufgaben, die in der Abwesenheit niemand anderes erledigen kann. Diese Arbeit muss dann noch gemacht werden“, so Kutschker.