Als Landschafts- und Bodenseemaler kennen viele auch heute noch den Künstler Bernhard Schneider-Blumberg. Auf seinen Bildern sind vor allem Reichenauer Motive zu sehen, denn auf der Insel lebte der Maler bis zu seinem Tod 1956 fast vier Jahrzehnte lang. Und in vielen Reichenauer Haushalten gebe es auch noch solche Gemälde dieses Künstlers, erklären Karl Wehrle und Gert Zang vom Museumsverein.

Doch das thematische und stilistische Spektrum Schneider-Blumbergs sei viel breiter gewesen. Er habe zwar nicht die Bekanntheit erreicht wie etwa sein Zeitgenosse Otto Dix, sondern nur als regionaler Künstler wie auch Heinrich Lotter und Oswald Poetzelberger, die ebenfalls lange auf der Reichenau lebten. Aber: „Das heißt nicht, dass diese Künstler schlechter sind“, meint Zang. Auch Schneider-Blumberg habe, gerade nach dem Ersten Weltkrieg, kritische und lebensphilosophische Bilder gemalt. „Aber davon konnte er nicht leben“, erklärt Zang.

Schweizer Kunden retten den Künstler

Das Leben Schneider-Blumbergs ist auch keineswegs so idyllisch verlaufen, wie viele seiner Landschaftsbilder vielleicht glauben lassen. Wehrle betont: „Es ist das klassische Auf und Ab, das viele Künstler in dieser Zeit erlebt haben.“ Zang fügt an: „Es gab Jahre, wo er kein einziges Bild verkauft hat. Zum Beispiel nach der Währungsreform 1948.“ Die Zeit der Inflation Anfang der 1920er-Jahre habe er dank Kundschaft aus der Schweiz, die natürlich in Franken gezahlt habe, überstanden.

Das Bild von Bernhard Schneider-Blumberg, das Karl Wehrle (links) und Gert Zang hier halten, zeigt den Blick von der Hochwart auf Mittelzell.
Das Bild von Bernhard Schneider-Blumberg, das Karl Wehrle (links) und Gert Zang hier halten, zeigt den Blick von der Hochwart auf Mittelzell. | Bild: Zoch, Thomas

Die Erinnerungen an sein bewegtes Leben hat Bernhard Schneider-Blumberg selbst festgehalten. Den mit der Schreibmaschine getippten Text habe seine inzwischen 91-jährige Tochter Laetitia, die noch auf der Reichenau lebe, so Zang und Wehrle. Der Museumsverein gebe die Lebenserinnerungen mit dem Titel „Meine Wege zur Kunstbetätigung“ nun im Original und nur mit einem Vorwort versehen als Buch heraus – unter anderem auf Wunsch der Tochter. Auf Nachfrage, was für sie das Erscheinen der Lebenserinnerungen ihres Vaters bedeute, sagte sie: „Dass seine Kunst weiter lebt und in Erinnerung bleibt.“

Wehrle betont, der Verein sehe es als eine Schwerpunktaufgabe an, das Werk der Reichenau-Maler zu erhalten. Nachdem es bereits Bücher zu Leben und Werk von Lotter und Poetzelberger gebe, schließe man nun mit dem Buch zu Schneider-Blumberg eine Lücke.

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Landschaftsmaler durch stundenlangen Schulweg

Natürlich sei die Landschaftsmalerei schon seine große Leidenschaft gewesen, erklärt Zang. Deshalb sei Schneider-Blumberg auch 1919 von Karlsruhe auf die Reichenau gezogen. Dessen Vorliebe für dieses Thema führt Zang auf die Kindheit zurück. „Er musste eine Stunde zur Schule laufen. Da hat er Landschaft zu allen Jahreszeiten und in allen Stimmungen erfahren.“ In seinem Werk sei es später auch genau eine seiner Stärken gewesen, Stimmungen einzufangen. „Das konnte er meisterlich“, meint Zang. Oft sind die Uferbereiche, Pappelreihen oder der Blick auf die Hegauberge in der Ferne die Motive. Aber, so merkt Wehrle an, Schneider-Blumberg habe auch viele Bilder gemalt, die den Gemüsebau zeigen. Er habe ähnlich wie der Inselfotograf Theodor Keller damit auch die damalige Zeit festgehalten.

Dieses Selbstporträt entstand 1929. Der Künstler zeigt sich dabei an der Arbeit an einem Bild mit dem Titel „Der Weg, den wir alle gehen“, welches er als sein Lebenswerk bezeichnet.
Dieses Selbstporträt entstand 1929. Der Künstler zeigt sich dabei an der Arbeit an einem Bild mit dem Titel „Der Weg, den wir alle gehen“, welches er als sein Lebenswerk bezeichnet. | Bild: Museumsverein Reichenau

Doch er habe eben nicht nur Landschaften gemalt, so Zang. Das zeige das reich bebilderte Buch. Schon allein aus wirtschaftlichen Gründen habe er auch viele Porträts gemalt – also reine Auftragsarbeiten für Wohlhabende, was der Künstler irgendwann leid gewesen sei. Wehrle dazu: „Porträt ist Handwerk, andere Bilder sind Inspiration und Empfinden.“ Darüber hinaus habe er Gebrauchsgrafiken angefertigt – etwa Reklame für das Gasthaus Mohren oder eine Ehrenurkunde. Eindrücklich schildere er in seinen Erinnerungen die Opfer, die es ihn gekostet habe, all diese Werke hervorzubringen.

Porträts im Tausch gegen Insulin

Ferner habe er Hausfassaden bemalt und ebenso Kirchenräume, sowie Bilder in Reichenauer Kirchen restauriert. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg sei er dankbar gewesen für solche Aufträge. Zang fügt an, dass der Künstler an Diabetes erkrankt war und nach 1945 nur habe überleben können, weil er von französischen Soldaten Insulin im Tausch gegen Porträts bekommen habe.

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Aber vor allem in den 1920er-Jahren habe Schneider-Blumberg auch in verschiedene Richtungen experimentiert. Davon gebe es eine Serie von Bildern, die sich mit den Folgen des Krieges und der Massengesellschaft philosophisch und kritisch auseinandersetzen, so Zang. Als Beispiel nennt er ein Bild mit dem Titel „Der Acker des Todes“, das den Sensenmann auf einem Schlachtfeld zeigt. Oder das Bild „Das Armenhaus“, auf dem drei armselige Menschen aus Blechnäpfen essen. Dieses heute verschollene Werk habe einst im damals renommierten Münchner Glaspalast gehangen.

Sein Lebenswerk selbst zerschnitten

Als sein Lebenswerk habe Schneider-Blumberg selbst ein großformatiges Bild mit dem Titel „Der Weg, den wir alle gehen“ bezeichnet . Das düster wirkende Werk zeigt unterschiedliche Menschen, teils im Licht, teils im Schatten. Der Künstler selbst hat zu diesem Bild notiert, dass das Leben ein ewiger Kreislauf sei aus Kultur und Geist, Pracht und Luxus, Zerfall und Verwirrung, Laster und Wahnsinn sowie Hass und Krieg. Mit diesem Lebenswerk habe Schneider-Blumberg bereits 1912 begonnen, es aber nie fertigstellen können, erklärt Zang. Er habe es zusammengerollt aufbewahrt in der Hoffnung, es irgendwann zu Ende malen zu können. Doch, so Zang: „Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte er kein Geld für Leinwand. Da hat er es zerschnitten und die Leinwand wiederverwendet und übermalt.“