Die Identität der Gemeinde und das Ehrenamt sollen in diesem Jahr möglichst gestärkt werden, sagte der Reichenauer Bürgermeister Wolfgang Zoll beim Neujahrsempfang vor rund 300 Bürgern in der Pfaffenmooshalle in der Waldsiedlung: „Das Zusammenführen wird uns bewegen.“ Sowohl das der Menschen von Insel und Festland wie auch der wichtigen Wirtschaftsbereiche wie Gemüsebau und Tourismus.

Die Gemeinde als Summe aus allen einzelnen

Als eine wichtige Veranstaltung nannte Zoll den geplanten Reichenau-Tag am 3. Oktober, der dazu dienen solle, sich besser kennen zu lernen und damit die Identität der Gemeinde zu stärken. Er sagte: „Jeder Einzelne ist Gemeinde. Die Gemeinde ist die Summe.“

In Deutschland sei 2019 ein schwieriges Jahr gewesen, so Zoll. Der Rückgang von Toleranz und Solidarität habe die Menschen bewegt, ebenso die Klimadiskussion und die Ängste vor einem wirtschaftlichen Abschwung.

Solidarität ist wichtig

Doch in einer überschaubaren Gemeinde wie Reichenau, in der sich viele kennen, sei Vieles noch möglich. Als Beispiel für Mitmenschlichkeit nannte er die Seniorenarbeit. „Diese Solidarität ist etwas Wichtiges“, so Zoll. Mit Klimaschutz beschäftige sich der neue Arbeitskreis Biodiversität, zudem gebe es das zusätzliche Angebot eines E-Carsharings. Und beim Thema Wirtschaft tue sich im Bausektor in der Gemeinde sehr viel – ob bei der Rathaussanierung, der neuen Vinothek oder der B 33.

Dank an die Vereine

Zoll betonte, dass Vieles nur möglich sei dank des Engagements vieler Menschen. Sein Dank gelte daher den alten und neuen Mitgliedern des Gemeinderats sowie der Kandidaten und ebenso den Vereinen. Er sprach dabei die anstehenden Jubiläen an des Narrenvereins Pfaffenmooser (50 Jahre) mit Seenarrentreffen im Februar und des Sportvereins (100 Jahre) im Juni. „Das sind Riesenereignisse“, meinte der Bürgermeister.

Bürgermeister Wolfgang Zoll (Mitte) stieß beim Neujahrsempfang unter anderem mit Vertretern der Vereine an, die in diesem Jahr ein großes Jubiläum feiern: dem Sportverein-Vorsitzenden Manfred Grassl (rechts), wo 100 Jahre begangen werden und dem Vize-Präsidenten der Pfaffenmooser (50 Jahre), Christof Sauer.
Bürgermeister Wolfgang Zoll (Mitte) stieß beim Neujahrsempfang unter anderem mit Vertretern der Vereine an, die in diesem Jahr ein großes Jubiläum feiern: dem Sportverein-Vorsitzenden Manfred Grassl (rechts), wo 100 Jahre begangen werden und dem Vize-Präsidenten der Pfaffenmooser (50 Jahre), Christof Sauer. | Bild: Zoch, Thomas

Zoll lobt die direkte Busverbindung

Im Zuge des Dialogprozesses Reichenau Zukunft 2030 sei es eines der wichtigen Themen, das Ehrenamt zu stärken. „Ehrenamtliche stellen viel auf die Beine“, so Zoll. Für das Thema Verkehr nannte er die neue direkte Busverbindung zwischen Insel, Lindenbühl und Waldsiedlung. Wenn im Sommer noch das Ein-Euro-Ticket komme, merkte er scherzhaft an, „können Sie sich gegenseitig ständig besuchen“.

Allerdings gebe es im neuen Busverkehr ebenso in der Gemeinde Reichenau wie andernorts bisher noch Probleme, die größer seien als erwartet. „Wir bleiben dran“, sagte Zoll und gab sich überzeugt, dass die neuen Buslinien gut laufen werden.

Schaffung von Wohnraum

Als weiteres wichtiges Thema nannte Zoll die Grundstückspolitik, die die Gemeinde aktiver betreiben wolle, und die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum westlich des Lindenbühls. Zudem blickte der Bürgermeister kurz auf die kommenden Jahre voraus. 2024 stehe das Jubiläum 1300 Jahre Klostergründung an, was praktisch gleichzusetzen sei mit der Gründung der Gemeinde. 2025 könne man 25 Jahre Welterbe feiern und 2026 75 Jahre Waldsiedlung.

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Lob für Infrastruktur und das „gute Leben“

Der Bürgermeister erhielt viel Applaus für seine Worte. Jürgen Meurer aus dem Lindenbühl zum Beispiel sagte, die Gemeinde sei auf einem guten Weg. „Man hat ein angenehmes Leben. Die Infrastruktur ist gut, der neue Busverkehr toll, auch wenn er anfangs nicht funktioniert.“ Er monierte allerdings als einen Schwachpunkt, dass ein Stück Weg in Göldern zu den Einkaufsmärkten noch immer nicht asphaltiert und der Bordstein dort nicht abgesenkt sei.

Bürger schätzen die neue Busverbindung

Auch Thomas Sirock aus der Waldsiedlung meinte, die Gemeinde sei auf einem guten Weg, und lobte die neue Busverbindung. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Man hat das Gefühl, dass wir doch an die Reichenau angebunden sind, dass wir dazu gehören.“ Gudrun Böhler, die auf der Insel lebt, meinte zwar, sie wisse nicht, ob der neue Bus den Zusammenhalt fördern werde, „aber es macht es auf jeden Fall einfacher“. Und, so Böhler: „Beeindruckend finde ich die Seniorenarbeit, die Leute, die das Ehrenamt ausüben.“

Musikalisch umrahmt wurde der Neujahrsempfang vom Singkreis des Seniorenzentrums und der dortigen Gruppe Musizieren grenzenlos unter der Leitung von Norbert Hallbauer (Gitarre) und Wolfgang Schmidt (Akkordeon).

Der Singkreis und die Gruppe Musizieren grenzenlos aus dem Seniorenzentrum umrahmten den Neujahrsempfang musikalisch.
Der Singkreis und die Gruppe Musizieren grenzenlos aus dem Seniorenzentrum umrahmten den Neujahrsempfang musikalisch. | Bild: Zoch, Thomas