Das ganze Ausmaß wird erst am Tag danach ersichtlich. Unter den verkohlten Dachbalken sind spärliche Reste dessen, was einst eine Wohnung war. "Alles ist kaputtgegangen", sagt Armin Okle, der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Reichenau. Er war beim Brand am Montagabend vor Ort und machte sich auch am Dienstag nochmals ein Bild.

Das Paar, das hier wohnte, hat mehr verloren als seine Einrichtung – und ist dennoch gut davongekommen. Mit dem Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung waren sie ins Krankenhaus gebracht worden und blieben dort zunächst unter Beobachtung.

Unterdessen sind fünf Wohnungen zunächst nicht nutzbar. Doch während die Dachwohnung komplett zerstört wurde, konnte die Feuerwehr einen Brandschaden an den vier anderen abwenden. Armin Okle sagte, dass Bewohner noch in der Nacht in Begleitung von Feuerwehrleuten einige Habseligkeiten abholen konnten. Sie sind in Ausweichquartieren untergekommen, stehen aber auch vor einer ungewissen Zukunft. Am Dienstag waren Sachverständige vor Ort, die Polizei bezifferte den Schaden auf 250 000 Euro. 


Video: privat

Während die Brandursache zunächst weiter offen blieb, ist der Ablauf inzwischen weitgehend geklärt. Laut dem Reichenauer Feuerwehr-Pressesprecher Thomas Baumgartner versuchten die Bewohner den Brand zunächst selbst zu löschen. So sei der Dachstuhl beim Eintreffen der Feuerwehr bereits im Vollbrand gestanden.

Das Feuer breitete sich dann rasch aus; für die Feuerwehr war auch die Löschwasserversorgung eine Herausforderung. Baumgartner dankte am Dienstag auch der Feuerwehr Konstanz für die Hilfe mit der Drehleiter: "Gemeinsam konnten wir Schlimmeres verhindern."

Großes Lob an die Einsatzkräfte

Im Einsatz waren nicht nur 42 Angehörige der Feuerwehr Reichenau und etwa 25 Mitglieder der Konstanzer Feuerwehr. Um den Dachstuhl zu beleuchten und die Standsicherheit der verkohlten Balken zu prüfen, half auch das Technische Hilfswerk Konstanz mit einem Lichtmast. Der THW-Ortsverband Singen unterstützte mit einem Bausachverständigen. Nach eingehender Untersuchung habe der Experte festgestellt, "dass der Dachstuhl nicht einsturzgefährdet ist", so Baumgartner.

Der brennende Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses auf der Insel Reichenau.
Der brennende Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses auf der Insel Reichenau. | Bild: Jörg-Peter Rau

Wie und wann das Haus wieder instandgesetzt werden kann, war am Tag nach dem Brand vollkommen offen. Baumgartner sagte, das Gebäude werde auch in den nächsten Tagen noch untersucht. Im Keller steht nach seinen Worten sehr viel Löschwasser, die Schäden an den vier weniger betroffenen Wohnungen müssen erst im Detail aufgenommen werden. Armin Okle sagte, die Gemeinde Reichenau unterstütze die Betroffenen nach Kräften.

Den Einsatzkräften vom Montag sprach er großes Lob aus: "Es war enorm, was alle Beteiligten geleistet haben."