Der Fall des Online-Versandhändlers www.outdoortrekking2000.de schlug im Dezember 2016 hohe Wellen. Der Internetshop aus der Ortenau wurde offiziell von knapp 300 Geschädigten wegen Betrugs angezeigt. Nun wurde das Ermittlungsverfahren von der Staatsanwaltschaft Offenburg eingestellt. Einer der Geschädigten ist Peter Hofsäß von der Insel Reichenau. Für ihn ist diese Entscheidung „eine Riesensauerei“.

250 Euro für eine Jacke, die er nie bekam

Vor zwei Jahren hatte Hofsäß bei dem Versandhändler 250,41 Euro für eine Jacke für seine Frau vorab bezahlt, die Ware aber nie erhalten. Hofsäß bekam die freundliche Antwort, der Artikel sei beim Hersteller ausverkauft und müsse nachbestellt werden. Sein Geld oder gar die Jacke sah er nicht. Daraufhin wandte Peter Hofsäß sich an den SÜDKURIER. Im Nachhinein der richtige Schritt.

„Nach dem Artikel sind drei Wochen ins Land gegangen, bis sich ein älteres Ehepaar aus Wiesbaden bei mir gemeldet hat“, erzählt der Reichenauer heute. „Sie hatten den Bericht gelesen und sagten mir, dass ich dort hinfahren müsse, dann bekäme ich mein Geld zurück. Sie hatten das auch so gemacht.“

Reichenauer stellt die Betrüger persönlich zur Rede

Gesagt, getan. Peter Hofsäß fuhr nach Oberkirch und stellte im Geschäft der beiden Inhaber des Internetshops eine Mitarbeiterin zur Rede, wie er erzählt. Die durfte ihm zwar das Geld nicht bar geben, doch sie überreichte ihm einen ausgefüllten Überweisungsschein. Wiederum drei Tage später hatte Peter Hofsäß sein Geld tatsächlich zurück. „Aber es war ein Riesenaufwand“, wie er sagt. „Ich schätze, dass der entstandene Schaden 700 bis 800 Euro beträgt. Ich bin 650 Kilometer hin und zurück gefahren, dazu kam ein ganzer ausgefallener Arbeitstag“, fährt er fort.

"Ein Armutszeugnis für die deutsche Justiz"

Nun ist die Sache für ihn erledigt. „Eine zivilrechtliche Klage ist mir zu aufwendig, das bringt auch nichts“, sagt Hofsäß, der sich dennoch ärgert, dass die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Betrug von der Staatsanwaltschaft eingestellt wurden. Jahrelang sei ermittelt worden, „und die Seite war lange nicht stillgelegt. Wenn man dann zu diesem Ergebnis kommt, ist das ein Armutszeugnis für die deutsche Justiz“, sagt der Reichenauer.

Seit Mitte 2015 hatte die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Internetshop hatte auf Anfrage erklärt: „Bedingt durch eine Systemumstellung wird die Abwicklung derzeit zusätzlich erschwert. Wir arbeiten daran und versichern allen Kunden, die bestellte Ware auszuliefern, bzw. die entsprechenden Erstattungen vorzunehmen.“

Der Reichenauer Peter Hofsäß hofft zumindest, dass er mit dem erneuten Gang an die Öffentlichkeit anderen Geschädigten helfen kann. In seinem Fall hat es ja schließlich auch geklappt: „Wenn ich den Tipp nicht bekommen hätte, würde ich immer noch auf das Geld warten“, sagt er.